Am Montag machen die Apotheker auf dem Bundesplatz mobil. Wo brennt es?

Florian Sarkar: Viele Sparmassnahmen des Bundes im Gesundheitswesen treffen die Apothekerinnen und Apotheker direkt. Dazu gehören die seit 2011 durchgeführten Preissenkungen und die Tarifsenkungen in der Liste für Mittel und Gegenstände. Als weitere Massnahmen plant der Bundesrat das Referenzpreissystem für Generika und eine Umstrukturierung des Margen-Systems. Das behebt die bisherigen Fehlanreize nicht und bestraft die Apotheker mit einem weiteren willkürlichen Sparziel. Nicht nur Apotheker, sondern auch Hausärzte und Spitex sind von diesen Massnahmen betroffen. Diese Triade der medizinischen Grundversorgung ist überproportional von Sparmassnahmen betroffen, obwohl das Volk im Jahr 2014 die Förderung der medizinischen Grundversorgung in der Verfassung verankert hat. Der Service public der Apotheken ist gefährdet.

Fürchten die Apotheker nicht einfach um ihre Pfründe?

Welche Pfründe? Apotheker sind die Fachleute für das Medikament, aber sie geben nur etwa die Hälfte des Medikamentenvolumens ab, die andere Hälfte läuft über Ärzte und Spitäler. Medikamente sind heute die grösste Fehlerquelle in der Medizin. Die Folgen sind jedes Jahr Hunderte von Todesfällen, Zehntausende von unnötigen Spitaleintritten und Milliarden an direkten und indirekten Folgekosten. Die richtige Frage wäre also eher, warum so viele Medikamente ohne pharmazeutische Grundausbildung und ohne Mengenkontrolle abgegeben werden.

Sagen Sie uns umgekehrt, was die Apotheker zum System beitragen.

Apotheker können beweisen, dass ihre Leistungen nicht nur die Qualität erhöhen, sondern auch die Kosten senken. Die durch Apotheker geführten Qualitätszirkel zum Beispiel sparen 200'000 Franken pro Jahr und teilnehmendem Arzt. Die medizinische Erstversorgung in der Apotheke kostet einen Bruchteil des Betrags, wofür Menschen heute zum Arzt oder auf den Notfall gehen. Kein anderer Gesundheitsberuf hat in so kurzer Zeit so viele innovative und zweckmässige Problemlösungen entwickelt. Und der Lohn für all das soll am Schluss sein, dass Apotheker nicht von ihrer Arbeit leben dürfen? Das ist einfach nur noch absurd. Dafür, dass Apotheken nur etwa vier Prozent der Krankenkassenprämien kosten, leisten sie extrem viel.

Bei der Kundgebung wird ein vier mal vier Meter grosses Apothekenkreuz entsorgt. Müssten die Zeichen nicht auf Auf- statt auf Abbau stehen? Stichwort integrierte Versorgung als Beispiel.

Es herrscht Alarmstufe rot. Aufbau haben die Apotheker jetzt mehr als genug geleistet. Auch für die integrierte Versorgung haben sie sich seit 20 Jahren auf mehreren Ebenen engagiert – aber gewisse Gruppen kann man eben nicht zwingen, mitzumachen oder die Fakten anzuerkennen. Offensichtlich werden die leisen und sachlichen Töne zu wenig wahrgenommen. Jetzt gilt es unmissverständlich zu zeigen, was auf dem Spiel steht: Nämlich eine wohnortnahe Grundversorgung, die die meisten gesundheitlichen Probleme der Bevölkerung abschliessend löst und verhältnismässig wenig Geld kostet.

Sie lancieren aus diesem Grund eine Petition an den Bundesrat. Was fordern Sie genau?

Die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen sind vorschnell, unkoordiniert und berücksichtigen vor allem nicht die mittelfristigen Konsequenzen – zum Beispiel Lieferengpässe von Medikamenten oder Apothekenschliessungen, wodurch die Bevölkerung auf teurere Leistungserbringer ausweichen muss. Es reicht nicht, einfach das Preisschild zu senken, es müssen auch Faktoren wie Qualität, Versorgungsgrad und der therapeutische Erfolg berücksichtigt werden. Der Bundesrat hat schon vor drei Jahren klar aufgezeigt, welche Aufgaben Apotheker übernehmen sollten. Aber am Schluss braucht es auch eine faire Abgeltung für all diese Leistungen.

Können Sie konkret werden?

Es braucht Lösungen, die auch langfristig Kosten sparen. Der Apothekerverband hat zusammen mit dem Krankenkassenverband Curafutura ein Margen-Modell vorgelegt, bei dem der höchste Verdienst bei den günstigsten Medikamenten erzielt wird. Das verteuert zwar einige billige Medikamente, die Kosten für das Gesamtsystem hingegen sinken. Auch in der Liste für Mittel und Gegenstände sollte der Bundesrat endlich vernünftige Tarife festlegen, statt Kosten auf die Patienten abzuwälzen, nur weil zum Beispiel sterile Pinzetten nicht auf dieser Liste auftauchen.

Was bedeutet das für das Krankenversicherungsgesetz?

Es muss endlich so umgestaltet werden, dass der Apotheker Leistungen wie die Behandlung einer Blasenentzündung oder eine Grippeimpfung vergütet erhält – genau wie der Arzt. Dies würde den Fehlanreiz eliminieren, bei einem Problem gleich zum Arzt oder auf den Notfall zu gehen. Ausserdem wird die Prävention von der Krankenversicherung heute sehr stiefmütterlich behandelt – auch hier wären grosse Einsparungen möglich, wenn die Anzahl Krankheitsfälle gesenkt wird.

Wie gross wird die Solothurner Apotheker-Präsenz am Montag auf dem Bundesplatz sein?

Das sehe ich dann am Montag in Bern. Aus meiner Apotheke werde ich allein gehen, der Rest meines Teams hält die Stellung in der Apotheke. Für die Bevölkerung da zu sein, hat am Schluss eben Priorität.