Solothurn

Für die Fischer ein grosser Tag: Die Fangsaison beginnt

Der Auftakt der Fischereisaison lockte zahlreiche Fischer auf die Aare in Solothurn. Martin Wagmann, Vorstandsmitglied des Fischereiverbandes Solothurn, kritisiert die Kleinwasserkraftwerke, denn durch die Turbinen würden Forellen sterben.

Am Montagmorgen döst Solothurn noch vor sich hin: Der Himmel ist grau, wenige Fussgänger spazieren gemächlich über die Kreuzackerbrücke, Vögel zwitschern. Alles wie immer, glaubt man auf den ersten Blick.

Doch etwas ist anders als sonst: Auf der Aare tuckern zahlreiche kleine Boote auf und ab. Für die Fischer ist es ein grosser Tag: Die Fangsaison beginnt. «Da wollen alle aufs Wasser und ihr Glück versuchen», meint Martin Wagmann, Vorstandsmitglied des Fischereiverbandes Solothurn und Umgebung. Auch er ist gemeinsam mit Bruno Furrer, mit dem er sich ein Boot – und «Freud und Leid beim Fischen» – teilt, unterwegs.

Knapp ein halbes Jahr dauerte die Schonzeit für die meisten Fische. «In dieser Zeit laichen sie und sollten deshalb nicht gestört werden», erklärt Wagmann. Jetzt kanns aber losgehen: Die zwei Hobbyfischer werfen die Angelruten in die Aare, die hier rund sechs Meter tief ist. Bruno Furrer erläutert die Technik des «Ablüpfen»: «Das kleine tote Fischlein an der Angelschnur dient als Köder. Die Bachforellen glauben, es sei verletzt und schnappen zu.» Leider klappt die vielversprechende Theorie nicht, kein Fisch beisst an.

Zwei Kollegen auf einem anderen Boot haben mehr Glück. Stolz präsentieren sie zwei Bachforellen. «Die gibts heute zum Znacht», sagen sie lachend. Die gefangenen Fische haben die vorgegebene Mindestgrösse erreicht, ansonsten müssten sie wieder frei gelassen werden. Denn die Fische sollten mindestens einmal die Chance haben, abzulaichen.

Ausweiskontrolle

Nachdem sich die Fischer den obligaten Fischergruss «Petri Heil!» zugerufen haben, gehts weiter. Das nächste Boot, das Wagmann und Furrer kreuzen, ist jenes des Aufsehers Johann Lüthy. Dieser kontrolliert die Fischereipatente sowie die erforderlichen Sachkundenachweise, die bezeugen, dass die Fischer ausreichende Kenntnisse über die tierschutz-gerechte Ausübung der Fischerei haben. Zudem muss noch ein amtlicher Ausweis vorgelegt werden. Martin Wagmann findet die immer strenger werdenden gesetzlichen Regeln wie das Vorlegen der drei Ausweise etwas mühsam. So muss er auch die Zeitdauer, die er fischen war, notieren.

An diesem ersten Tag ist der passionierte Fischer seit 6.30 Uhr auf dem Wasser. Doch neben Geduld, Leidenschaft und einer guten Ausrüstung braucht es für das Fischen auch ein grosses Wissen. Die komplexen Zusammenhänge in der Natur und die Konsequenzen von menschlichem Eingreifen müsse man verstehen, so Wagmann.

Er kritisiert die subventionierten Kleinwasserkraftwerke, die für die Energiewende erbaut werden. Durch die Turbinen würden Wanderfische wie die Forellen sterben oder sie fänden keinen Laichplatz mehr. «Dagegen wehren wir Fischer uns. Wir setzen uns dafür ein, dass Fischtreppen am richtigen Ort errichtet werden.» Den Lebensraum der Fische zu schützen, sei eine der wichtigsten Aufgaben der Fischer, betont Wagmann.

25 Fischer, 11 Forellen

Der Saisonstart läuft für Martin Wagmann harzig, bis zum Ende des Tages fängt er nur einen Hecht. Diesen muss er allerdings zurück ins Wasser werfen, da die Schonzeit der Hechte noch nicht abgelaufen ist. Laut Aufseher Lüthy haben die übrigen 24 Fischer elf Forellen gefangen. «Wenn man ein bis zwei Fische fängt, kann man zufrieden sein», meint Wagmann. Obwohl er natürlich gerne mit einem Fang nach Hause gekommen wäre, ist der Fischer nicht enttäuscht. «Die Saison hat ja gerade erst begonnen.» Von März bis September sei er unterwegs, letztes Jahr insgesamt 52 Stunden.

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