Was der Freihandel für eine Firma wie die Fraisa in Bellach bedeute, wolle er anhand eines einzigen Werkzeuges aufzeigen, verkündete Fraisa-CEO Josef Maushart am Montagabend. In Bellach fand der Wirtschaftsgipfel der CVP Kanton Solothurn statt, für die auch Maushart im Kantonsrat sitzt.

Rund 100 Gäste aus Politik und Wirtschaft hatten sich eingefunden – so etwa die Präsidentin der Kantonalpartei Sandra Kolly, Kantonsratspräsident Urs Ackermann, sowie verschiedene Kantonsräte – um etwas Wissenswertes über die Bedeutung des Freihandels für die Schweiz und die Region zu erfahren.

Fräsen mit Ursprung im Kongo

Maushart referierte also, mit einer Fräse – dem P8205 – in der Hand. Diese besteht aus Hartmetall, zu 10 Prozent aus Kobalt, zu 90 Prozent aus Wolfram. Kobalt kommt aus dem Kongo, Wolfram aus China. Die Weiterverarbeitung findet auch in Deutschland und Österreich statt, bis schliesslich Hartmetallstäbe in Bellach ankommen, aus welchen das Endprodukt entsteht. Für die Produktion sind sieben Firmen aus sechs Ländern beteiligt, führte der Unternehmer aus.

Die P8205 wird auch vorwiegend im Ausland verkauft – zu 70 Prozent in die EU. Nach Ablauf ihrer Lebensdauer von 60 Minuten gelangen die Fräsen in einen Recyclingprozess, so dass sie bis zu drei Mal wiederverwendet werden können. Dafür überqueren sie wieder Landesgrenzen.
Im Grunde seiner Seele sei das Werkzeug also aus Afrika, so Maushart scherzhaft. Aber ernsthaft: In der Metallindustrie gehe ohne China und Afrika nichts.

So weibelte Maushart für den Freihandel und gegen Zölle und Protektionismus. Diese machten Produkte teurer und gefährdeten der Wohlstand der Schweiz. Und verunmöglichten am Schluss auch, dass eine Firma wie die Fraisa in Bellach produzieren könne. Die Firma setze aber auf den Wirtschaftsstandort Solothurn – und wird 2020 ihre Fabrik ausbauen.

Swissmem-Präsident zu Gast

Für Freihandelsabkommen machte sich auch Hans Hess, Präsident des Schweizer Verbandes der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem (kurz MEM), stark. Die Exporte der MEM von rund 67 Milliarden Franken machen rund einen Drittel der Schweizer Exporte aus. Wobei auch die MEM-Industrie vorwiegend nach Europa exportiert: Der MEM-Export nach Baden-Württemberg entspreche dem in die USA, der nach Bayern jenem nach
China.

«Wir sind also auf das Engste mit unseren Nachbaren verflochten», erklärte Hess, der sich deshalb für die Erhaltung der Bilateralen und anderer Abkommen mit der EU aussprach. Die Schweiz werde in nächster Zeit wohl kaum der EU beitreten, sagte er scherzhaft, deshalb sei man auf diese Verträge angewiesen. Und auf weitere Abkommen, etwa mit mercosur (Südamerika), oder Indien. In der Schweiz, bei Schweizer Löhnen und Produktionskosten, könne es sich eine Firma nicht leisten, Nägel zu produzieren. Man müsse sich spezialisieren. Spezialprodukte seien eine Chance – die sich aber nicht nur in der Schweiz verkaufen liessen, weshalb der Export vital für die Schweiz sei.

«Und die Ökologie?»

In der anschliessenden Fragenrunde, vor einer Fabrik-Führung und dem Apéro, stellte GLP-Kantonsrätin Nicole Hirt (Grenchen) nach den Lobeshymnen auf den Freihandel noch eine kritische Frage: Ob denn – bei all diesen weiten Wegen - genügend auf die Ökologie geachtet werde? Maushart und Hess räumten beide ein, dass es auch heute noch «schlimme» ausländische Firmen gebe.

Als Schweizer Unternehmer könne man nicht in jedem Fall die Hand ins Feuer legen für die Zustände die dort herrschten, wo die Rohstoffe für hiesige Produkte geschürft werden. Aber: «Die dortigen Firmen sind froh, um Arbeitsmöglichkeiten», so der Swissmem-Präsident. Sie würden alles daran setzen, um den Ansprüchen Schweizer Partner gerecht zu werden.
Maushart fügte an, man müsse mit europäischen Anforderungen auf die Suche nach Partner gehen, die nur so auch die Qualitätsstandard erfüllten – und halt nicht nur mit dem Gedanken, einen möglichst billigen Partner zu finden.