Bestellungsbetrug

Für 1,6 Millionen Waren bestellt, aber nie bezahlt: Drei Personen werden nun angeklagt

Die Betrüger sollen Kredite angefordert und angenommen haben. (Symbolbild).

Die Betrüger sollen Kredite angefordert und angenommen haben. (Symbolbild).

In einem grossen Betrugsfall klagt die Staatsanwaltschaft drei Personen wegen gewerbsmässigen Betruges an. Die Staatsanwaltschaft geht von einer Deliktssumme von über 1,6 Millionen Schweizer Franken aus.

Sie bezogen Waren, Dienstleistungen und Kredite im Wert von über 1,6 Mio. Franken. Bezahlen wollten sie die zahllosen Mobiltelefone allerdings nicht. Geschweige denn hatten sie je vor, die bei Kreditinstituten mit gefälschten Lohnausweisen erschlichenen Kredite je zurückzuzahlen.

Nun erhebt die Solothurner Staatsanwaltschaft Anklage wegen gewerbsmässigen Betrugs gegen drei Personen: gegen den Hauptbeschuldigten, einen 30-jährigen Kosovaren, und gegen zwei Schweizer im Alter von 26 und 28 Jahren. Wann das zuständige Gericht, das Richteramt Olten-Gösgen, den Fall beurteilen wird, steht noch nicht fest. Zwei der drei Männer befanden sich mehrere Monate in Untersuchungshaft.

Konstrukt von 13 Scheinfirmen

Dem Hauptbeschuldigten wird vorgeworfen, zwischen 2011 und 2015 die betrügerischen «gewerbsmässigen Leistungsbezüge systematisch initiiert, organisiert und koordiniert» zu haben. Die «Geschäfte» wurden gemäss Anklage über ein Konstrukt von 13 verschiedenen Firmen getätigt, die aber blosse Mantelgesellschaften ohne jegliches Kapital gewesen seien. Ebenso sei der Kosovare selber auch nie im Handelsregister als Verantwortlicher in Erscheinung getreten. Zu diesem Zweck, so die Staatsanwaltschaft, habe der Mann Personen aus seinem Bekanntenkreis angeheuert, die dann in seinem Auftrag die entsprechenden «Leistungen telefonisch, via Internet oder direkt an Verkaufsstellen bestellt oder bezogen» haben.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass «die beiden Mitbeschuldigten insbesondere an Bestellungen von Waren-und Dienstleistungen und am unrechtmässigen Bezug von Handys aus Abonnementsverträgen beteiligt» gewesen sind, wie Mediensprecherin Cony Zubler auf Anfrage dieser Zeitung erklärt.

Mindestens 17 Personen involviert

«Mindestens 17 Personen» waren laut Zubler in die betrügerischen Machenschaften involviert. Neben den drei genannten Tätern werden auch weitere Beteiligte nicht ungeschoren davonkommen: «In acht Fällen wurden bereits Strafbefehle erlassen, die rechtskräftig sind», bestätigt die Mediensprecherin. «Per Strafbefehl wurden sieben Geldstrafen zwischen 60 und 180 Tagessätzen ausgesprochen. Bedingt deshalb, weil die Beschuldigten nicht vorbestraft waren und nicht oder lediglich in geringem Masse selber profitiert haben.» In einem Fall sei die Strafe aber unbedingt ausgesprochen worden.

Vier Beschuldigte wurden vom Hauptverfahren abgetrennt, die entsprechenden Verfahren werden separat weitergeführt. Gemäss Zubler geschieht dies «aus prozessökonomischen Gründen»: «Die diesbezüglichen zu prüfenden Vorwürfe lauten im Wesentlichen gewerbsmässiger Betrug. Allerdings sind die entsprechenden Strafverfahren noch nicht abgeschlossen.» In zwei Fällen verfügte die Staatsanwaltschaft die Einstellung des Verfahrens.
Im Verlaufe der Ermittlungen der Spezialabteilung für Wirtschaftsdelikte der Kantonspolizei und der Staatsanwaltschaft kam es zu mehreren Hausdurchsuchungen bei Verdächtigten. Dabei seien über 1000 bestellte und nie bezahlte Artikel beschlagnahmt worden und ebenso seien gegen 100 Befragungen nötig gewesen, bilanziert die Staatsanwaltschaft.

Gegen 400 Geschädigte

Einigermassen pikant: Die Strafuntersuchung wurde ursprünglich durch die Selbstanzeige eines Mittäters eingeleitet, wie Mediensprecherin Zubler bestätigt. Was in der Folge ans Licht kam, zog dann immer weitere Kreise. So sollen nicht weniger als 400 Gläubiger geschädigt worden sein: «Die Täterschaft war an ganz verschiedenen Orten tätig. Schwerpunktmässig im Raum Olten. Weiter aber auch an anderen Orten wie Zuchwil oder auch ausserkantonal wie etwa Aarburg, Sursee, Wettingen, Oftringen, Aarau, Langenthal», beschreibt Zubler den Aktionsradius.

Insbesondere Mobilfunkanbieter hätten bei diesem Tun Schäden von «mehreren 100 000 Franken erlitten». Die Masche der Täter: Sie schlossen insgesamt mindestens 334 Abonnementsverträge ab, um – natürlich ohne jegliche Zahlungsabsicht – an die entsprechenden Handys zu kommen.

Grössere Summen ertrogen sich die Beteiligten aber auch dadurch, dass sie Bankinstituten gefälschte Lohnausweise vorlegten – und so Kredite erhielten, obwohl sie den Bonitätsvorgaben nicht entsprochen hatten.

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