Günsberg
Fotofalle liefert ersten richtigen Nachweis eines Wolfes im Kanton Solothurn seit 1990

Kurz nach Jahresbeginn wurde im Kanton Solothurn der erste Wolf seit 30 Jahren nachgewiesen. Das Tier lief am frühen morgen durch den Günsberger Wald und löste dort eine Fotofalle aus, die das Amt für Wald Jagd und Fischerei im Rahmen des Grossraubtier-Monitorings platziert hatte.

Sophie Deck
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Der «Solothurner Wolf» schleicht durch den Günsberger Wald und tappt in die Fotofalle.

Der «Solothurner Wolf» schleicht durch den Günsberger Wald und tappt in die Fotofalle.

zvg

Er tauchte am frühen Morgen vor einer Fotofalle im Günsberger Waldgebiet auf: Ein Wolf, der durch den Schnee des Solothurner Jura streift. Das Bild wurde am 2. Januar 2020 von einer Kamera mit Wärmesensor aufgenommen. Das Solothurnische Amt für Wald, Jagd und Fischerei (AWJF) hatte diese in Zusammenarbeit mit der kantonalen Jagdverwaltung für die Grossraubtier-Überwachung platziert. Nun war darauf erstmals ein Wolf zu sehen. Dies sei der erste richtige Nachweis eines Wolfes im Kanton seit dem «Wolf von Hägendorf» 1990, informiert David Gerke, Präsident Gruppe Wolf Schweiz, erfreut.

Die letzten Wölfe im Kanton – vor deren Ausrottung in der Schweiz vor 200 Jahren – hätten in den 1870er-Jahren im Schwarzbubenland gelebt. Der Wolf, der 1990 in Hägendorf auftauchte, sei aber nicht natürlich zugewandert. «Seine genaue Herkunft ist unklar, aber es gibt Vermutungen, dass er aus einer illegalen Haltung entkommen sein könnte, womöglich in Frankreich», sagt Gerke. Das seien aber nur Spekulationen. Jedenfalls zeige eine Studie aus dem Jahr 2019 klar, dass der Wolf von Hägendorf aus dem nahen oder mittleren Osten stammte. «Eine direkte Zuwanderung nach Hägendorf aus Zentralasien kann ausgeschlossen werden», so Gerke.

Wölfe in der Schweiz seit 1994

Die nach der Ausrottung ersten Wölfe wurden in der Schweiz wieder 1995 nachgewiesen. In diesem Jahr wurden zwei Tiere entdeckt, im darauffolgenden Jahr war es einer. 1997 war das letzte Jahr, in dem kein Wolf nachgewiesen werden konnte.

Danach hielten sich die Zahlen 15 Jahre lang (von 1998 bis 2012) mit zwischen 2 und 13 nachgewiesenen Wölfen pro Jahr auf einem relativ stabilen Niveau. 2013 wurden dann 21 Wölfe nachgewiesen – das waren 8 mehr als im Vorjahr. Seitdem steigt die Zahl kontinuierlich: 2016 wurden 34 Wölfe nachgewiesen, 2018 waren es 52 und im Jahr 2019 dann bereits 77.

«Die Zahl der Wölfe in der Schweiz nimmt zu. Der Wolf ist im Begriff, sich in der Schweiz auszubreiten», sagt Mark Struch von AWJF. «Die beschriebene Wolfsichtung vom 2. Januar 2021 ist der Nachweis eines einzelnen Tieres. Die Zukunft wird zeigen, wie sich der Wolf im Jura ausbreitet.» (sdf)

Die Rückkehr der Wölfe – Auch nach Solothurn?

Die natürliche Rückkehr der Wölfe in die Schweiz habe 1994 begonnen. Mark Struch vom AWJF erklärt, die Wölfe würden sich von Italien her in die Schweiz ausbreiten. Folglich erreichen sie zuerst die Alpen. «Nach und nach steigt jedoch der Populationsdruck und Einzeltiere wandern aus den Alpen auch gegen Norden ab und erreichen den Jura», schildert er.

Im Kanton Solothurn habe es seit 15 Jahren sporadische Sichtungen von Einzelwölfen gegeben, wie Gerke berichtet, allerdings immer ohne Beweise. «Diese nicht überprüfbaren Sichtungen weisen darauf hin, dass wohl schon eine Weile einzelne Tiere durch den Kanton wandern», meint er, «Aber dauerhaft hielten sich hier bisher keine Wölfe auf.»

Ob der in Günsberg abgelichtete Wolf nun zum Dauerbewohner unseres Kantons wird, ist noch unklar. «Vermutlich handelt es sich um einen jüngeren Wolf, der allein ist, womit die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass er weiterzieht», meint Gerke. Solche Wölfe seien auf der Suche nach guten Lebensräumen sowie nach anderen Wölfen, um ein Wolfsrudel zu gründen. «Gute Lebensräume findet er bei uns, aber andere Wölfe fehlen noch.» Allerdings gebe es immer auch Einzelwölfe, die trotzdem sesshaft würden.

Das Tier ist seit etwa Mitte Dezember 2020 im Gebiet Balmberg präsent – dies schliesst David Gerke aus «mehreren Sichtungen». Wenn der Wolf nun bei uns bleibt, würde er allerdings nicht nur auf dem Balmberg leben. «Wolfgebiete sind sehr gross, rund 200 bis 300 Quadratkilometer», erklärt Gerke. Der Wolf würde also auf einem Gebiet leben, das sich von Grenchen bis nach Oensingen und bis ins Thal erstreckt.