Exporte sinken
Folgen auf die fetten nun die mageren Jahre für die Uhrenindustrie?

Solothurner Uhren-Herstellerfirmen blicken skeptisch bis optimistisch ins laufende Jahr.

Franz Schaible
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«Made in Solothurn»: Die hiesigen Hersteller – im Bild die Produktion bei Titoni – stellen sich den Herausforderungen.

«Made in Solothurn»: Die hiesigen Hersteller – im Bild die Produktion bei Titoni – stellen sich den Herausforderungen.

Hanspeter Bärtschi

Die auch im Solothurnischen stark vertretene Uhrenbranche leidet. Erstmals seit 2009 sind 2015 die Exporte landesweit um 3,3 Prozent gesunken.

In den fünf Jahren zuvor sind die Uhrenexporte um fast 40 Prozent auf 22,3 Milliarden Franken gestiegen. Die schwierige Entwicklung – laut Uhrenverband ausgelöst durch den starken Franken, den wirtschaftliche Abschwung und politischen Turbulenzen in China und Hongkong oder den schwachen Rubel – macht auch der Branche in der Region Solothurn zu schaffen. Es wird aber nicht nur schwarzgemalt, wie eine Umfrage zeigt.

Titoni AG spürt die Flaute im asiatischen Raum

Die traditionsreiche Grenchner Uhrenherstellerin Titoni AG hat 2015 einen Absatzrückgang um 18 Prozent verkraften müssen, wie Firmenpatron Daniel Schluep erklärt. Dementsprechend habe sich der Umsatz auf rund 50 Millionen Franken reduziert. Gelitten hätten nach vielen Jahren mit starken Zunahmen die Verkäufe vorab im asiatischen Raum, dem Hauptabsatzgebiet für die mechanischen Titoni-Uhren.

In China hätten primär die wirtschaftliche Abkühlung, der Kampf der Regierung gegen die Korruption und die unterschiedlichen Preise im In- und Ausland zur rückläufigen Nachfrage geführt. «Die Chinesen sind dank Internet gut informiert und kaufen vermehrt Uhren im Ausland», sagt Schluep.

Dasselbe gelte für Hongkong, wo die Lager der Händler übervoll seien. «Auf die Boomjahre folgt nun eine gewisse Ernüchterung.» Mittelfristig bleibe aber Asien generell und China im speziellen für Schweizer Uhren weiterhin vielversprechend. Titoni leide nicht nur im Euroraum unter dem starken Franken. Die laufenden Abwertungen der lokalen Währungen in Absatzmärkten wie China oder Malaysia mache dort die Schweizer Uhren teurer und teurer.

Für das laufende Jahr gibt sich Schluep zurückhaltend. «Wir werden den Umsatz des Vorjahres nicht halten können.» Die Stellung der verbleibenden unabhängigen Schweizer Uhrenhersteller werde in einer sich zunehmend konzentrierenden Branche nicht einfacher.

Trotz schwieriger Lage habe man im letzten Jahr aber keine Stellen gestrichen, doch seien natürliche Abgänge nicht ersetzt worden. Titoni beschäftigt in Grenchen 65 Mitarbeitende. «Im laufenden Jahr haben wir derzeit keine Änderung des Personalbestandes geplant.»

Fortis AG hat Markteintritt in China verschoben

Die kleine, über 100-jährige Grenchner Uhrenfirma Fortis ist mit einem Exportanteil von über 90 Prozent fast vollständig von den ausländischen Märkten abhängig. «Wir mussten im vergangenen Jahr einen Umsatzeinbruch um 15 Prozent hinnehmen», vermeldet Fortis-CEO Maximilian Spitzy.

Umsatzzahlen nennt er allerdings keine. Nach früheren Angaben lag der Umsatz 2014 unter zehn Millionen Franken. «Viele unserer Hauptmärkte wie Hongkong, Taiwan oder Russland haben sich unter den Erwartungen entwickelt.» Bereits im vergangenen August erklärte Spitzy, dass «aufgrund der Turbulenzen in China der dortige Markteintritt vorerst verschoben wurde».

In diesem schwachen Uhrenjahr habe selbst die Einführung der neuen «Terrestis»-Linie nicht geholfen. Im laufenden Geschäftsjahr will Fortis den Vorjahresumsatz wieder erreichen. «Unsere Hoffnung stützt sich auf Modell-Neuheiten, die wir an der Baselworld vorstellen werden.»

Als Herausforderung bezeichnet Spitzy neben dem starken Franken auch den Schweizer Markt. «Dieser hat eine Schaufensterfunktion.» 2015 habe man keine der 15 Arbeitsplätze in Grenchen abbauen müssen. Das soll auch im laufenden Jahr so bleiben.

Eterna setzt auf eine eigene Uhrwerkproduktion

Im Gegensatz zu Fortis und Titoni gibt sich die Grenchner Eterna SA, seit 2011 im Besitz der chinesischen Citychamp Watch & Jewellery Group, fast euphorisch. «Unsere Verkäufe haben sich 2015 äusserst positiv entwickelt», berichtet Kommunikationsleiterin Evelyne Piéta. Das gelte für alle wichtigen Märkte wie Asien oder Europa. Zudem hätten auch neue Absatzgebiete, beispielsweise die USA, erschlossen werden können.

Nebst neuen Kollektionen habe auch eine neue Strategie zum Erfolg geführt. Gemeint ist der Aufbau einer eigenen Uhrwerkproduktion. In der neu gegründeten Eterna Movement Company sollen dereinst hochwertige Uhrwerke für den Eigenbedarf und für Dritte industriell produziert werden, wie an der Baselworld im vergangenen Jahr bekannt gegeben wurde. Aber auch bei Eterna wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

Dem Citychamp-Geschäftsbericht 2014 ist zu entnehmen, dass für die Tochter Eterna bei einem Umsatz von rund 10 Millionen Franken in etwa ein gleich hoher Verlust resultierte. Das sei unter anderem auf Entwicklungs- und Marketingkosten für neue Produkte und Märkte sowie eben auf Entwicklungskosten für die eigenen Uhrwerke zurückzuführen. Diese Zahlen wollte Piéta nicht kommentieren. «Aber der Ertrag hat sich 2015 sehr positiv entwickelt.»

Ziel sei, 2016 sowohl Umsatz wie Ertrag weiter zu steigern. «Dazu haben wir ein neues Marketingkonzept sowie eine komplett neue Kollektion entwickelt, welche an der Baselworld präsentiert wird.» Auch beschäftigungsmässig sind die Grenchner optimistisch. Wie im Vorjahr soll «der Personalbestand ebenso 2016 stetig zunehmen». Aktuell beschäftige die Eterna SA 40 Personen und die Eterna Movement Company deren 30.

Mondaine Watch legt bei Verkäufen um 15 Prozent zu

Entgegen dem allgemeinen Trend habe sich das Geschäftsjahr 2015 für die Mondaine Watch AG gut entwickelt, meldet CEO Ronnie Bernheim. «Wir konnten bei den Verkäufen weltweit um 15 Prozent zulegen.» Zahlen werden keine bekannt gegeben. Neben der SBB-Bahnhofsuhr als Armband- und Wandzeitmesser sei auch die M-Watch mit einem Plus von 30 Prozent gut gelaufen. Selbst im kriselnden Asienmarkt habe man zulegen können.

Für das laufende Jahr ist Bernheim positiv gestimmt, speziell im Schweizer Markt. «Der uhrenkaufende Tourismus in unserem Preissegment erstarkt, nicht zuletzt dank dem schwächer gewordenen Franken.» Herausfordernd seien die Umstellung und Verteuerung durch das neue Swissness-Gesetz. «Dieses schwächt durch Kostenerhöhungen unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit.»

Nicht zuletzt wegen den sich anbahnenden Preiserhöhungen im Bereich Private Label (Uhren für Dritte) sowie Rationalisierungen sei es in der Fabrik in Biberist zu einem Stellenabbau gekommen. «Für 2016 erwarten wir nun stabile Verhältnisse.» In Biberist arbeiten aktuell rund 100 Beschäftigte. Der Personalbestand insgesamt – der Hauptsitz befindet sich in Pfäffikon SZ – dürfte gar leicht wachsen, aber vor allem im Bereich Marketing/Social Media.

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