«Executive Producer Roswitha Schild» steht auf dem Filmplakat des neuen Schweizer Dok-Films «#Female Pleasure». Doch, was bedeutet das eigentlich? «Das wusste ich vorher auch nicht so richtig», gibt Roswitha Schild, Solothurner Kunsthistorikerin und passionierte Kunstsammlerin, unumwunden zu. Wir sitzen im Café-Bereich der Buchhandlung Lüthy und sprechen über ihr neues Betätigungsfeld Film.

Sie erklärt: «Wörtlich übersetzt heisst diese Bezeichnung eigentlich ‹ausführender Produzent›, doch in der Regel weist es auf diejenige Person hin, die als Investor um die Finanzierung des Filmprojekts besorgt ist.» Der Film zeigt den Lebensweg von fünf klugen und starken Frauen, die aus Familien der fünf Weltreligionen stammen. Sie alle haben den Kampf für ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben und das Ausleben ihrer eigenen weiblichen Sexualität aufgenommen.

Schild wird auf dem Filmplakat zusammen mit Ellen Ringier und Melanie Winiger genannt und findet es schon spannend, sich jetzt plötzlich als einen Teil des Showbiz wiederzufinden. «Auf einem roten Teppich zu stehen wie in Locarno am Filmfestival, daneben Filmschaffende – das macht schon Spass», lacht sie. Dabei ging es ihr nicht darum, als sie sich entschloss, diesen Film zu unterstützen.

Und das kam so: Im Frühjahr 2016 wurde sie zu einem Treffen eingeladen, bei welchem der Zürcher Filmproduzent Philip Delaquis und die Regisseurin des Films, Barbara Miller, mit dabei waren. «Dort wurde das Filmprojekt vorgestellt. Ich ging vor allem deshalb hin, weil mir der Nachname der Regisseurin auffiel.» Miller heisst eine der bekannten Solothurner Kunstsammler-Familien, über deren Sammlung Schild immer wieder geforscht hat und auch zuweilen Bilder daraus auf Auktionen ersteht. «Doch um es vorwegzunehmen: Mit dieser Sammlerfamilie hat die Regisseurin nichts zu tun.»

Das Treffen hatte den Zweck, eine Restfinanzierung für die Realisierung des Films auf die Beine zu stellen, nachdem Gelder von Stiftungen und anderen Institutionen bereits zugesichert waren. «Das Filmprojekt, ebenso aber die Professionalität und Persönlichkeit von Produzent und Regisseurin hatten mich so überzeugt und begeistert, dass ich mich nach einigem Nachdenken dazu bereiterklärte, mitzumachen», erzählt Schild. Film habe sie bisher als reine Konsumentin interessiert, «doch wie man mit Bildern umgeht, wie man sie betrachtet und beurteilt, das kenne ich natürlich seit 40 Jahren».

Ein sehr wichtiger Film

«Eine knapp sechsstellige Summe», beantwortet sie die Frage zu ihrem finanziellen Engagement. «Wer weiss – wenn der Film erfolgreich wird, fliesst sogar etwas Geld wieder zurück. Es ging mir in erster Linie darum, einem wichtigen Film zur Realisierung zu verhelfen». Und dass gerade dieser Film wichtig ist, davon ist Schild überzeugt. Doch allein damit ist ihr Engagement für den Film nicht vorbei. «Ich habe täglich mit Produzent Delaquis Kontakt und bin weiter am promoten.»

Schild hat die fünf Protagonistinnen des Films zum Teil näher kennen gelernt und ist beeindruckt von ihrem Mut. «Zwar sind es krasse Lebenswege im Film, doch machen wir uns nichts vor: Heute noch bekommst du doch als Frau im normalen Alltag ständig und ganz subtil eins aufs Dach. Ich kenne keine Frau, die nicht irgendwann blöd von einem Mann angemacht wurde, weil sie eine Frau ist. Und wenn sie Opfer werden, hält man ihnen vor, sie seien selbst schuld, weil sie sich nicht richtig verhalten hätten.»

Frauen lassen sich in ein Schönheitsideal pressen, lassen sich schon in jungen Jahren «optimieren» und stöckeln wie Opferlämmer zur Maturfeier, zum Vorstellungsgespräch, zum Date. «Und besonders perfid wird die Diskriminierung dann, wenn sich die Religion noch einmischt, wie bei den Frauen im Film».

Zwar ist ihr klar, dass dieser Film keine Revolution auslösen wird. «Aber Frauen und Männer werden sensibilisiert; merken wieder mal, was alltäglich ganz subtil abgeht – auch bei uns.» «#Female Pleasure» hat am 22. November in Solothurn im Kino Canva Club Premiere. Auch an den Solothurner Filmtagen 2019 wird er im Programm sein. Und ganz heimlich schleicht sich da der Gedanke an die «Oscars» mit ein ...