Ein neues Trendwort macht sich breit – «Corporate Social Responsibility» (CSR), zu Deutsch etwa gesellschaftliche Verantwortung der Unternehmen. Darunter fallen Themen wie zum Beispiel fortschrittliche Arbeitsbedingungen, die Einhaltung von Umweltstandards oder auch die Achtung der Menschenrechte. Das ist unbestritten alles sinnvoll und dient dem Zweck, unseren Ressourcen Sorge zu tragen und nachhaltig zu wirtschaften. Aber wie so oft ist für viele Unternehmen die Flughöhe weit oben.

Die Möglichkeit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, bietet sich jedoch auch im Konkreten und Kleinen. Unternehmen können beispielsweise den eigenen Mitarbeitern die Tätigkeit im Milizsystem aktiv ermöglichen. 

Das Milizsystem gehört zum gesellschaftlichen Erfolgsmodell der Schweiz. Und dennoch braucht es Kampagnen wie «Mehr Junge in den Exekutiven» (Kampagnenstart am 14. Oktober 2016 in Olten), um diese Säule zu unterstützen. Unbestritten ist, dass die Komplexität und der Zeitaufwand der zu bearbeitenden Dossiers in einem Exekutivgremium zunehmen und die Anforderungen an das Profil der Kandidaten damit automatisch ansteigen. Wer dabei Rückendeckung vom Arbeitgeber erhält, ist klar im Vorteil.

Was aber, wenn unsere Wirtschaft nicht bereit ist, diese Rückendeckung zu bieten, um Angestellten den Job als Gemeinderat oder Baukommissionsmitglied zu ermöglichen? Letztlich kann es den bereits vorhandenen «Personalmangel» verstärken. Das Resultat: eine Zunahme der stillen Wahlen. Stille Wahlen haben wir in der Region bereits sehr viel – zu viele. Der Volkswille wird dadurch zunehmend geschmälert und das Interesse an der Kommunalpolitik verschwindet.

Von Mitarbeitern, die sich zusätzlich zur beruflichen Tätigkeit in der Politik engagieren, profitiert am Schluss das Unternehmen mehrfach. Einerseits über einen breiteren Erfahrungshorizont der Mitarbeitenden. Andererseits hilft es indirekt dem Standort, wenn in Gemeindegremien Menschen mitentscheiden, die den Wirtschaftsalltag kennen. So werden praxisnahe Entscheide gefällt, welche attraktive Rahmenbedingungen sicherstellen.
Aber nicht nur das. Von jungen Führungskräften wird gefordert, dass sie eine grosse Portion Sozialkompetenz mitbringen. Wo, wenn nicht in der Politik lernt man, die eigene Kommunikationsfähigkeit und den Umgang mit anderen Ideen und Vorstellungen zu verbessern? Für erfolgreiche Geschäfte, die am Schluss mehrheitsfähig sein sollen, braucht es fundierte Argumente, ein robustes Nervenkostüm, Überzeugungskraft oder die Fähigkeit, mit Vertretern anderer Interessen an einen Tisch zu sitzen. Doch oftmals gelingen nicht alle Geschäfte reibungslos: Der Umgang mit Kritik, Niederlagen und Gegenwind will gelernt sein. Diese Lebensschule ist doch bestimmt auch im beruflichen Alltag gefordert? Die Mitwirkung im Schweizer Milizsystem ist vergleichbar mit einer
Weiterbildung. Im Einzelfall lohnt sich vielleicht sogar die Abwägung: Führungskurs oder Einsatz im Milizsystem?

Freiheit bedeutet Verantwortung: Unternehmen, die sich aktiv zur Förderung des Milizsystems einsetzen, nehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr.