Die Wogen in der Primarschule Hägendorf haben sich noch längst nicht gelegt. In den vergangenen Monaten sind eine Reihe von Massnahmen aufgegleist worden. Trotzdem wird es Zeit brauchen, bis das Vertrauen von Eltern, Lehrpersonen und Bürgern in ihre Schule wieder hergestellt ist. Das Zerwürfnis macht deutlich: Die rote Ampel, welche die Hägendorfer Schule im Bereich Schulführung von den Experten der Fachhochschule Nordwestschweiz vor gut einem Jahr eingefangen hat, ist berechtigt. Obwohl sich der Gemeinderat mit Präsident Albert Studer an der Spitze wochen- ja monatelang dagegen gewehrt hatte.

Mit ihren Problemen rund um die Führung der Schule steht Hägendorf dabei nicht alleine da. Das legt der «Monitoringbericht externe Schulevaluation» offen. Die für die Öffentlichkeit zugängliche Version, die auf die Nennung einzelner Schulen verzichtet, ist auf der Website des Volksschulamtes aufgeschaltet. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 sind 75 – und damit praktisch alle – Schulen im Kanton (Primarstufe und Sekundarstufe I) unter die Lupe genommen worden. Die Schulführung ist einer von sechs untersuchten Bereichen, die sich alle auf grundlegende Anforderungen an die Volksschule beziehen (siehe Kasten).

In vielen Schulen läufts – noch – nicht ganz rund

Neben der Primarschule Hägendorf haben die Experten noch in einer ganzen Reihe weiterer Schulen Mängel bei der Schulführung festgestellt. Sei dies bei unklaren Rollen und Zuständigkeiten der Schulleitung einerseits und des Gemeinderats andererseits. Oder – wie in Hägendorf – bei der «pädagogischen Führung des Kernprozesses Unterricht», so die etwas wissenschaftlich-abgehobene Formulierung im Expertenbericht. Gemeint ist damit vor allem die Zusammenarbeit zwischen der Schulleitung der Lehrerschaft.

Eine rote Ampel für eine mangelhafte Schulführung müssen neben Hägendorf noch zwei weitere Schulen verdauen. Das heisst: Die externe Schulevaluation hat hier «gravierende Mängel» zutage gefördert, die «mit hoher Dringlichkeit» beseitigt werden müssen. Über alle sechs Bereiche hinweg hat das Team der Fachhochschule Nordwestschweiz 10 rote Ampeln gesetzt. Knapp ein Drittel der roten Ampeln entfällt damit auf Probleme rund um die Führung der Schule.

Fünf weiteren Schulen im Kanton wird mit einer gelben Ampel deutlich gemacht, dass im Bereich der Schulführung die «Funktionsfähigkeit gefährdet» ist. Das ist immerhin ein Viertel aller 20 gesetzten gelben Ampeln. Aber auch bei den 67 Schulen mit einer grünen Ampel läuft nicht nach alles nach Wunsch. «Grün» heisst nämlich, es gibt keine negativen Auffälligkeiten. Die Schulen verdienen also im Minimum die Note 4. «Zahlreichen Schulen», so steht es im Evaluationsbericht, haben die FHNW-Experten Empfehlungen mit auf den Weg gegeben, wie sie sich in diesem Bereich verbessern können. Von der Entwicklung «strategischer Ziele» oder einer «Vision für die Schule» bis hin zu einer klaren Aufgabenteilung innerhalb der Schulführung.

Für Yolanda Klaus, stv. Chefin im Volksschulamt, ist dieser Befund nicht Anlass zur Sorge und löst auch keine flächendeckende Direktiven aus. Wenn vielerorts noch Verbesserungsbedarf besteht, dann deshalb, weil zahlreiche Schulen erst Ende 2010 als «Geleitete Schule» zertifiziert worden sind. Die Verantwortung für die strategische Führung ihrer Schule übernehmen seither die Gemeinden, die Schulleitung indes ist für die operativen Belange zuständig. Im Zusammenspiel dieser beiden Gremien ortet Klaus denn auch den grössten Handlungsbedarf. Die Gemeinden sind dabei von sich aus in diesem Frühling aktiv geworden und haben mehrere Workshops für Gemeinderäte durchgeführt, im Beisein von Vertretern des Schulleiterverbands.

Das Departement hat einen Beschwerdeweg definiert

«Die Schulen sind insgesamt auf einem guten Weg,» kommentiert Yolanda Klaus die Ergebnisse der Studie. Und: «Die Gesamtbilanz entspricht den Erwartungen». Über alle sechs untersuchten Bereiche hinweg hat die externe Schulevaluation den 75 Schulen 422 grüne Ampeln vergeben. Die 10 roten und 20 gelben Ampeln haben die Experten neben Mängeln in der Schulführung vor allem wegen eines ungenügenden Arbeitsklimas gesetzt oder weil das Qualitätsmanagement lediglich auf dem Papier existiert und in der Praxis nicht umgesetzt wird.

Besonders genau im Blick hat das Volksschulamt jene Schulen, die gleich in mehreren Bereichen ein «Ungenügend» bekommen haben. Als «problematisch» erachtet Yolanda Klaus zwei Schulen: Bei einer stehen drei Ampel auf Rot, eine zweite Schule bekam zwei rote und eine gelbe Ampel. Klaus: «Eine rote Ampel ist ein Schuss vor den Bug und die zweite rote Ampel macht deutlich, ihr braucht Hilfe.» Entsprechend eng werden sämtliche Schulen mit mindestens einer roten Ampel vom Volksschulamt begleitet. Umso «schockierender» war es da für das Volksschulamt, dass eine dieser «roten» Schulen bei der Nachevaluation durch die Wissenschaftler erneut nicht besser abgeschnitten hat. «Wir müssen entsprechende Schulen künftig noch enger begleiten», hält sie selbstkritisch fest.

«80 Prozent der Schulen mit einer roten oder gelben Ampel erkennen selber, dass sie ein Problem haben», beobachtet die stv. Volksschulamtchefin. «Dann gibt es Schulen, die sich erst davon überzeugen lassen müssen.» Und einige wenige «haben grösste Mühe damit, die Beurteilung anzunehmen.» Nach den Erfahrungen mit «Hägendorf» hat das Bildungsdepartement jetzt einen Beschwerdeweg definiert: Yolanda Klaus: «Gegen das Gutachten selbst ist keine Beschwerde möglich.» Der betreffenden Gemeinde steht es aber frei, eine Gegendarstellung zu verfassen. Sobald das Volksschulamt dann einen Massnahmenplan verfügt hat, können sich die Gemeindebehörden mit einer Beschwerde dagegen wehren.»

Die Schüler gehen mit ihrer Schule am kritischsten um

«Grün» heisst, wie gesagt, einfach mal «Genügend». Vielen Schulen haben die Experten deshalb detaillierte Empfehlungen gegeben. Aufschlussreich sind zudem die Ergebnisse der Befragungen, welche die Experten bei Schülerschaft, Eltern und Lehrerpersonen durchgeführt haben, bevor sie sich selbst ein Bild vor Ort verschafften. Yolanda Klaus: «Ich habe das Gefühl, dass die Schulen mit all den Daten, die sie bekommen, noch zu wenig machen». Aus der Grafik wird deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler («Unterrichtsklima» und «Schulklima») in der Tendenz kritischer mit ihrer Schule umgehen als Eltern («Elternzufriedenheit») und Lehrer «Arbeitsklima»). Bei der Zufriedenheit der Schüler mit dem «Schulleben» liegt selbst der kantonale Mittelwert gerade noch knapp im positiven Bereich. Klaus: «Schülerinnen und Schüler haben hohe Erwartungen an ihre Schulen.» Bei nicht wenigen Schulen gibt es offenbar kaum so etwas wie ein Schulleben. Hart ins Gericht gehen auch so manche Lehrpersonen mit dem Arbeitsklima an ihren Schulen.