Asylwesen

«Fötzelen» wird zu sinnvoller Arbeit für Asylbewerber

Asylsuchende sammeln Abfall – auf dem Bild an einem Aareufer in Selzach.

Asylsuchende sammeln Abfall – auf dem Bild an einem Aareufer in Selzach.

In verschiedenen Gemeinden sammeln Asylbewerber den Dreck von der Strasse. Die Dörfer begrüssen die Unterstützung im Kampf gegen die Vermüllung. Und auch die Asylsuchenden selbst sind froh um eine sinnvolle Beschäftigung.

Seit Mai sieht man in Oberbuchsiten und bereits seit Februar in Selzach Personen in Zweier- oder Dreiergruppen bekleidet mit grün-leuchtenden Westen unterwegs an Strassenrändern. Sie sind ausgerüstet mit Ghüdersack und Ghüderzange. Es sind Asylsuchende aus den ansässigen Durchgangsheimen, die für die regelmässige Dorfputzete eingesetzt werden.

Erklärungen erhielt beispielsweise die Oberbuchsiter Bevölkerung durch ein Flugblatt der Gemeinde, worin auf die «Dorfputzete durch Asylsuchende» aufmerksam gemacht wurde. «Begrüssen Sie unsere Helferinnen und Helfer im Dienste des Dorfes freundlich – das Projekt lohnt sich für alle Beteiligten», hiess es unter anderem darin.

Nach den bisherigen drei Monaten ist man in der Gäuer Gemeinde äusserst zufrieden mit dem Projekt. «Die Kantonsverantwortlichen sind auf uns zu gekommen und haben uns dieses Projekt vorgeschlagen», erklärt Gemeindeschreiberin Beatrice Unold auf Anfrage. Bis jetzt seien die Ergebnisse und Reaktionen für beide Seiten positiv, sagt sie weiter. «Erst vor kurzem habe ich ein Kompliment von einem Einwohner bekommen für diesen sinnvollen Einsatz der Asylsuchenden.»

Patrik Jenni, der Leiter des Werkhofes in Oberbuchsiten, ist sehr froh um die Arbeit der Asylsuchenden. «Sie sind jeweils Montag, Mittwoch und Freitag auf verschiedenen, vorher abgemachten Routen auf dem Gemeindegebiet unterwegs. Und der Erfolg dieser Arbeiten ist augenfällig. Littering ist eben auch in Oberbuchsiten ein grosses Problem», und er nennt eine gewisse Fast-Food-Kette, deren Kunden bei der Durchfahrt Oberbuchsiten ihre Mahlzeiten wohl aufgegessen haben und die Verpackungen daher gerade dort aus dem Autofenster werfen. «Die vermehrte Verschmutzung an der Kantonsstrasse ist wirklich augenfällig», ärgert er sich.

Umso besser nun also, dass die Asylsuchenden diese zeitintensive Arbeit in Oberbuchsiten übernehmen. «Meist sind es die Frauen, die den Müll zusammensammeln», hat Jenni beobachtet und erklärt weiter, dass sie – nach genauer Anleitung – selbstständig unterwegs seien. Er weiss auch, dass die Asylsuchenden selbst froh um eine Beschäftigung sind. «Mit Händen und Füssen hab ich mich auch schon mal mit ihnen unterhalten.»

Im Durchgangsheim in Oberbuchsiten selbst haben die Heimbewohner eine kleine Recycling-Ablagestelle eingerichtet. «Recycling erachten wir auch als ein Integrationsthema», sagt dazu Peter Wenger von der ORS AG, als operativer Leiter der Durchgangsheime im Kanton Solothurn zuständig. Zum Beschäftigungsprogramm der Asylsuchenden in den Gemeinden sagt er: «Das Ganze ist eine gute Sache – für beide Seiten. Die Asylsuchenden sind hoch motiviert und arbeiten ausdauernd mit. Wir sind sehr zufrieden.»

Bereits im Februar – zum Start Programms – wurde mitgeteilt, dass diese Arbeit der Asylsuchenden auch entlöhnt wird. Für eine Beschäftigung, die über eine Woche zuverlässig geleistet wird, erhält eine Person 28 Franken. Für kleinere, einmalige Einsätze gibt es 5 Franken pro Stunde.

In Selzach arbeiten Asylsuchende seit Februar für eine saubere Gemeinde. Auch dort erledigen sie Reinigungsarbeiten und auch dort hört man von Gemeinde-Seite ebenfalls nur Gutes.

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