Fotografie
Magisches Auge, empathischer Blick: Der Solothurner Fotograf Alain Stouder stellt in Zürich aus

Der Solothurner Fotograf Alain Stouder zeigt in der Photobastei Zürich «Verschiedene Sichtweisen der Fotografie»

Jürg Kübli
Drucken
Teilen
Eine Fotografie von Alain Stouder.

Eine Fotografie von Alain Stouder.

Hanspeter Baertschi
Alain Stouder zeigt Fotoarbeiten derzeit in der Photobastei in Zürich.

Alain Stouder zeigt Fotoarbeiten derzeit in der Photobastei in Zürich.



Zvg / SZ

Die Photobastei beim Limmatplatz mitten in Zürich vereinigt als transdisziplinäre Plattform Artist Talks, Workshops, Vernissagen, Tanz, Theater und Musik. Zur Zeit gehört ein substanzieller Teil der Ausstellungsfläche dem Solothurner Fotografen Alain Stouder. Zusammen mit dem Leiter der Photobastei, Romano Zerbini, hat er eine Auswahl seines Lebenswerks getroffen. Mit gegen zweihundert Aufnahmen aus den Jahren 1967 bis zur Gegenwart zeigt er Alltagsszenen, Porträts, Reisebilder, Aufnahmen bei Demos wie Gösgen, Globus, WEF, Bauernproteste oder G8, und mehr.

Das unverwechselbare Auge des A.S.

«Die Kamera ist für mich der Sauerstoff, der mich durch mein Leben trägt. Sie ist das Tor in die Welt der Anderen - in Eure Welt! Sie hilft mir, Antworten zu finden und Vorurteile abzubauen. Sie verbindet mich mit dem Leben.»

In der Tat beherrscht Stouder sein Handwerk perfekt. Dazu kommt sein Charakter und ein beneidenswertes Timing sowie der Genius für sein Motiv. Jede einzelne Aufnahme erzählt eine Geschichte. Kein einziges Bild ist inszeniert, selbst in schwierigen Situationen verletzt der Fotograf niemals die Integrität seines «Objekts», das immer Subjekt und respektiertes Individuum bleibt.

Besonders eindrücklich sind die Kinderporträts aus Kriegstetten, Graubünden, dem Ruhrgebiet, aus Kolumbien und Chile. Die Bedürftigkeit und das Angewiesensein auf Pflege, Liebe und Schutz berühren. Dieser empathische Blick kommt wohl aus der eigenen Kindheit des Fotografen, dem sozusagen als Waise und Verdingbub alles andere als ein warmes Willkommen entgegen gebracht wurde.

Die bei der Vernissage anwesenden Berufsfotografen zeigten sich von den Fotografien Stouders angetan und begeistert. Immer wieder wiesen sie auf die originellen Perspektiven und unkonventionell gewählten Standorte des Fotografen hin. Ein Schriftsteller, mit gegen dreissig veröffentlichten Büchern, schrieb ins Gästebuch: «Alain Stouder ist ein grosser Menschenfreund und Künstler. Jedes Bild ist ein Erlebnis. Dies ist eine grossartige Ausstellung.»

Romano Zerbini hat auf das unerwartet grosse Echo des Publikums schon reagiert und die Ausstellung von Alain Stouder bis zum 24. Oktober verlängert. Wer sich diese unentgeltliche Sehschule nicht entgehen lassen will, kann die Photobastei Zürich beim Limmatplatz am Sihlquai mittwochs von 12 bis 18 Uhr, donnerstags bis samstags von 12 bis 21 und sonntags von 12 bis 18 Uhr besuchen. Warnung: Der Besuch könnte länger dauern als vorgesehen.

Aktuelle Nachrichten