Wir haben eine App zum Zeitunglesen, eines für den Fahrplan und mindestens eine zum Spielen. Doch was die meisten von uns nicht auf ihrem Smartphone installiert haben, ist eine App von ihrer Gemeinde. Vielleicht weil uns das Dorf- oder Stadtleben zu wenig interessiert, doch meist schon nur, weil es die entsprechende App gar nicht gibt.

Nur 5 der 109 Gemeinden im Kanton bieten eine App an. Auf seinem Handy installieren kann man Oensingen, Solothurn, Olten, Kappel und Däniken (siehe Kasten unten). Haben die anderen den technologischen Anschluss verpasst?

Vor allem für Städte

Nicht zwangsläufig, sagt Roman Flury, Geschäftsführer der Firma Miplan in Hägendorf, die unter anderem Apps für Gemeinden entwickelt. Er formuliert es so: «Wenn ich selber Gemeindeschreiber einer kleinen Gemeinde wäre, würde ich vermutlich auf eine eigene App verzichten und mich eher an einem Gemeinschaftsprojekt beteiligen.» Denn eine eigene App biete sich in erster Linie für Städte an, mit vielen potenziellen Benutzern. «Sonst ist der Aufwand bald grösser als der Ertrag.»

Die Apps von fünf Solothurner Gemeinden

Die Apps von fünf Solothurner Gemeinden

Kappel, Solothurn, Olten, Oensingen und Däniken haben eine Gemeinde-App

Der Ertrag sind in diesem Fall Downloads, sprich aktive Benutzer. Am Beispiel Oensingen lässt sich aufzeigen, wie schwer es sein kann, dass sich eine solche App durchsetzt. Bisher haben 276 Personen die App auf ihrem Smartphone installiert, sprich allenfalls jeder 20igste Einwohner der Gemeinde. Eine magere Bilanz nach zwei Jahren. Ähnlich sieht dies Christian Strähl, Assistenz Leiter der Gemeindeverwaltung. «Die Nutzungszahlen entsprechen noch nicht ganz unseren Vorstellungen.» Dass es nicht nur an der Grösse liegt, zeigt die App der Stadt Solothurn. Hier sieht es im Verhältnis zur Wohnbevölkerung noch düsterer aus. Allerhöchstens jeder 33. Einwohner will die Stadtverwaltung auf seinem Handy.

Eine App zu haben, reicht nicht

Für Roman Flury gibt es den einen Kardinalfehler, den viele Gemeinden machen: Sie haben eine App, doch vernachlässigen das Marketing. «Einige Gemeindeverwaltungen sind nach der Entwicklung der App himmelhochjauchzend, doch nach einigen Monaten beklagen sie sich beim Entwickler, wie wenige ihre App installieren.» Doch es reicht nicht, einfach eine App zu haben. Roman Flury: «Man muss auch etwas tun.» Denn sonst wissen viele gar nicht, dass es die App überhaupt gibt.

Die Stadt Solothurn beschränkte sich auf das Nötigste. «Aktiv wurde die App nur mit einer Medienmitteilung beworben», sagt der Solothurner Stadtschreiber Hansjörg Boll. Oensingen geht in die Offensive. Erst kürzlich erschien in der Dorfzeitung ein Artikel, der die App anpries und über das Update informierte. Zudem werden Neuzuzüger über die Existenz der App aufgeklärt.

Mit Vereinen zusammenarbeiten

Doch auch ein gutes Marketing reicht noch nicht, so Roman Flury. Denn: «Seien wir ehrlich. Eine kleinere Gemeinde hat zu wenig attraktiven Inhalt, dass man deren App oder Website besuchen will. Ausser, man benötigt dringend Informationen.» Darum rät der Geschäftsführer von Miplan den Gemeinden auf der App auch attraktive Inhalte anzubieten. Beispielsweise ein Game oder eine Schnitzeljagd durch die Stadt oder das Dorf. Doch je kleiner die Gemeinde, desto kleiner die personellen Ressourcen. «Dann bleibt teilweise alles am Lehrling hängen, der aber auch schon viel zu tun hat.» Die Lösung: Mit Vereinen und dem Gewerbe zusammenarbeiten, diese ebenfalls zu motivieren, ihre Veranstaltungen und News über die Plattform zu verbreiten. Flury: «Dies hat sich bewährt.»

Die Gemeinde Däniken zeigt es vor: Nebst Nachrichten wie jener über die Ortsplanrevision findet man auch eine Kurzgeschichte, inklusive eingebauter Frage. Seit der Lancierung im Februar 2015 haben sich 300 Personen die App von Däniken installiert. Mehr als im doppelt so grossen Oensingen. «Warum hat sich Däniken für eine App entschieden? «Um dem Trend des mobilen Zeitalters zu folgen», beantwortet Gemeindeschreiberin Andrea Widmer die Frage. «Däniken will sich innovativ und modern präsentieren, dazu gehört eine App.»

Dieser Meinung war die Stadt Olten bereits früh. Seit 2012 kann man ihre App aus den Stores von Google und Apple herunterladen. Stadtschreiber Markus Dietler begründete die Vorreiterrolle der Stadt Olten im Magazin des App-Entwicklers Innovative Web wie folgt: «Olten ist eine Pendlerstadt. Deshalb ist es wichtig, dass die Verwaltung ihre Dienstleistungen auf verschiedensten Kanälen anbietet.» Die Stadtapp ist auch erfolgreich. Olten gelang es als einziger Solothurner Gemeinde, die 1000er Marke zu knacken. Anzahl Downloads: 3023.

Stagnation erwartet

Das demnächst noch viele weitere Solothurner Gemeinden auf eine App setzten, davon geht Geschäftsführer Roman Flury nicht aus. «Auch wenn es nicht gut für mein Geschäft ist, ich erwarte eine Stagnation.» Miplan hat damit begonnen, statt auf Gemeinde-Apps vermehrt auf regionale zu setzen. «Zum Beispiel würde sich eine App für eine gesamte Region, wie Thal-Gäu anbieten», sagt Flury. Der grosse Vorteil: Eine viel grössere Zielgruppe und dennoch können die Gemeinden ihre Neuigkeiten verbreiten.

In Grenchen hat sich die Verwaltung bewusst gegen eine App entschieden. «Es war letztlich eine Kosten-Nutzen-Abwägung», sagt Stadtschreiberin Luzia Meister. Eine App kostet. Die Solothurner beispielsweise bezahlten für die Entwicklung ihrer App inklusive mobiles E-Government-Center rund 20 000 Franken. Der jährliche Unterhalt: rund 4000 Franken.