Die Firma innorecycling in Eschlikon im Kanton Thurgau. Hierhin liefert die Firma Neuenschwander Entsorgungen aus Lohn-Ammannsegg gesammelten Haushaltkunststoff aus der Region Solothurn. Danach ist die Reise des Abfalls aber noch nicht zu Ende. Der gemischte Plastik-Müll kommt ins Ausland. Dort wird aber nur die Hälfte wiederverwertet. Macht das Sinn?

Markus Tonner, 50 Prozent des Abfalls, den innorecycling sammelt, werden recycelt. Wie genau?

Markus Tonner: Das Material gelangt ins grenznahe Österreich oder nach Deutschland zur Sortierung. Darauf folgt erst der eigentliche Recycling-Prozess, bei dem die sortierten, reinen Kunststoffe geschreddert und gemahlen, gewaschen, getrennt getrocknet und zuletzt geschmolzen, filtriert und zu Regranulatkörnern verarbeitet werden. Dieser technisch anspruchsvolle Prozess findet in der Schweiz sowie in den angrenzenden EU-Staaten statt. Die Regranulatkörner werden in der Industrie zur Produktion von Rohren, Folien oder Säcken verwendet.

Was passiert mit der anderen Hälfte des Abfalls?

Dieser wird der Zementindustrie als Ersatzbrennstoff zur Verfügung gestellt. Sie verbrennt zur Herstellung von Zement nämlich dreckige Kohle – oder eben Kunststoffabfall. Wenn sie diesen statt der Kohle verbrennt, entsteht weniger CO2.

Aber macht das Sinn: Müll in der Schweiz sammeln, damit er im Ausland verbrannt wird?

Es ist auch für uns von grösstem Interesse, so schnell wie möglich in der Schweiz sortieren zu können. Damit die Investition für eine hiesige Sortieranlage getätigt werden kann, braucht es aber mehr gemischten Kunststoffabfall vom Schweizer Markt – mindestens 10'000 Tonnen. Zudem ist die CO2-Belastung durch die Transporte ins Ausland sehr klein – gerade im Verhältnis zu den CO2-Einsparungen, die man durch das Wiederverwerten von Kunststoffabfällen erzielt.

Trotzdem gibt es Kritiker an Ihrem System: Gemischter Abfall sei schlecht verwertbar.

Es ist uns keine einzige Studie bekannt, welche zum Schluss kommt, dass Recycling nicht sinnvoll sei. Zudem wird heute immer noch eine grosse Menge an sortierten Haushaltkunststoffen aus dem Ausland importiert, um den Bedarf an Kunststoffabfall für die Produktion von Regranulaten zu decken. 2017 waren dies rund 8000 Tonnen. Im Gegenzug exportierten wir rund 2000 Tonnen. Ziel muss es sein, zukünftig so viele Kunststoffe in der Schweiz selber zu sammeln, dass auf den Import völlig verzichtet werden kann.

Wirkt sich auf dieses Geschäft auch aus, dass China seit letztem Jahr keinen Plastikmüll mehr importiert?

Ja. Sammler und Sortierer haben finanzielle Einbussen zu beklagen, weil sich das Sammeln gewisser Kunststoffe nicht mehr lohnt. Für die Verarbeiter der Kunststoffabfälle sieht es genau umgekehrt aus. Bis vor kurzem waren zu wenige Altkunststoffe in guter Qualität verfügbar, weil die Chinesen dafür überrissene Preise bezahlten. Nun aber gibt es genügend Altkunststoffe. So können Verarbeiter noch bessere Regranulatqualitäten zu noch günstigeren Preisen herstellen.