Obergericht
Freundin geschlagen und eingesperrt: 29-Jähriger muss ins Gefängnis

Ein Schweizer muss acht Monate ins Gefängnis, weil er seine Freundin geschlagen, gewürgt und eingesperrt hat. Das Obergericht bestätigte vollumfänglich das Urteil des Amtsgerichts Bucheggberg-Wasseramt.

Hans Peter Schläfli
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Der Mann schloss die Freundin ein. (Symbolbild)

Der Mann schloss die Freundin ein. (Symbolbild)

Keystone

Im April 2011 stritt Joël K.* heftig mit seiner damaligen Freundin. Dabei schlug er sie mit der Faust, trat sie mit dem Fuss und gab ihr Ohrfeigen. Diese Körperverletzungen gab der heute 29-Jährige zu. Als die junge Frau vor der Gewalt flüchten wollte, schloss er sie in der gemeinsamen Wohnung ein.

Als sie um Hilfe schrie, würgte er sein Opfer und drohte, sie umzubringen. Dafür wurde er vom Amtsgericht wegen Freiheitsberaubung schuldig gesprochen (wir berichteten), was Joël K. nicht akzeptierte und Berufung einlegte.

Zahlreiche Delikte

So musste das Obergericht den Fall neu beurteilen. Von den verschiedenen weiteren Anklagepunkten, gegen die Joël K. Berufung eingelegt hatte, blieb aber am Verhandlungstag neben der Freiheitsberaubung nur noch ein Schuldspruch wegen Fahrens in übermüdetem Zustand übrig.

Die anderen Berufungen wurden zurückgezogen. Die Verurteilungen wegen Tätlichkeiten, zahlreichen Verstössen gegen das Betäubungsmittelgesetz und das Strassenverkehrsgesetz wurden damit rechtskräftig. Die Vorstrafe von 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit, zu denen er schon im Februar 2010 verurteilt worden war, sei er jetzt bereit zu leisten, zeigte sich der Hilfsarbeiter einsichtig.

Entscheidende Minuten

«Die betroffene Person konnte während einer oder zwei Minuten einen ihr vertrauten Ort nicht verlassen», begründete Rechtsanwältin Josefa Welter, warum sie für den Angeklagten einen Freispruch forderte. «Was vorgefallen ist, erfüllt den Tatbestand der Freiheitsberaubung wegen der kurzen Dauer und der geringen Intensität nicht.»

Das Obergericht ging von einer Freiheitsberaubung von über fünf Minuten aus und bestätigte den Schuldspruch der Vorinstanz. Die Dauer sei nicht das einzige Argument. Da die Freiheitsberaubung mit Tätlichkeiten und Würgen verbunden war, habe es sich für das Opfer um ein gravierendes Erlebnis gehandelt.

Turboschlaf war nicht genug

Im Morgengrauen des 2. Januar 2012 schlief Joël K. am Steuer seines Autos ein und verursachte auf der Autobahn einen schweren Verkehrsunfall. Dafür wurde er von der Vorinstanz wegen vorsätzlichen Fahrens in übermüdetem Zustand verurteilt. «Er hat kurz vor dem Unfall auf der Raststätte 20 Minuten geschlafen und ist nicht vorsätzlich übermüdet gefahren», forderte Josefa Welter einen weiteren Freispruch. «Er hat die Empfehlungen der Kampagne des Bundesamtes für Unfallverhütung zum Turboschlaf befolgt und sich somit korrekt verhalten», meinte die Verteidigerin.

Staatsanwalt Marc Finger war da anderer Meinung: «Er hat diese Empfehlung missachtet, denn darin steht auch ganz deutlich, man soll auf Alkohol verzichten. Der Angeklagte war aber stark alkoholisiert.» Dem stimmte das Obergericht in seiner Urteilsbegründung dann auch bei: «Dass er wenige Minuten nach der kurzen Pause am Steuer eingeschlafen ist, beweist, dass er vorsätzlich übermüdet gefahren ist.»

So wurde das Urteil der Vorinstanz in allen Punkten bestätigt, und auch die Strafe blieb genau gleich bei 18 Monaten Freiheitsentzug, wovon 8 Monate unbedingt zu vollziehen sind und die restlichen 10 Monate zur Bewährung ausgesetzt werden. Zudem muss Joël K. die Kosten des Berufungsverfahrens vollumfänglich bezahlen.

Und das nächste Ungemach ist bereits im Anzug: In den vergangenen Skiferien in Österreich ist er bereits wieder betrunken mit einem Auto in einem Bachbett gelandet.

Name von der Redaktion geändert.

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