«Können Unternehmen ohne internationale Aufstellung wettbewerbsfähig bleiben?» Dieser Fragestellung widmete sich das Panel am diesjährigen von der Handelskammer, der Solothurner Wirtschaftsförderung und der UBS durchgeführten Anlass «Wirtschaftsausblick» im Landhaus zu Solothurn. Die Antwort war klar: «Die Internationalisierung ist für die Schweizer Wirtschaft essenziell», sagte stellvertretend Martina Gmür von der Aussenhandelsorganisation Switzerland Global Enterprise, der früheren Osec.

Dies gelte sowohl für kleine, mittlere und grössere Unternehmen. Es gebe viele Beispiele von sogenannten «hidden champions», welche in Nischenmärkten eine globale Lederstellung erreicht haben. Andere Firmen hätten das Potenzial dazu, «müssen dazu aber den Schritt ins Ausland wagen».

Ein Ziel, unterschiedliche Wege

Die an der Front tätigen Unternehmer skizzierten unterschiedliche Wege dorthin. Simon Michel, Chef der Burgdorfer Medizinaltechnikfirma Ypsomed, setzt auf beide Standorte. «In der Schweiz sind wir mit unserer Forschung und Entwicklung, aber auch mit starken Werken in Burgdorf und Solothurn präsent.»

Diese Nähe sei wichtig, begründete er auch den Ausbau des Werkes in Solothurn für insgesamt 50 Millionen Franken. Der geplante Bau einer neuen Fabrik in Norddeutschland sei kein Widerspruch. Basierend auf dem hiesigen Know-how und der bestehenden Produktion werde «die Fabrik ins Ausland transferiert, sozusagen dort geklont.» Ypsomed wachse stark und es sei keine Verlagerung, sondern ein Ausbau der Produktion. Einen grossen Teil des Umsatzes erziele Ypsomed im Euroraum und deshalb müsse ein entsprechender Anteil der Kosten auch in Euro anfallen. «Die Internationalisierung ist keine Gefahr, sondern hilft den Firmen mit einer hiesigen Produktion zu überleben.»

Einen anderen Weg der Internationalisierung beschreitet die Babynahrungsmittelherstellerin Bimbosan AG in Welschenrohr. «Für uns als Herstellerin eines Nahrungsmittels macht es keinen Sinn, eine Produktion im Ausland aufzubauen», sagte Firmenchef Daniel Bärlocher. Seine Kunden wollten explizit Nahrungsmittel «Made in Switzerland». Deshalb investiere Bimbosan derzeit 15 Millionen Franken in den Ausbau der Produktion in Welschenrohr.

Derzeit liege der Exportanteil bei 30 Prozent. Ziel sei es, diesen auf über 70 Prozent zu steigern. Eine wichtige Rolle dabei spiele der Riesenmarkt China. Schon heute würden 80 Prozent der im Ausland verkauften Ware dort abgesetzt. Wenn es einem Schweizer Nahrungsmittelhersteller gelinge, das Vertrauen der Konsumenten zu gewinnen, seien diese auch bereit, «etwas mehr für eine Marke mit Topqualität zu zahlen».

«Längere Wege»

Für Thomas Sommerhalder, Regionaldirektor und Leiter Unternehmenskunden bei der UBS Aargau/Solothurn, schliesst das eine das andere nicht aus. «Generell müssen es die Unternehmen wagen, auch längere Distanzen zu gehen». Den besten Weg zur Internationalisierung sieht er darin, «alte, bewährte Produkte in neue Märkte zu bringen». Beim Produktionsschritt ins Ausland müsse eine Firma darauf achten, die Tätigkeiten mit hoher Wertschöpfung in der Schweiz zu behalten. Denn es sei nicht zielführend, nur Forschung und Entwicklung ohne angegliederte Produktion zu betreiben. «Das funktioniert nicht.»

Auch Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler stellte in ihrer Rede die Globalisierung ins Zentrum. Die Kleinheit des Binnenmarktes habe die Firmen schon früh gezwungen, Märkte im Ausland zu finden. Die Globalisierung habe der Schweiz hohen Wohlstand gebracht, aber schüre auch Ängste. Sie meinte den verstärkten Ruf nach Protektionismus. Denn alles habe zwei Seiten und so drängten ausländische Firmen mit ihren Produkten auch in die Schweiz. Man müsse aber offen bleiben und sich den Herausforderungen stellen. Dazu gehöre auch, dass jede Firma ökonomisch selbst entscheiden müsse, wo welche Wertschöpfung erzielt werden solle. Es mache keinen Sinn, in unrentable Strukturen zu investieren. «Die Internationalisierung ist unabdingbar, um die Arbeitsplätze in der Schweiz halten zu können.»