Glosse

Frau Wyss, übernehmen Sie

Die Solothurner Stellungspflichtigen haben zwar einen besseren Gleichgewichtssinn als der Durchschnittsanwärter, sonst hinken sie aber meist dem Durchschnitt hinterher.

Die Solothurner Stellungspflichtigen haben zwar einen besseren Gleichgewichtssinn als der Durchschnittsanwärter, sonst hinken sie aber meist dem Durchschnitt hinterher.

Man schliesst sich gerne der Gratulation des Amts für Militär und Bevölkerungsschutz an: Die 140 Solothurner Stellungspflichtigen, die bei den Rekrutierungen des ersten Halbjahrs das Armeesportabzeichen erhielten, haben eine stolze Leistung gezeigt. Besonders hervorzuheben sind Janis Perren aus Oensingen, Joël Friedli aus Derendingen, Laurent Moser aus Olten, Robin Aebischer aus Luterbach, Kersey Cajipe aus Zuchwil und Jari Schaafsma aus Solothurn, die den Fitnesstest der Armee mit Bestresultaten von 100 und mehr Punkten absolvierten – Chapeau.

Vom berechtigten Stolz auf diese strammen Burschen darf man sich aber auch nicht blenden lassen: Alles in allem haben unsere Stäcklibuebe in letzter Zeit in Sachen körperlicher Leistungsfähigkeit doch eher – diplomatisch ausgedrückt – durchschnittlich abgeschnitten.

Letztes Jahr erreichten die gut 1000 Stellungspflichtigen aus dem Kanton Solothurn ein Punktetotal von durchschnittlich 68,7 bei möglichen 125: Das liegt exakt einen Punkt unter dem schweizerischen Durchschnitt. Nur die Stellungspflichtigen aus dem Aargau, beiden Basel, dem Jura und Schaffhausen schafften noch weniger. Im Ausdauertest liefen die Solothurner dem Durchschnitt schon fast beschämende 16 Sekunden hinterher. Ein Lichtblick: Unsere Jungs hielten es 1,2 Sekunden länger im Einbeinstand aus als der Durchschnittsanwärter. Das ist nicht nichts. Denn auch wenn sich der Laie wundert, weshalb: Offenbar scheint diese Art Standfestigkeit von zentraler Bedeutung für die Landesverteidigung zu sein.

Aber da geht mehr, muss mehr gehen. Schliesslich geht es um eine Frage der nationalen Sicherheit. Wir werden es doch nicht hinnehmen, dass unsere Jugend nur unter unterdurchschnittlichen körperlichen Voraussetzungen zur Verteidigung des Landes beiträgt. Es ist ein Programm zur Förderung der Athletik des Solothurner Stäcklibuebs FASS zu lancieren. Am Resultat wird sich die neue Militärdirektorin messen lassen müssen. Sie kann sich nicht darüber beklagen, sie hat sich ihre Aufgabe ja selbst ausgesucht. Also: Frau Wyss, übernehmen Sie.

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Autor

Urs Moser

Urs Moser

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