Zwei Wochen Vorsprung

Frühe Erdbeer-Saison: Solothurner dürfen sich auf einen baldigen Feldbesuch freuen

Sonniges und warmes Wetter führte dazu, dass die ersten Solothurner Erdbeeren bereits geerntet werden konnten. Diese zwei Wochen Vorsprung lassen die Solothurner Bauern auf einen Start der Selbstpflücksaison zu Auffahrt hoffen – der in Coronazeiten etwas anders aussehen wird.

Aufgrund des warmen Wetters in den vergangenen Wochen haben die Schweizer Erdbeeren einen zwei bis dreiwöchigen Vorsprung zur letztjährigen Ernte. Aldo Mann, Inhaber von Mann Beerenkulturen in Selzach, berichtet, dass er bereits am Montag die ersten Erdbeeren gepflückt habe. «Das sind erst die Vorprescher und noch nicht die grosse Menge. In circa einer Woche werden wir die Menge steigern können.» Aufgrund der früheren Ernte hofft Mann darauf, sein Feld in Selzach für Selbstpflückerinnen und Selbstpflücker zu Auffahrt (20. Mai 2020) öffnen zu können.

Auch dieses Jahr können Solothurnerinnen und Solothurner saftige Beeren aus der Region erwarten

So sah die Ernte in Däniken im Jahr 2015

So sah die Ernte in Däniken im Jahr 2015

Auch Simon Hess, der einen Familienbetrieb im Grod und ein Erdbeerfeld in Däniken besitzt, steht kurz vor der Ernte. «Die nächsten zwei Wochen ernten wir die Erdbeeren für den Handel noch selbst. Am Anfang gibt es noch nicht so viele Beeren, und wir kommen mit dem Pflücken noch gut nach.» Mit der Öffnung der Selbstpflückfelder ist in Däniken um Mitte bis Ende Mai zu rechnen – wann genau sei aber noch offen.

«So trocken war es im April noch nie»

Die langanhaltende Trockenheit führte dazu, dass die Solothurner Landwirte regelmässig die Felder bewässern mussten, um für ihre Ernte zu garantieren. Deswegen werde zwar die Wasserrechnung für diesen Monat etwas höher ausfallen, der Ernte ginge es aber gut, berichtet Hess.

Auch Mann erzählt, dass er für seine Erdbeeren sehr viel Wasser gebraucht habe. «Einen derart trockenen April habe ich, soweit ich mich erinnern kann, noch nie erlebt.» Es hätten eher vorsommerliche Temperaturen geherrscht. Dazu sei die Bise, ergo trockene Luft gekommen, die den Boden nebst des vielen Sonnenscheins noch weiter ausgetrocknet habe. «Es war zwar nicht ganz einfach, aber wir sind zuversichtlich, dass wir eine gute Ernte haben werden, solange es nicht den ganzen Sommer regnen wird. Die Erdbeersaison ist aber erst dann gut, wenn die ganze Ernte abgepflückt und verkauft ist.»

Corona-Mehraufwand bei Selbstpflückfeldern

Unter welchen Bedingungen die Erdbeer-Selbstpflücksaison eröffnet werden wird, ist für beide Betriebe noch unklar – schliesslich hängt dies von den zukünftigen Bundesentscheiden ab. Gemäss den Empfehlungen des Schweizerischen Obstverbandes dürfen die Selbstflückfelder unter besonderen Bedingungen geöffnet werden. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, müsse ein Ein- und Ausgang und verschiedene Desinfektionsmöglichkeiten eingerichtet werden, berichtet Aldo Mann. «Der Ablauf wird sich ändern, aber wir werden versuchen, die schönen Selbstpflückerlebnisse weiterhin zu garantieren.» Der Selzacher Beerenbauer rechnet mit einem Mehraufwand: «Wir werden mehr Personal brauchen und Absperrungen anbringen müssen, die wir ansonsten nicht einrichten müssen. Zusätzlich werden wir Massnahmen am Verkaufshaus vornehmen müssen.»

Simon Hess plant momentan, ein Einbahnsystem ins Feld hinein einzurichten und nur jede zweite Reihe zum Pflücken zu öffnen, um die Distanzeinhaltung zu garantieren. Im Einbahnsystem gelangen die Besucher dann wieder zum Feld hinaus und anschliessend zur Kasse, welche mit Plexiglas geschützt ist. Zudem könne man nun auch mit Twint zahlen, damit kein Bargeld verwendet werden müsse. Zusätzlich brauche es nun jemanden zum Kassieren und Einweisen. «Da werde ich schon mehr Personal brauchen.» 

Regionale Produkte sind gefragt

Bereits im letzten Jahr seien die Hess-Beeren gut gefragt gewesen, berichtet der Gretzenbacher Bauer. Da viele Schweizerinnnen und Schweizer aufgrund der weltweiten Pandemie ihre Ferien in der Schweiz verbringen werden, rechnet Hess im Sommer mit einer grösseren Nachfrage nach seinen Beeren. Wie langfristig diese erhöhte Nachfrage lokaler Produkte anhalten werde, sei jedoch die andere Sache.

Auch Mann sagt: «Aufgrund von Corona haben regionale Produkte direkt vom Hof grossen Anklang gefunden. Wir hoffen jetzt einfach, dass dies auch anhält und dass sich das Verkaufsverhalten auch nachhaltig für die Region entwickelt.»  

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