Claude Belart
«Früher hat es im Kantonsrat noch etwas mehr Spass gemacht»

Claude Belart tritt nach 20 Jahren aus dem Solothurner Kantonsrat zurück. Der Rickenbacher gehört damit zu den am längsten im Amt stehenden Kantonsräten. Wir haben ihn auf einen Kaffee getroffen.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Claude Belart tritt nach 20 Jahren Ende Juli aus dem Kantonsrat aus.

Claude Belart tritt nach 20 Jahren Ende Juli aus dem Kantonsrat aus.

Fränzi Zwahlen-Saner

Claude Belart, der freisinnige Kantonsrat aus Rickenbach, wird nach den Sommerferien seinen Sitz im Kantonsparlament räumen. Nach 20 Jahren. Er sei, so sagt er im Gespräch im Hotel Egerkingen (früher «Agip»), einer der drei am längsten im Amt stehenden Kantonsräte. Nur Fraktionskollege Beat Käch (seit 1993) ist länger mit dabei. Der Dritte, der designierte Kantonsratspräsident Urs Huber (SP Olten), reist seit 1997 nach Solothurn ins Rathaus.

Er sei jetzt genug lange mit dabei gewesen, bilanziert Belart bei einem Fläschchen Bitter Lemon. Obwohl sein Rücktritt nichts mit Verschleisserscheinungen zu tun habe. «Eigentlich hatte ich vor der letzten Legislatur schon angekündigt, nicht mehr zu kandidieren», sagt er.

Doch dann liess er sich überreden und kandidierte nochmals – und wurde natürlich mit dem besten Resultat seiner Partei in der Amtei gewählt. «Ich sagte aber dann schon zu Beginn, dass ich nicht mehr die ganze Legislatur mitpolitisieren würde.»

Ein Homo politicus

«Ich habe immer gerne im Kantonsrat mitgearbeitet», stellt Belart fest. Doch er gibt zu: «Früher hat es noch etwas mehr Spass gemacht.» Seine beste Zeit sei mit Sicherheit das Jahr als Kantonsratspräsident 2011 gewesen, erinnert er sich. «Und dies, obwohl ich in diesem Jahr sage und schreibe 253 Anlässe besucht habe. Manchmal sind es halt drei an einem Tag gewesen.»

Generell habe sich heute die Stimmung im Kantonsrat gegenüber früher verschlechtert, sagt der Freisinnige ohne Umschweife. Es werde heute kompromissloser, weniger konsensbereit politisiert. «Früher war der Umgang untereinander freundlicher, kameradschaftlicher auch über die Parteigrenzen hinweg. Heute wird ganz gerne direkt auf den Mann gezielt. Ratskollegen werden auch persönlich angegriffen. Das gefällt mir gar nicht.»

Das könne auch mit Geltungsdrang einzelner zu tun haben, mutmasst der Rickenbacher. Die Verkleinerung des Rates von 144 auf 100 Mitglieder im Jahr 2005 habe das Gremium ganz sicher nicht effizienter gemacht, findet Belart, denn jeder habe dadurch mehr Arbeit. «Alle sitzen in Kommissionen und haben daher viel mehr Termine zu bewältigen.» Eine andere Veränderung: Früher seien im Kantonsrat doch noch einige KMU-Chefs gesessen, das gebe es heute immer weniger. Belart: «Lehrer hat es immer gehabt. Doch viele Firmen geben ihre jungen, engagierten Leute nicht frei und aus Karrieregründen entscheidet man sich lieber gegen die Politik. Das ist schade.»

Dennoch sagt er: «Unser Milizsystem sollte nicht aufgebrochen werden. Es hat aber bestimmt seine Grenzen.» Belart konnte sich als selbstständiger Architekt die Termine für den Kantonsrat selber einteilen. Er betont aber, dass er keine Architekturaufträge aufgrund seines Kantonsrats-Mandats erhalten habe. Gefragt nach besonderen Ereignissen im Rat, erinnert er sich: «Besonders herausfordernd und interessant war die Zeit als FDP-Fraktionschef von 2007 bis 2010. Wie gesagt, wir waren damals eine gute Truppe – alle Fraktionspräsidenten jener Jahre – und wir haben doch einiges vorangebracht.»

Eine besondere Aufgabe für ihn als Architekt sei auch sein Kommissionseinsitz bei der Neugestaltung des Kantonsratssaales gewesen. «Eine schöne Aufgabe, die man nur einmal im Leben bekommt.»

Wie schon sein Vater

Er habe ganz unbedarft als Junger mit dem Politisieren begonnen, erzählt Belart. Wie sein Vater schon vor ihm, war er als 25-Jähriger in der Oltner Bürgergemeinde aktiv. «Nach meinem Umzug nach Rickenbach musste ich dieses Gremium dann natürlich verlassen.» 1993 habe er das erste Mal als freisinniger Kantonsrat kandidiert und sei dann 2. Ersatz geworden. Drei Jahre später konnte er schon nachrücken und bei den kommenden Wahlen habe er dann immer gut abgeschnitten. Das macht ihn sichtlich stolz.

Ein 100-Prozent-Oltner ist Belart also, doch mit einem solch welschen Namen? «Unsere Familie ist schon lange in Olten ansässig. Wir sind eingewanderte Hugenotten», weiss er. Sein Vater habe ein Baugeschäft betrieben. Die Architektur und das Immobilienwesen liegen der Familie also im Blut. Belarts Söhne arbeiten im väterlichen Betrieb, jeder in seiner Sparte, mit.

Und was tut Claude Belart, wenn es weniger wird mit der Politik. «Mehr Sport», sagt der agile 68-Jährige. Tennis und Golf sind seine Lieblingssportarten. Schon sein Vater war Golfer berichtet er und es folgt eine Anekdote: «Als ich noch jung war, verbot mein Vater mir das Golfspielen.» Wenn man golfen wolle, müsse man sich zuerst beruflich konsolidieren, habe er ihm gepredigt. Der junge Claude konnte es dann aber doch nicht abwarten und begann mit dem Spiel bei einem Aufenthalt im Amerika.