Droht der erste Frost, müssen Gärtner reagieren: Viele Gärtnereien in der Region bereiten sich derzeit auf die Wintersaison vor. Und auch dieses Jahr werden sie wieder eine Menge Pflanzen während der Wintermonate in ihren Gewächshäusern aufnehmen, vielleicht so viele wie noch nie. Denn oft finden Herr und Frau Solothurner zu Hause keinen geeigneten Raum für die Überwinterung: Im Wohnzimmer ist es zu warm, im Keller zu dunkel und in der Garage zu kalt. Deswegen bringen sie die Pflanzen in eine Gärtnerei. Das Geschäft mit der Pflanzenüberwinterung wächst und wächst, die Zahl der hiesigen Anbieter nimmt derweil jedoch ab.

«Die Nachfrage steigt stetig», sagt Hanspeter Aebi vom Gartencenter Wyss in Zuchwil. 1992 beherbergte er rund 300 Pflanzen während der Wintermonate. 2012, zehn Jahre, später wurden dem Grossbetrieb bereits gegen 1000 Pflanzen anvertraut. Und vergangenes Jahr waren es bereits 1500. Für die bevorstehende Saison rechnet Wyss mit 2000 Gewächsen. Josef Brunner, Leiter Pflanzenpflege, weiss: «Die Leute kaufen mehr Pflanzen aus dem Süden.» Die südlichen Gewächse würden schliesslich auch Ferienerinnerungen wecken lassen. Auch Anton Sonderegger, Geschäftsführer der Gärtnerei Sonderegger in Langendorf, stellt eine Zunahme der Nachfrage fest: «Die Überwinterung hat sich bei uns zu einem wichtigen Standbein entwickelt.» Sonderegger beherbergt während fünf bis sechs Monaten etwa 1000 Gewächse. Und auch Martin Waibel, Geschäftsleiter der Gärtnerei Waibel in Solothurn, bestätigt das Phänomen: «Die Überwinterung der Pflanzen hat in den letzten Jahren im Gegensatz zu allen anderen Dienstleistungen zugenommen.» Kunden bringen dabei vor allem Palmen, Olivenbäume, Oleander und Zitrusgewächse. Allerdings: Im Gegensatz zu den grossen stellen kleinere Gärtnereien keinen Zuwachs beim Verkauf von südländischen Pflanzen fest.

So sehen die Angebote aus

Im Gegensatz zu den anderen Gärtnereien in der Region überwintern bei Wyss Gewächse aus der ganzen Schweiz. Das Unternehmen holt die Pflanzen ab Mitte Oktober bei seinen Kunden zu Hause ab und bringt sie in seine Filialen. Von dort aus werden alle mit Sammeltransporten nach Zuchwil gefahren.

Wie hoch der Preis für die Dienstleistung ist, hängt von der Grösse des Gefässes ab: Bringt der Kunde sein Gewächs in einem Topf mit bis zu 40 Zentimeter Durchmesser selbst vorbei, bezahlt er 100 Franken. Wenn er die Pflanze abholen lässt, kostet ihn dies 120 Franken. Zusätzlich verrechnet das Gartencenter dann aber eine Kilometerpauschale. Ist der Topf über 100 Zentimeter gross, bezahlt der Kunde 200 Franken, wenn er sie selbst bringt und holt. Tätigt das Gartencenter den Transport, kostet dies 300 Franken. Wer seine Pflanzen im Winter vermisst, kann diese nach Vereinbarung im Gartencenter besuchen. Die Gärtnerei Sonderegger in Langendorf rechnet mit einer Grundpauschale von 75 Franken, den Transport noch nicht eingerechnet. Die Gärtnerei Waibel verlangt für die Überwinterungen zwischen 50 und 250 Franken. Die Pflege ist bei allen Anbietern im Preis inbegriffen.

Gärtnereien investieren ...

Das Gartencenter Wyss hat in den vergangenen Jahren viel Geld in die Gewächshäuser des ehemaligen Produktionsbetriebs gesteckt. Insgesamt stehen in Zuchwil 2500 Quadratmeter Fläche zur Verfügung. Auch kleinere Gärtnereien haben diesen Trend erkannt und ihre ehemaligen Produktionsstätten umgebaut. Wo früher produziert wurde, stehen jetzt Gewächse zur Überwinterung.

... ihre Zahl jedoch sinkt

Doch warum sinkt die Zahl der Anbieter trotz steigender Nachfrage? «Für viele kleinere Betriebe ist es ein grosser Aufwand, Pflanzen bei sich zu überwintern», sagt Josef Brunner vom Gartencenter Wyss. Die kleineren Unternehmen können mit den tiefen Preisen oft nicht mithalten. «Die Leute kaufen halt öfter beim Grossverteiler ein», weiss Gärtner Sonderegger. Manche Gärtnereien finden auch keinen Nachfolger und schliessen deshalb. Viele Gewächse würden zudem aus der Europäischen Union importiert, erklärt Sonderegger. «Und die Produktion in der Schweiz ist viel teuerer.» Auch deshalb hätten viele Gärtnereien ihre Pflanzenproduktion grösstenteils aufgegeben.