Region Solothurn

Friedhofreglemente zeigen: Im Tod sind doch nicht alle gleich

Wer eine Beerdigung organisieren muss, tut gut daran, einen Blick ins jeweilige Friedhofreglement seiner Gemeinde zu riskieren. Es gibt vielfältige Vorschriften, die bei einem Todesfall zu berücksichtigen sind.

Die vergangenen Allerheiligen- und Allerseelentage, am 1. und 2. November, sind Daten, an denen auf unseren Friedhöfen Hochbetrieb herrscht. Durchs Jahr hindurch sind aber Friedhöfe stille und friedliche Orte der Einkehr und der Meditation.

Aber auch Stätten, an denen alles gut organisiert und wohlstrukturiert ist. In aller Regel wird man in der Schweiz in Reih und Glied zur letzten Ruhe gebettet. Länge und Breite der Gräber sind für Erwachsene oder Kinder in genauen Zentimeter-Angaben in jeder Gemeinde festgelegt, Höhe und Dicke der Grabmäler sind ebenfalls vorgeschrieben.

Ein Blick in einige der Friedhofreglemente in unserer Region zeigt viele Gemeinsamkeiten, aber doch auch Unterschiede in den Details. In Derendingen gesteht man beispielsweise den Verstorbenen ein Grab mit der grössten Länge zu. Zwei Meter darf ein Erwachsener dort beanspruchen.

Die Hinterbliebenen eines in Oensingen Beerdigten haben im Gegensatz dazu gerade mal 1,60 Meter zur Verfügung, um mit Grabstein und Blumenschmuck an den Dahingeschiedenen zu erinnern. Hingegen sind die Abweichungen bei der Grabtiefe nicht so gravierend. In der Regel wird ein Grab 1,5 Meter tief ausgehoben, an manchen Orten gar 1,8 Meter.

Unterschiede gibt es bei den Grabmalgestaltungsmöglichkeiten. So um einen Meter hoch sollten sie in der Regel sein, wenige Zentimeter sind da entscheidend. Möglichst pro Friedhof gleich hoch – die Grabsteinhauer sind gefordert, die genauen Vorschriften zu kennen. Generell ist es überall nötig, den von Hinterbliebenen ausgewählten Grabstein vorgängig durch einen Vertreter der offiziellen Friedhofsbehörde «absegnen» zu lassen. Denn es gibt Vorschriften, was für einen Grabstein als passend erachtet wird, und was nicht.

So sind beispielsweise Denkmäler aus Kunststein nirgendwo gerne gesehen. In Balsthal sind beispielsweise polierte Steine, weisse, schwarze und rosafarbige Steinsorten nicht zugelassen. Die Oensinger regeln noch mehr. «Das blosse Überdecken der Grabfläche mit Grabplatten oder Gestein ist nicht zulässig», heisst es da im Reglement.

Generell wird also davon ausgegangen, dass die Hinterbliebenen einen Grabstein in Auftrag geben. Nur in Solothurn hat man dazu einen Passus im Reglement: ««Haben Angehörige nach 1½ Jahren seit der Bestattung trotz Mahnung kein Grabmal gesetzt, wird auf Weisung des Stadtbauamtes auf Kosten der Angehörigen ein einheitlicher Grabstein aufgestellt. Dessen Gestaltung bestimmt das Stadtbauamt.»

Gedanken Über die Gestaltung eines Grabsteines müssen sich die Neuendörfer nicht machen. Dort sehen nämlich alle Grabdenkmäler gleich aus: ein steinernes Kreuz, wie auf dem Soldatenfriedhof. «Der Steinbildhauer wird von der Einwohnergemeinde bestimmt», heisst es im Friedhofreglement der Gäuer Gemeinde. Die kürzlich einberufene Gemeindeversammlung will an diesem Konzept festhalten, hat aber bestimmt, dass in Kürze eine eigene Abteilung für Verstorbene nicht christlichen Glaubens eingerichtet werden soll.

In den meisten Friedhofreglementen wird auch die Beisetzung von Urnen in bestehende Erdgräber geregelt. Da sind die Unterschiede gross. Einige sagen genau, wie viele Urnen und wie lange diese beigesetzt werden dürfen. Andere machen da weniger strenge Angaben. Klar heisst es beispielsweise in Solothurn: «Ab dem 16. Jahr nach Belegung ist die Beisetzung einer Urne nicht mehr zulässig.»

Überall gleich ist auch die Regel, dass pro Erdbestattung nur eine Leiche ins Grab gelegt werden darf. Eine Ausnahme gibt es wiederum in Solothurn: «Sterben Mutter und Kind an einer Geburt, dürfen sie im gleichen Grab bestattet werden.» Glücklicherweise kommt ein solches Ereignis heute nur noch selten vor. Überall gleich lang ist die Dauer der Grabesruhe: 20 Jahre – auch bei Urnenbestattungen. Danach liegt es in der Hand der Gemeinde, ein Grab zu räumen. Vorher – so ist geregelt – werden die Hinterbliebenen benachrichtigt.

«Nicht beanspruchte Grabsteine gehen nach Ablauf der Todesruhe in das Eigentum der Einwohnergemeinde über», so wie in Solothurn oder ähnlich lauten die Bestimmungen darüber, was mit dem Grabstein geschieht. Tatsache ist, dass heute weniger Bestattungsplätze benötigt werden als früher, denn viele Menschen wählen als letzte Ruhestätte einen ganz anderen Ort als den Friedhof. Möglich ist da zum Beispiel – allerdings nur nach einer Kremation – die Beisetzung im eigenen Garten, man streut die Asche ins Wurzelwerk eines Baumes in einem Friedwald oder sonst an einen Ort, welcher der Verstorbene vielleicht gar testamentarisch verfügt hat.

Beerdigungen sind teuer, hört man immer sagen. Aber: Viele Dienstleistungen in diesem Bereich werden von den Gemeinden übernommen. In der Regel die Aufbahrung, das Begräbnisläuten, (in Oensingen läuten bei jeder Beerdigung die katholischen und die reformierten Glocken), den Aushub und das Schliessen des Grabes, die vorgeschriebene Grabeinfassung.

«In finanziellen Härtefällen übernimmt die Gemeinde die Kosten für einen einfachen Sarg», heisst es oft. Für auswärtige Verstorbene ist in der Regel ein Beitrag für die Bestattung zu entrichten. Doch das Gegenteil existiert auch. Wenn ein Neuendörfer auswärts beerdigt wird, übernimmt die Gemeinde Kosten von höchstens 300 Franken.

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