Winter
Grosse Schäden durch den Frost im Schwarzbubenland, weniger Sorge im Westen des Kantons

Der vergangene Winter zeigte sich immer wieder von seiner sehr kalten Seite. Entsprechend hat es bei vielen Landwirtinnen und Landwirten auch Frostschäden gegeben. Mancherorts litt die Ernte extrem, während andere Höfe kaum schwere Entscheidungen treffen mussten. Ein Überblick.

Andri Morrissey
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Wenn Temperaturen unter null Grad fallen, und die Bäume auf einer Plantage schon blühen, kommen oftmals Frostkerzen zum Einsatz. (Symbolbild)

Wenn Temperaturen unter null Grad fallen, und die Bäume auf einer Plantage schon blühen, kommen oftmals Frostkerzen zum Einsatz. (Symbolbild)

Bild: Pius Amrein

Die Schweiz hat einen Frühling voller frostig kalter Nächte hinter sich. Auch im Kanton Solothurn wurden einige Betriebe von Frostschäden heimgesucht. Vor allem im Nordosten des Kanton Solothurns seien die Schäden verheerend gewesen, sagt Phillipp Gut, Leiter Fachstelle Spezialkulturen am Berufsbildungszentrum Wallierhof. Am schlimmsten betroffen seien vor allem Aprikosen-, Pfirsich- und Kirschenplantagen. Die meisten Birnen- und Apfelplantagen hätten die Kälte hingegen gut überstanden.

Er erwähnt auch, dass es an einigen Orten Totalschaden gegeben hat. Auf der Jura-Nordseite, spezifisch im Schwarzbubenland, sei die Ernte teilweise komplett ausgefallen. Grund dafür waren kalte Polarwinde. «Dieses Jahr kamen viele Kälteeinbrüche vom Norden. Diese sind schlimmer als Bodenfrost», sagt Gut.

Auf dem Brunnenhof in Metzerlen im Schwarzbubenland sind zwei Drittel der dort angebauten Kirschen dem Frost zum Opfer gefallen. «Wahrscheinlich gibt’s nur einen Drittel einer Vollernte, aber es werden dafür grössere Kirschen. Die Früchte werden grösser und saftiger, wenn weniger davon wachsen», sagt Benjamin Meier vom Brunnenhof.

Zwar hatte die Ernte bei den Kirschen gelitten, dafür gibt es eine gute Apfelernte. «Bei den Äpfeln werden wir einen guten Ertrag haben. Die Äpfel sind auch weniger anfällig auf Frostschäden als Kirschen», sagt Meier.

Urs Gschwind aus Gempen im Schwarzbubenland hat gar einen Totalschaden hinnehmen müssen. «Wir haben 800 Hochstammbäume, hauptsächlich Kirschen und Äpfel. Bei den Kirschen haben wir zu hundert Prozent Totalschaden», sagt Gschwind. Er blickt auf eine Woche im April zurück, als die Nächte besonders kalt waren. «An Ostern blühten die Kirschbäume, dann wurde es minus sechs Grad, drei Tage nacheinander. Auch die Knospen, die noch geschlossen waren, wurden zerstört», sagt Gschwind.

Im Westen des Kantons sorgten Frostschäden weniger für Aufregung. Landwirt Konrad Vogt erklärt zu Beginn der Nachfrage, dass sein Hof kaum mit dem Frost zu kämpfen hatte. Einzig die dort angebaute Apfel-Sorte Boskoop, die hauptsächlich zum Kochen verwendet wird, wurde von Frostschäden heimgesucht. «Die Boskoop-Äpfel haben gelitten, aber sonst hat es keine gravierenden Schäden gegeben.»

Jedes zweite Jahr verheerende Frostschäden

Der vergangene Winter ist nicht ein Einzelfall, wenn es um schlimmere Frostschäden geht. Im Jahr 2017 erfroren rund 75 Prozent aller im Kanton Solothurn angebauten Kirschen. Auch zwei Jahre später blieben die Temperaturen durch den April und bis in den Mai eisig kalt. «Seit sechs Jahren hat man den Eindruck, dass dies vermehrt vorkommt», sagt Phillipp Gut. Jedes zweite Jahr, wo nach 2019 auch das laufende Jahr in das Muster fällt, treten die überdurchschnittlich kalten Nächte ein.

Im Winter 2017 musste Urs Gschwind zum ersten Mal einen Totalschaden verkraften.

«Vorhin hatten wir das noch nie. Mein Grossvater und meine Eltern sind immer mit einem blauen Auge davongekommen.»

In diesem aussergewöhnlich kalten Winter hatte auch Konrad Vogt mit dem Frost zu kämpfen. Massnahmen wurden auf dem Familienbetrieb aber keine getroffen. «Irgendwelche Massnahmen wären bei uns chancenlos. Wir hatten starke Winde. Da kann man Heizen vergessen», sagt Vogt. Benjamin Meier findet die wiederkehrenden Frostschäden bedenkenswert.

«Kleinere Frostschäden sind normal, damit muss man rechnen. Aber ich habe das Gefühl, dass es in den letzten Jahren häufiger war. Wir waren auch nicht die Einzigen. Überall in Europa waren Bauern davon betroffen.»

Ob es möglich wäre, die eigene jährliche Ernte auf Gemüse oder Früchte umzustellen, die dem kalten Wetter trotzen? So einfach ist das nicht, erklärt Phillipp Gut. Es sei nicht möglich, auf jedem Boden alles anzubauen und die Bauern müssten sich in erster Linie danach orientieren, was die Kunden kaufen wollen. Zusätzlich sei eine Umstellung teuer und brauche viel Zeit. «Man kann schon mit dem Gedanken spielen, etwas anderes anzubauen, aber das ist in etwa so, als ob ein Maurer sich dazu entscheiden würde, Dachdecker zu werden. Das wird aber langfristig passieren müssen», sagt Gut.