Seehof, wo liegt denn das? Eigentlich ganz in der Nähe, aber dennoch ziemlich abgelegen. Seehof ist eine jener bernischen Enklaven an der Grenze zwischen den Kantonen Jura und Solothurn. Am besten erreicht man die kleine Gemeinde über Gänsbrunnen, Cremines und dann Richtung Corcelles. Nach Corcelles steht der Wegweiser «Seehof», darunter hängt ein Sackgasse-Schild. Dort hinten also muss die Strasse enden. Fährt man dann dahin, wo die Strasse endet, erreicht man die Fischzucht der Gebrüder Thomas und Emanuel Hebeisen.

«Mein Vater hat so nebenbei mit der Fischzucht angefangen», erzählt Thomas Hebeisen kurz darauf bei einem Kaffee am Küchentisch. Diesen Morgen war er noch in Solothurn am Märet und jetzt macht er schon wieder Fische für die Oltner bereit. «Eigentlich betrieb mein Vater eine Schreinerei», erklärt er weiter. Auch er selbst habe zunächst Schreiner gelernt und den Nebenerwerb des Vaters in gleicher Art und Weise übernommen. «Doch irgendwann wurde es mir zu viel und ich beschloss, ganz auf die Fische zu setzen», so der 34-Jährige.

2002 sei er dann zum ersten Mal mit seinen frischen und teils filettierten Bach-, Regenbogenforellen und Saiblingen an den Markt nach Balsthal gefahren. «Ich war ein kompletter Anfänger», erinnert er sich schmunzelnd. Doch die Marktfahrerei habe ihm auf Anhieb sehr gut gefallen. «Und ich konnte mir auch gleich einen Stammkundenkreis aufbauen.»

Sanfte Kritik am Markt

Die Wochenmärkte von Solothurn, Olten, La-Chaux-de-Fonds, Moutier und Langenthal sind weitere Standorte, wo die Gebrüder Hebeisen ihre Fische anbieten. «Es läuft überall sehr gut», freut sich der Marktfahrer. Ausser in Balsthal, dort könnte etwas mehr los sein, ergänzt er. Doch im Grossen und Ganzen spürt Hebeisen, dass der Kundenstamm stetig wachse. «Es ist ein Trend heute, vermehrt auf dem Wochenmarkt regionale Produkte einzukaufen», stellt er fest.

In den meisten Orten werde auch sehr viel für die Attraktivität der Märkte vonseiten der Gemeinden gemacht. «In Moutier müssen wir beispielsweise nicht mal Standgebühren bezahlen», sagt er und fügt hinzu: «Es wäre schön, wenn man auch in Balsthal solches Engagement spüren würde, denn hier kommen immer weniger Berufskollegen hin und entsprechend fehlt es an Kunden.» Dennoch fahre er noch gerne nach Balsthal.

Frische Fische hätten eigentlich immer Saison, sagt er. «Aber vom Frühling bis zu den Sommerferien verkaufen wir etwas mehr als das restliche Jahr hindurch.» Er sei momentan sehr zufrieden mit dem Verkauf. «Es läuft sehr gut.» Aufwand und Ertrag stimmen überein.

Gestern gefischt, heute am Stand

Und wie unterscheiden sich seine Fische von anderen? «Ich denke, wir haben den Vorteil, dass unsere Tiere in frischem Quellwasser inmitten einer intakten Natur leben können. Manche Kunden sagen uns, das schmecke man. Unsere Produkte ‹fischelen› weniger.» Das sei halt ein Vorteil seiner abgeschiedenen Lage, Nachteil sei der lange Anfahrtsweg – besonders im Winter. Ein weiterer Pluspunkt sei natürlich auch die Frische seiner Tiere. «Was ich heute am Marktstand verkaufe, habe ich erst gestern Nachmittag aus dem Teich geholt. Die Tiere werden von Hand ausgenommen und filettiert und gleich in Eis gelagert.»

Ach ja, wie schmecken ihm selbst die Forellen am besten? «Ich grilliere sie am liebsten als ganze Fische in der Folie. Eingepackt mit Cherry-Tomaten, Knoblauch, Dill, Petersilie und einem Schluck Weisswein.»