Etwas weniger Einwohner, als sich die Organisatoren gewünscht hätten, dafür Experten und Freiwillige aus der ganzen Schweiz fanden sich am Dienstagabend im Wallierhof ein, um mehr über das Bundesasylszentrum zu erfahren. Organisiert wurde die Veranstaltung von der ZiAB, der Plattform «Zivilgesellschaft in Bundesaslyzentren», eine Plattform, die es sich zum Ziel setzt, die Bevölkerung vermehrt in Bundesasylzentren einzubinden und freiwilliges Engagement zu fördern.

Die dringendsten Fragen der Bevölkerung, etwa, ab wann das Zentrum in Betrieb sein wird, oder wann der Tag der offenen Tür stattfindet, blieben jedoch unbeantwortet. Die Geschäftsleiterin der ZiAB, Laura Tommila, vermutet, dass das SEM (Staatssekretariat für Migration), absichtlich nur sehr kurzfristig informiere, um etwaige Störaktionen zu vermeiden. Sie teilte jedoch den Anwesenden ihre Kenntnisse mit: Die Stelle des 'Fachspezialisten für Partner & Administration' (oft der Stellvertreter der Zentrumsleitung) sei ab dem ersten Oktober besetzt und dass momentan die Strassenbefestigungen zum Zentrum noch komplett fehlen und darum ein Zugang zum Zentrum noch nicht möglich sei.

Das geplante Bundesasylszentrum in Flumenthal werde ein Zentrum ohne Verfahrensfunktion sein, erklärte Tobias Heiniger von der  Schweizerischen Flüchtlingshilfe den Anwesenden. Das würde heissen, dass die Aslyverfahren in einem anderem Zentrum in Basel durchgeführt werden und Flumenthal lediglich als 'Warte- und Ausreisezentrum' dient. Seit dem Inkrafttreten des revidierten Asylgesetz im März 2019 soll das beschleunigte Asylverfahren nur 140 Tage dauern. Niemand werde länger als fünf Monate in einem Bundesasylzentrum bleiben.

Auf die Ausreise warten

«Viele der Asylsuchenden in Flumenthal werden aufgrund eines Dublinverfahrens in ein anderes europäisches Land zurückkehren müssen und im Zentrum in Flumenthal auf die Ausreise warten. Ausserdem fungiert das Zentrum auch als  Wartezentrum für Personen die noch auf ihren Asylentscheid warten», so Heiniger. Ebenfalls gab er eine kurze Einschätzung der neuen Verfahren ab: Die engen Verfahrensfristen stellen eine grosse Herausforderung für alle Beteiligten dar und es besteht das Risiko, dass dies die Qualität der Verfahren negativ beeinflusst. Die Unterbringung der Asylsuchenden ist häufig abgelegen und isoliert. Die bundesweite Einheitlichkeit muss genau beobachtet werden, da nicht mehr alle Asylgesuche in Bundesbern, sondern in sechs verschiedenen Asylregionen entschieden werden.

Der Tagesablauf der Asylsuchenden im Bundesasylzentrum beginnt jeden Morgen um 7.30 Uhr mit Frühstück und endet um 22.00 Uhr mit der Nachtruhe. Die Ausgangszeiten sind auf 9.00 Uhr bis 17.00 Uhr unter der Woche festgelegt, am Wochenende von Freitagmorgen bis Sonntagabend. Die Gemeinde Flumenthal könne diese Ausgangszeiten jedoch verlängern lassen, wenn sie ein entsprechendes Gesuch beim SEM stellen würde, erklärte Tommila. Grundsätzlich seien die Zentren der Öffentlichkeit nicht zugänglich, was ein freiwilliges Engagement der Bevölkerung erschwere.

Nur im Rahmen von vom SEM bewilligten Projekten dürften Freiwillige die Zentren betreten. Wie solche Projekte aussehen können, zeigten Freiwillige aus Bern und Kreuzlingen, wo regelmässig Begegnungscafés, Ateliers, Kindernachmittage und andere kreative Projekte mit Asylsuchenden stattfinden. «Es ist wichtig, dass die Bevölkerung sich zusammenfindet, sich organisiert und gemeinsam brainstormt, was man für Angebote durchführen könnte, um den Asylsuchenden den Alltag zu erleichtern», lautete Tommilas Fazit des Abends.