Zum Schluss der Urteilsbegründung bedankte sich Silvain C.* bei Einzelrichter Ueli Kölliker für «seine Bemühungen». Dieser entgegnete prompt, dies sei nur der rechtliche Aspekt, der moralische ein anderer. «Den müssen sie mit sich selbst verantworten», so Kölliker. Minuten zuvor sprach er den redegewandten Franzosen mit afrikanischen Wurzeln des mehrfachen Betrugs, der Veruntreuung und der Urkundenfälschung frei.

Zur Verhandlung kam es, weil ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, zwei Frauen um hohe Geldbeträge betrogen, einer weiteren Frau den geleasten Porsche veruntreut und ihre Unterschrift auf dem Leasingvertrag gefälscht zu haben. Laut Anklageschrift ging es in einem Betrugsfall insgesamt um rund 67 000 Franken, im anderen um ausbleibende Lohnzahlungen von 16 500 Franken.

Teilnahmerecht verletzt

Beim vollumfänglichen Freispruch spielten unverwertbare Aussageprotokolle eine grosse Rolle. Weil nämlich Silvain C.s Teilnahmerecht bei den Befragungen von zwei der drei geschädigten Frauen verletzt worden war, mussten diese Protokolle (67 000-Franken-Betrug und Porsche-Veruntreuung) aus den Akten gewiesen werden. «So steht im einen Fall einzig fest, dass die Frau via Western Union Geld überwiesen hatte, aber von Silvain C. gar eine grössere Summe auf demselben Weg erhielt», so Ueli Kölliker.

Im Fall der ausgebliebenen Lohnzahlungen meinte er: «Die Aussagen der Frau sind verwertbar und glaubwürdig. Silvain C. hatte keinen Zahlungswillen. In diesem Sinne hat eine Täuschung vorgelegen.» Die Frau habe aber jegliche Sorgfalt vermissen lassen. «Offenbar hat sie von ihrem neuen Arbeitgeber nicht einmal ein Papier verlangt, so naiv und unvorsichtig hätte sie nicht sein dürfen», so Kölliker. Sie stehe darum in Mitverantwortung.

Bereits vor eineinhalb Jahren verurteilt

Bei der Veruntreuung des Porsches wiederum sei aus dem Vorhalt in der Anklageschrift nicht hervor gegangen, wer ihm genau den Porsche anvertraute. «Das Anklageprinzip wurde so verletzt.» Weiter liege betreffend der Urkundenfälschung kein grafologisches Gutachten vor.

Trotz der Freisprüche kommt Silvain C. nicht auf freien Fuss. Er wurde bereits Ende Juni wegen mehrfacher Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsbesorgung sowie qualifiziert Geldwäscherei zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren verurteilt.

*Name von der Redaktion geändert