Franco Supino hat ein neues Buch geschrieben. Es ist ein Buch für Kinder bis 11 Jahre. «Mino und die Kinderräuber» heisst der verheissungsvolle Titel und wer nun eine spannende Geschichte lesen will, wird nicht enttäuscht.

Doch Supino will mit diesem Buch mehr, als eine spannende Kindergeschichte erzählen. Er will damit aufzeigen, dass es auch für Kinder wichtig ist, dass sie über das Leben ihrer Vorfahren etwas wissen; dass sie davon hören. Supino denkt dabei an seine Vorfahren, die bei Neapel gelebt haben und sich irgendwann mal aufgemacht haben, der Armut und der Arbeitslosigkeit zu entfliehen, um als Gastarbeiter in der Schweiz ein neues Leben aufzubauen. Es ist ihnen gelungen, hier eine Zukunft aufzubauen, und trotzdem erinnern sie sich gerne an ihre Wurzeln. Auch wenn es eine entbehrungsreiche Zeit war, die gar von Krieg und Hunger überschattet wurde.

Es ist heutigen Kindern fast unmöglich, sich vorstellen zu können, unter welchen schwierigen Voraussetzungen die Ur-grosseltern-Generation in einem kriegsversehrten und verarmten Land wie Italien nach dem Krieg hat aufwachsen müssen. Neben Hunger und Angst vor Gewalt gab es auch keine Schule und damit keine Perspektive, sich ein erfolgreiches Leben aufzubauen. Und doch: Es gab auch hier Schönes, Abenteuerliches und Vergnügliches. Freundschaften, eine warme Mahlzeit, die Energie, die man spürt, am Leben zu sein – das alles war positiv und damit unvergesslich.

Im kriegsgeschädigten Italien

Solche Geschichten und Emotionen hat Franco Supino gehört und erlebt und solche Gefühle hat er in seinem Kinderbuch anschaulich und nachvollziehbar beschrieben. Es geht insbesondere um eine Episode aus dem Leben seines Grossvaters Mino, die er in eine abenteuerliche Geschichte für Kinder verpackt.

Drei Kinder aus der Jetztzeit und ihr Hund finden sich via Fantasie im kriegsgeschädigten Italien wieder; sie lernen dort Mino und seine Mutter kennen. Mino muss beim verschlagenen Masto Geppo für ganz wenig Geld hart arbeiten und kann nicht zur Schule gehen, denn er ist zum Ernährer geworden, da sein Vater nicht mehr aus dem Krieg nach Hause kommt. Und sie lernen den undurchsichtigen Spatuzzo kennen, der alle Kinder nach Neapel verschleppen und sie dort zu Sklavenarbeit zwingen will. Sie entdecken aber auch eine bis dahin für sie unbekannte, süsse Nougat-Creme, die man aufs Brot streichen kann und mit welcher man alle Sorgen vergessen kann. Und sie lernen, wie man Kastanien brät. So ist es möglich, sich trotz Angst und Kälte in den Bergen am Leben zu erhalten.

Die Abenteuergeschichte löst sich zum Guten auf, die Kinder kommen wieder in der Jetzt-Zeit an. Sie haben aber durch die Erlebnisse aus der Vergangenheit vieles gelernt, vor allem, wie man selbstbewusst durchs Leben geht.

In einem Nachwort hebt Altersforscher François Höpfliger die Wichtigkeit familiärer Verbundenheit durch gemeinsames Erzählen am Familientisch hervor.