Solothurner Bildungssystem

Freisinn kritisiert fehlende Durchlässigkeit der Sekundarstufe I

Im Sommer wird sich erstmals zeigen, wie viele Sek-E-Schüler in die Maturitätslehrgänge an den Kantonsschulen eintreten. Archiv

Im Sommer wird sich erstmals zeigen, wie viele Sek-E-Schüler in die Maturitätslehrgänge an den Kantonsschulen eintreten. Archiv

Die Solothurner FDP ortet Probleme bei der Durchlässigkeit zwischen Sek E und Sek P. Die Weichenstellung für die Möglichkeit eines Maturitätsabschlusses erfolge sehr früh. Für die Regierung ist es aber noch zu früh für eine Beurteilung.

Wie durchlässig ist das Solothurner Bildungssystem? Geht es nach den Versprechungen, die bei der Sek-Reform gemacht wurden, dürfte es beim Wechsel von der Sek E in die progymnasiale Sek P keine Probleme geben.

Doch genau solche ortet die Solothurner FDP. Aufgrund von Rückmeldungen aus den Schulen und von Schülerinnen und Schülern im Rahmen des Jugendpolittages muss davon ausgegangen werden, dass dies praktisch nicht möglich ist», schreibt Erstunterzeichner Yves Derendinger. «In der Praxis bedeutet das, dass die Weichenstellung für die Möglichkeit eines Maturitätsabschlusses sehr früh erfolgt.»

Nicht genug: Die Freisinnigen befürchten, dass Schüler, die sich erst spät entscheiden, heute schlechtere Bildungschancen hätten als im alten Schulmodell.

Noch kein Trend ablesbar

Erst 2011/12 ist die Sek-Reform gestartet. Es sei völlig «unzulässig und unmöglich, aus diesen wenigen Zahlen Trendmeldungen für einen Korrekturbedarf abzuleiten», schreibt die Regierung in ihrer Interpellationsantwort. Erst zwei Jahrgänge hätten nach dem neuen System Übertritte gemacht.

Gemäss der FDP würden möglichst viele Kinder in der Sek P starten wollen, «um ja nicht die Möglichkeit zu verpassen, später in die MAR-Schule übertreten zu können. Neben unnötig höheren Kosten führt dies unweigerlich zu einem tieferen Niveau in der Sek P.»

Dem hält das Bildungsdepartement von Regierungsrat Remo Ankli einige Zahlen entgegen: Im ersten Jahr seien 25 Prozent übergetreten. Geplant sind pro Jahrgang 15 bis 20 Prozent. Doch inzwischen sind die hohen Eintritte zurückgegangen.

Aktuell waren es 21,1 Prozent des Jahrgangs. «Nun hat sich das System aber bereits in die richtige Richtung entwickelt und die Eintritte sind zurückgegangen.» Es sei möglich, nach der dreijährigen Sek E eine Prüfung für den Übertritt ins Gymnasium abzulegen. Wer dies tut, verliert gegenüber den Sek P-Schülern allerdings ein Jahr. Auch ein Wechsel von der Sek E in die Sek P sei am Ende des ersten Jahres «bei entsprechend guten Leistungen» möglich. Nach der zweiten Klasse noch bei «sehr guten Leistungen».

Kaum Übertritte zu verzeichnen

Tatsächlich gab es in den ersten zwei Jahren nicht viele Wechsel: 2011/12 und 2012/13 waren es jeweils 14 Schüler, als weniger als ein Prozent der betroffenen Schülerinnen und Schüler. «Diese Zahlen unterscheiden sich kaum von den Wechseln ins damalige Untergymnasium.»

Dennoch: «Eine Fehlentwicklung kann bisher nicht konstatiert werden. Ein Urteil, ob eine wesentliche Veränderung vorliegt, kann aus den Daten der Reform noch nicht gezogen werden.» Der Regierungsrat stellt schlicht fest: «Es braucht keine Korrektur.» Man müsse die Möglichkeiten der Sek E einfach noch besser kommunizieren.

«Es gibt noch keine aussagekräftigen Zahlen», bestätigt auch Adrian van der Floe, Präsident des Verbands der Solothurner Schulleiter. Entscheidend für Aussagen zur Durchlässigkeit werde sein, wie viele Sek- E-Schüler nach dem dritten Jahr in die Maturitätslehrgänge wechseln können. Hier liegen noch keine Zahlen vor. «Wenn es hier die Möglichkeit gibt, ist die Durchlässigkeit gewährleistet. In zwei Jahren haben wir Fakten.»

Allerdings kann van der Floe bestätigen, dass der Übertritt nach einem Jahr Sek E «kaum realisierbar ist.» Schüler müssen einen Schnitt von über 5,2 vorweisen. Vom Verband aus habe man schon früher bemängelt, dass es kaum sinnvoll sei, dass der Schnitt so hoch liegt.

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