Der Höhepunkt kam spät, aber er kam: Die Uhr zeigte am Mittwochabend im Bellacher Turbensaal kurz nach 22 Uhr an, als die Delegierten der FDP ihren Ständeratskandidaten auf den Schild gehoben hatten: den Oltner Parteipräsidenten, Fürsprech und Unternehmenskommunikator Stefan Nünlist, der sich in der Ausmarchung gegen den Breitenbacher Naturwissenschaftler und ETH-Rat-Finanzchef Dieter Künzli durchgesetzt hatte.

Überraschenderweise präsentierten die Freisinnigen gleichentags auch ihre Nationalratsliste. Die Nomination der Kandidatinnen und Kandidaten findet zwar erst am 22. Mai statt, doch die Namen sind bekannt. Neben dem Ständeratskandidaten, der auch auf die Nationalratsliste geht, stellen sich die folgenden Personen zur Verfügung: Neben dem bisherigen Nationalrat und Solothurner Stadtpräsidenten Kurt Fluri und Ständeratskandidat Stefan Nünlist aus Olten sind dies Kantonsrat Christian Thalmann aus Breitenbach, Gemeinderat David Plüss aus Olten, der Grenchner Stadtpräsident François Scheidegger, die Egerkinger Gemeindepräsidentin Johanna Bartholdi, Kantonsrätin Karin Büttler aus Laupersdorf, der Derendinger Gemeindepräsident Kuno Tschumi, Kantonsrat Markus Spielmann aus Starrkirch-Will, Kantonsrat und Gemeindepräsident Peter Hodel aus Schönenwerd, Gemeinderat Reto Grolimund aus Olten sowie Gewerbeverband-Vizepräsident Roman Baumann aus Gempen.

Knochenarbeit Personalplanung

Wie an der Delegiertenversammlung bekannt wurde, werden die Freisinnigen im Oktober mit zwei Listen in die Wahlen ziehen – und diese selbstredend mit der Liste der Jungfreisinnigen verbinden. Dass es einiger Knochenarbeit bedurfte, um die Nationalratsliste auf die Beine zu stellen, führte Parteivorstand Felix Hug aus Starrkirch-Wil vor den Delegierten aus. Er gehört jenem parteiinternen Ausschuss an, der sich unter der Ägide vom Parteipräsident mit der Personalplanung der FDP befasst.

Mit rund 40 Namen setzte sich das Gremium bei der Zusammenstellung der Liste auseinander. Ein Unterfangen, das kaum einfacher geworden ist, seit die FDP sowohl auf nationaler als auch auf kantonaler Ebene bei der Besetzung von Parlamentsmandaten und Regierungsämtern Haare lassen musste.

Kampfansage an Bisherige

Trotzdem: Es finden sich einige bekannte Namen auf der Liste, mit der die Freisinnigen am 20. Oktober den zweiten Nationalratssitz zurückholen wollen. Doch der Abstand zwischen Langzeit-Amtsinhaber Fluri und «dem Rest der Welt» ist trotzdem auffällig. Zudem: Mit Johanna Bartholdi und Karin Büttler finden sich bloss zwei Frauen auf der Liste.

Nicht überraschend fehlt der Name von Ex-Kantonsrätin Anita Panzer darauf, die sich entschieden hat, sich ausserhalb ihres Gemeindepräsidiums aus der Politik zurück zu ziehen und sich vermehrt auf ihre geschäftlichen Aktivitäten zu konzentrieren. Nichtsdestotrotz gab Parteipräsident Nünlist klar die Losung aus, der Solothurner Freisinn müsse seine Präsenz unter der Bundeshauskuppel verstärken.

Er formulierte dabei pointierter als auch schon eine Kampfansage an das Duo der bisherigen Ständeräte Pirmin Bischof (CVP) und Roberto Zanetti (SP). Für den Parteipräsidenten und Ständeratskandidaten ist klar, dass ein fortschrittlicher freiheitlicher Wind in der Kleinen Kammer Einzug halten und die gefühlte Zeit des Stillstands ein Ende finden muss.

Deutlich zu spüren: Nünlist hat Lunte gerochen beim Angriff auf das Bisherigen-Duo. Und er sieht sich als Wahllokomotive für seine Partei. Deshalb tritt er nicht nur als Ständeratskandidat in Erscheinung, sondern steht auch als Nationalratskandidat zur Verfügung.