Solothurn
Freiwilligenarbeit: «Der Mensch braucht in jeder Lebensphase Strukturen»

Solothurner Organisationen rund ums Alter thematisierten an ihrem Jahresanlass den grossen Wert unentgeltlich geleisteter Arbeit. Rund 640 Millionen freiwilliger Arbeitsstunden würden in der Schweiz jährlich geleistet, so Regierungsrat Peter Gomm.

Katharina Arni-Howald
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Gespräch zu Angeboten in der Freiwilligenarbeit (v.l.): Fernsehmoderatorin Noëmi Ackermann (Diskussionsleitung), René Spahr (SRK Kanton Solothurn), Ruth Bur (Pro Senectute Kanton Solothurn), Yvonne Berner (Spitex Kanton Solothurn), Fritz Aeberhard (Computeria Olten, Graue Panther)Hansjörg Sahli

Gespräch zu Angeboten in der Freiwilligenarbeit (v.l.): Fernsehmoderatorin Noëmi Ackermann (Diskussionsleitung), René Spahr (SRK Kanton Solothurn), Ruth Bur (Pro Senectute Kanton Solothurn), Yvonne Berner (Spitex Kanton Solothurn), Fritz Aeberhard (Computeria Olten, Graue Panther)Hansjörg Sahli

Hansjoerg Sahli

«Freiwilligenarbeit – drei Gewinner». So lautet der Slogan, den die Fachgruppe «Alt werden im Kanton Solothurn», kurz AL’SO genannt, für ihren Jahresanlass gewählt hat. Der Anlass bezog sich auf den Internationalen Tag der Freiwilligen am 5. Dezember. Wer aber sind die drei Gewinner, die von der von Tausenden Menschen verrichteten Freiwilligenarbeit jahrein, jahraus profitieren?

Katharina Simonet, Bereichsleiterin für Bildung beim Roten Kreuz des Kantons Solothurn und Mitorganisatorin des überaus gut besuchten Nachmittagsanlasses in Solothurn, gab darauf gleich zu Beginn eine Antwort: «Es sind die Menschen, die von der Freiwilligenarbeit profitieren, jene, die sie verrichten und die Organisationen, die sie in die Wege leiten.»

Bald wurde auch klar: Unter jenen, die Freiwilligenarbeit leisten, befinden sich immer mehr ältere Menschen, die das Alter nicht als Ruhekissen betrachten, sondern ihre Dienste auch weiterhin der Gesellschaft zur Verfügung stellen möchten. Das freute auch Regierungsrat Peter Gomm, der in seinem Eröffnungsreferat darauf hinwies, dass in der Schweiz pro Jahr rund 640 Millionen Arbeitsstunden freiwillig geleistet werden.

Nehmen und Geben

«Als ich einmal an Heiligabend alleine war, entschloss ich mich, an diesem Tag etwas Sinnvolles zu tun», erzählte Werner Maag aus Langendorf im vollbesetzten Saal des Hotels Ramada. Der rüstige Rentner wurde Fahrer bei der Organisation Nez Rouge und hat es nie bereut: «Man bekommt vieles zurück und tut erst noch etwas, um die Routine beim Autofahren nicht zu verlieren.» Und wer weiss: «Vielleicht hilft mir später auch jemand, wenn ich es nötig habe.»

Es sei ein Nehmen und Geben, liess auch die in einer Seniorengruppe tätige Rentnerin Ursula Meise aus Oensingen die Anwesenden wissen. Und: «Der Mensch braucht in jeder Lebensphase Strukturen.» Mit Begeisterung erzählte Rosmarie Farnhammer aus Olten über ihre Erlebnisse in der Computeria und das «liebenswürdige und lustige Team», das es ihr ermögliche, E-Mails zu schreiben und auch im Alter mit den Menschen zu kommunizieren.

Gute Erfahrungen hat Matthias Pfeiffer, Schulleiter an der Primarschule Derendingen, mit der von der Pro Senectute angebotenen «Seniorenhilfe in der Schule» gemacht. «Die Senioren haben einen Erfahrungsschatz, von dem die Schule nur profitieren kann.»

Vielseitig einsetzbar

Der kaum bezifferbare Wert der Freiwilligenarbeit von älteren Menschen kam auch im Podium unter Experten der AL’SO-Organisationen zum Ausdruck, die ihre Angebote vorstellten. Daran nahmen Fritz Aeberhard von der Computeria und den Grauen Panthern Olten, Yvonne Berner vom kantonalen Spitex-Verband, die stellvertretende Geschäftsleiterin der Pro Senectute Kanton Solothurn, Ruth Bur, und René Spahr, Geschäftsleiter des Schweizerischen Roten Kreuzes Kanton Solothurn.

Geleitet wurde das Podium von Fernsehmoderatorin Noëmi Ackermann. Dabei stellte sich heraus, dass Senioren vom Fahr- und Begleitdienst über den Schneeräumungsdienst bis hin zur Hilfe in der Schule, die Entlastung von Angehörigen und bald auch für den Geburtstagsbesuchsdienst fast überall einsetzbar sind. Selbst ein Spaziergang mit dem Hund wird geschätzt. «Wir könnten vieles ohne die Senioren nicht anbieten», war Ruth Bur überzeugt, und René Spahr wies auf die Wichtigkeit einer guten Einführung und Schulung hin. An Interessenten mangelt es den Organisationen nicht – auch nicht an Ideen.