Im Solothurnischen gilt zum Unmut der Friedensrichter nach wie vor das «Lokal-Prinzip»: Kläger und Beklagte müssen Wohnsitz in derselben Einwohnergemeinde haben. Sonst dürfen Friedensrichter gar nicht schlichten. Zudem sind im Kanton «Streitgenossenschaften» – zum Beispiel Ehepaare, welche gemeinsam ein Haus besitzen – von einem Verfahren durch die Friedensrichter ausgeschlossen. Die Fallzahlen sind daher erheblich geringer als im schweizerischen Durchschnitt.

Albert Schönbächler, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbandes der Friedensrichter und Vermittler, konkretisierte einen möglichen Spareffekt durch einen Ausbau der Tätigkeit der Friedensrichter. Laut einer Erhebung des Verbandes würden durch die Vermittlungstätigkeit schweizweit jährlich 35 bis 45 Mio Fr. eingespart, da die durch Schlichtung beigelegten Streitigkeiten nicht zum «Gerichtsfall» werden. Die Solothurner Friedensrichter sind deshalb der Ansicht, dass die friedensrichterliche Tätigkeit auch auf Streitgenossenschaften ausgedehnt sowie der veraltete Gebührentarif an heute übliche Entschädigungen und Begriffe angepasst werden soll.

Präsidiert wird der Verband von Stefanie Humm, Rechtsanwältin und Friedensrichterin in Recherswil. «Urgestein» Daniel Schöni, Friedensrichter aus Gerlafingen, reduziert mit zunehmendem Alter seine Tätigkeiten und tritt daher aus dem Vorstand zurück. Als Gründungsmitglied war er dem Vorstand seit 2010 als Aktuar und zeitweise auch als Vizepräsident eine Stütze. (mgt)