Solothurn

Führungen im Staatsarchiv zum Thema «Fürsorgerische Zwangsmassnahmen»

Am Samstag bietet das Staatsarchiv Solothurn einen Einblick in seine Arbeit der vergangenen Jahre. Es werden drei identische, einstündige Führungen zu verschiedenen Aspekten der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen durchgeführt. Das Staatsarchiv war massgeblich an der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels Schweizer Geschichte beteiligt.

Zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und 1981 wurden Tausende von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen fremdplatziert, in Heimen versorgt oder in Anstalten eingewiesen. Dies, weil ihre Familien aufgelöst wurden oder weil ihr Lebenswandel von den gesellschaftlichen Normen abwich. Seit mehr als zehn Jahren ist in der Schweiz die Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels der jüngeren Sozialgeschichte im Gang.

Das Bundesgesetz über die Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen vor 1981 (AFZFG) vom 30. September 2016 sprach den Betroffenen einen Solidaritätsbeitrag zu. Die Opfereigenschaft musste allerdings durch Dokumente belegt werden. Die Kantonsarchive erhielten die Aufgabe, Betroffene und ihre Angehörigen bei der Suche nach Akten zu unterstützen und die Recherchen im Kantonsgebiet zu koordinieren. Gemeinden und private Institutionen wurden zur Sicherung und Aufbewahrung ihrer Unterlagen verpflichtet.

Gegen 300 Anfragen und Gesuche

Seit 2013 bearbeitete das Staatsarchiv Solothurn, das eng mit der Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn kooperierte, gegen 300 Anfragen und Gesuche. Die Abklärungen gestalteten sich vielfach schwierig und dauerten oft monatelang. Mehrheitlich wurden Akten gefunden, und viele Betroffene konnten Lücken in ihrer Biografie schliessen. In einzelnen Fällen blieb die Suche leider ergebnislos. Im Zentrum der Nachforschungen standen Sozialhilfe-, Vormundschafts-, Adoptions-, Pflegekinder,- Jugendanwaltschafts- und Gerichtsakten.

Hinzu kamen die Protokolle der kommunalen Armen- und Vormundschaftsbehörden und einzelner regionaler Armenerziehungsvereine, deren Schriftgut gesichert werden konnte. Im Staatsarchiv wurden ungefähr 40'000 Einzelfalldossiers durch Personenregister zugänglich gemacht. (mgt)

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