Der Raubüberfall von Bettlach wirbelte schweizweit mächtig Staub auf, weil er wie in einem Hollywoodfilm ablief: Am 16. Dezember 2011 überfielen drei bewaffnete Männer die Baloise Bank SoBa, bedrohten zwei Bankangestellte und zwei Kundinnen und erbeuteten 337 810 Franken. Nur zwei Monate später wurden die Bankräuber gefasst.

Zwei der Täter wurden gestern vom Amtsgericht Solothurn-Lebern im abgekürzten Verfahren des qualifizierten Raubes, der Körperverletzung und der Widerhandlung gegen das Waffengesetz schuldig gesprochen und zu Freiheitsstrafen von 40 Monaten unbedingt beziehungsweise 36 Monaten teilbedingt verurteilt.

Bettlacher Bankräuber steht vor Gericht

Bericht von TeleM1

Gerichtspräsident Rolf von Felten machte gleich zu Beginn der Verhandlung klar, dass das Amtsgericht das vereinbarte Strafmass aufgrund der Schwere der Taten als «sehr, sehr mild» empfindet und dass es noch eine «gewisse Überzeugungsarbeit» brauchen werde, bevor der mit dem Staatsanwalt geschlossene «Deal» in ein rechtskräftiges Urteil umgewandelt werden kann.

Staatsanwalt begründet «Deal»

So bekamen der 33-jährige Italiener Sandro F.* und der 27-jährige Serbe Avzi E.*, beide in der Schweiz aufgewachsen, einen neuen Alliierten: «Bei den Hausdurchsuchungen fand man keine grossen Beweise, nur Indizien», begründete Staatsanwalt Claudio Ravicini die Richtigkeit des Deals. «Es drohte ein aufwendiger Indizienprozess mit den entsprechenden Prozessrisiken.» Deshalb sei den Angeklagten Strafmilderung und ein abgekürztes Verfahren angeboten worden, wenn sie ein umfassendes Geständnis ablegten und so die Ermittlungen erleichterten.

Die beiden Bankräuber gestanden und akzeptierten auch sämtliche Schadenersatzforderungen und Genugtuungszahlungen an die Opfer. So ging das Amtsgericht schliesslich auf die beiden Deals ein und wandelte sie in rechtskräftige Urteile um. Bei Sandro F., der die treibende Kraft war und zugab, dass er die Waffen besorgt hatte, kommen zu den vereinbarten 40 Monaten noch achteinhalb Monate aus einer früheren Verurteilung hinzu. Avzi E., der nach der Untersuchungshaft wieder eine Festanstellung gefunden hat, muss von den 36 Monaten Freiheitsstrafe deren 12 mit einer elektronischen Fussfessel verbüssen, während 24 Monate auf Bewährung ausgesetzt wurden.

Das Geld ist verschwunden

Ein paar Fragen blieben aber offen, die dem für die Bankräuber «süssen» Deal einen etwas bitteren Nachgeschmack verleihen. So konnte Avzi E. nicht vernünftig erklären, wo sein Anteil von rund 116 000 Franken hingekommen ist. Er habe die Beute mit Alkohol, Partys und Frauen verjubelt, sagte er – das wären dann 2000 Franken pro Tag gewesen.

Auch behauptete er, beim Raubüberfall mit einer harmlosen Gaspistole ausgerüstet gewesen zu sein. Die «Beretta» mit vier Schuss Munition, die die Polizei später bei ihm sichergestellt hatte, habe er auf einer Autobahnraststätte gefunden...

* Name von der Redaktion geändert.