Wallierhof Riedholz

«Für Erziehung gibt es kein Rezept - es gilt, den eigenen Weg zu gehen»

Die drei Referentinnen von der Fachstelle Kompass (v.l.): Silvia Salathe, Irma Bachmann und Doris Bessire.

Die drei Referentinnen von der Fachstelle Kompass (v.l.): Silvia Salathe, Irma Bachmann und Doris Bessire.

Am kantonalen Bäuerinnen- und Landfrauentag befassten sich die 70 anwesenden Teilnehmerinnen mit Erziehung und Beziehung. Referentinnen der Fachstelle «kompass» führten dazu drei Workshops durch.

«Jedes Kind möchte vom ersten Augenblick seines Lebens an sofort mit Menschen in Beziehung treten», sagte Irma Bachmann, Koordinatorin Elternbildung bei der Fachstelle kompass in ihrem Referat am Bäuerinnen- und Landfrauentag im Wallierhof in Riedholz. Betreuung, Erziehung und Selbstbildung eines Kindes erfolge über Beziehung.

Früher habe in der Gesellschaft eine einheitliche Ansicht gegolten, wie ein Kind sein sollte. «Brav, fleissig und fromm», sagte sie zum damaligen allgemein gültigen Erziehungsstil. Die Gesellschaft und das ganze Dorf hätten diesen Grundsatz mitgetragen. Heute stünden Selbstständigkeit, Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung, Mitspracherecht und Mitentscheidung im Vordergrund.

Dass daher die Eltern manchmal verunsichert sind und Erziehung eine Herausforderung bedeutet, spricht für sich. «Für die Erziehung gibt es kein Rezept, wie etwa ein Kochbuch, sondern es gilt, den eigenen Weg zu gehen», ermunterte Irma Bachmann. Jede erziehende Person habe ihr Bild, das manchmal schief hänge und wenn nötig durch eine Fachperson wieder in die Mitte gerückt werden könne.

Vorbild und Beziehung

In drei Workshops, geleitet von den drei Fachpersonen von «kompass» - Irma Bachmann, Doris Bessire und Silvia Salathe - liessen sich die 70 anwesenden Bäuerinnen und Landfrauen inspirieren. Ob zum Thema «Streit und Konflikte in der Familie lösen», «Haltgeben und Loslassen» oder «Grenzen setzen - Freiraum gewähren». Irma Bachmann machte klar, dass Grenzen setzen etwas mit Sicherheit, Schutz, Rücksichtnahme, Respekt aber auch mit eigenen Wertvorstellungen zu tun hat.

Vorbildfunktion gekoppelt mit Beziehung bedeute Kraft in der Wertevermittlung. Man könne nur dort Grenzen setzen, wo man wisse warum. «Kinder spüren genau, wie entschlossen man ist», sagte sie. «Worte sind wichtig, aber lange nicht so wichtig, wie man annimmt», fügt sie an. Die Körpersprache habe mehr Kraft als Worte. Wichtig seien klare Anweisungen und positive Formulierungen. Es gelte, leere Drohungen und alte Vorwürfe zu vermeiden sowie Konsequenzen mitzuteilen und durchzuziehen. «Manchmal braucht es eben einen Leuchtturm - ein Stopp», klärte sie auf.

Nützliche VW-Regel

Wie Familienkonflikte mit Herz und Verstand gelöst werden können, vermittelte Doris Bessire. Dazu gehören genügend Zeit, alle Konfliktbeteiligten mit einbeziehen, aktiv zuhören und ausreden lassen. Die Worte: «Ich streite mit dir, weil du mir wichtig bist. Mir ist nicht egal, was du machst und denkst», sind laut Doris Bessire hilfreich.

Sie rät, Killerwörter - immer oder nie - zu vermeiden und nicht in Wut zu diskutieren. Die Buchstaben VW, bedeuteten für einmal keine Automarke. Vielmehr bezogen sie sich auf keine (V)orwürfe machen, sondern in der Ich-Botschaft (W)ünsche anbringen.

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