Masern

Für die Ausrottung der Masern müssen ungeimpfte Kinder daheim bleiben

Immer eine unangenehme Krankheit, in einigen wenigen Fällen gibt es aber schwere Komplikationen.

Immer eine unangenehme Krankheit, in einigen wenigen Fällen gibt es aber schwere Komplikationen.

Treten in einer Klasse Masern auf, werden ungeimpfte Kinder bis zu 3 Wochen lang von der Schule ausgeschlossen. So lautet die Botschaft von Christian Lanz, dem Solothurner Kantonsarzt. Der Kanton will die Krankheit ausrotten und forciert Impfungen.

Das Briefbündel, das Kantonsarzt Christian Lanz im November an die Solothurner Schulen versandte, war für Impfgegner dicke Post. Zahlreiche Eltern erhielten einen Brief, in dem der Kantonsarzt unmissverständlich formuliert: Treten in einer Klasse Masern auf, werden ungeimpfte Kinder bis zu drei Wochen lang von der Schule ausgeschlossen. «Daher empfehlen wir Ihnen, zu überprüfen, ob Ihr Kind gegen die Masern geimpft ist», schreibt der Kantonsarzt. Schliesslich werde der Ausschluss auch ausgesprochen, wenn «Prüfungen unmittelbar anstehen».

Impfzwang und Panikmache?

Als «sehr fragwürdig» bezeichnet Daniel Trappitsch vom» Netzwerk Impfentscheid» den Brief des Kantonsarztes ebenso wie die grossflächige Anti-Masern-Kampagne des Bund, in deren Rahmen der Brief an die Schulen ging. Die Drohung des Kantonsarztes, Schüler im Ernstfall vom Unterricht auszuschliessen, kommt für Trappitsch einem indirekten Impfzwang gleich.

Trappitsch zweifelt auch an der Verhältnismässigkeit des betriebenen Aufwandes: Nur gerade 0,002 Prozent der Schweizer Bevölkerung hätten in diesem Jahr die Masern gehabt - im Vergleich dazu sei die Zahl der Grippetoten viel höher. «Es ist vor allem ein politisches Ziel, die Masern auszurotten», sagt Trappitsch. «Wegen der Gesundheit der Bevölkerung wäre dies nicht nötig.» Politisch, das heisst in diesem Fall: die Weltgesundheitsorganisation. Sie hat die Devise ausgegeben, die Masern bis 2015 auszurotten. Die Schweiz unterstützt das Vorhaben, was bedeutet: Bis 2015 sollen 95 Prozent der Kinder in der Schweiz die zwei notwendigen Impfungen gegen Masern erhalten haben.

Im globalen Kontext wichtig

Von «Impfzwang» will Kantonsarzt Christian Lanz nicht sprechen. «Ungeimpfte Kinder müssten bei einem Masernfall in der Klasse zu Hause bleiben, um Übertragungen zu stoppen», erklärt Lanz. «Das ist die Konsequenz aus dem Entscheid, nicht zu impfen.» Schulstoff könnte trotzdem vermittelt werden, sagt Lanz mit Verweis auf moderne Kommunikationsmittel.

«Es lohnt sich auf jeden Fall»

Zwar gibt auch Christian Lanz zu, dass Masern «keine volksgefährdende Krankheit» sind. «Aber die Weltgesundheitsorganisation hat sich zum Ziel gesetzt, die Krankheit bis 2015 zu eliminieren», erklärt er. Im globalen Kontext sei das Mitmachen der Schweiz wichtig: Immerhin, weiss Lanz, waren die Masern in den USA ausgerottet - bis sie Schweizer wieder einschleppten.

Und die Verhältnismässigkeit? Lanz verweist auf zwei Kinder im Kanton, die aufgrund der Masern schwerste Hirnschädigungen haben und zu Pflegefällen wurden. «Die Kampagne lohnt sich also auf jeden Fall», bilanziert der Kantonsarzt.

Im Ernstfall möglichst wenig Zwang

Allfällige Schulausschlüsse sollten in Absprache mit den Eltern geschehen, schreibt der Kantonsarzt im Brief an die Schulleiter. Notfalls könnte Christian Lanz aber auch eine entsprechende Verfügung erlassen, und den Schulausschluss befehlen.

Nicht nur bei der Schule hat der Kantonsarzt diese Kompetenz: Wenn ein Metzger an Hepatitis A oder Salmonellen leidet, könnte der Kantonsarzt zum Schutz der Konsumenten ein Arbeitsverbot verfügen. Es sei aber noch nie nötig gewesen, eine entsprechende Verfügung auszustellen, erklärt Lanz. Die Betroffenen haben immer eingewilligt. «Ein Lebensmittelbetrieb kann es sich nicht leisten, eine Tagesproduktion wegzuwerfen.»

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