Förderprogramm
Die Ferkelaufzucht braucht unnötig viel Strom – das soll sich jetzt auch im Kanton Solothurn ändern

Ferkel mögen es warm, deshalb heizen die Bauern ihre Schweineställe. Mit dem Förderprogramm «Ferkelnest» bietet AgroCleanTech finanzielle Unterstützung für Betriebe, die ihre Ställe energieeffizienter ausstatten wollen. Beim Programm dabei sind auch fünf Solothurner Betriebe.

Anja Neuenschwander
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Durch die isolierten Vorhänge können die Ferkel jederzeit aus dem Ferkelnest hinaus und wieder hinein. Drinnen bleibt es dabei schön warm.

Durch die isolierten Vorhänge können die Ferkel jederzeit aus dem Ferkelnest hinaus und wieder hinein. Drinnen bleibt es dabei schön warm.

Zvg

Die Klimatisierung der Schweineställe sorgt bei vielen Bauern für hohe Stromrechnungen. Laut AgroCleanTech sei rund ein Viertel des gesamten landwirtschaftlichen Stromverbrauchs der Schweinehaltung zuzuschreiben. AgroCleanTech ist ein Verein und eine AG, der sich für eine klimafreundliche und energieeffiziente Landwirtschaft einsetzt. Gegen den massiven Stromverbrauch in der Schweineaufzucht soll mit dem Förderprogramm «Ferkelnester» vorgegangen werden.

Die Jungtiere sind auf warme Temperaturen angewiesen, die normalerweise mit Infrarot-Lampen erzeugt werden. Landwirtschaftsbetriebe, die ihre Ferkelnester energieeffizienter gestalten wollen, erhalten Fördergelder von AgroCleanTech. Zusätzlich sparen sie auch noch Stromkosten.

Stromverbrauch kann um ein Viertel gesenkt werden

In einem Ferkelnest bleiben die Jungtiere direkt nach der Geburt für etwa vier bis sechs Wochen, erklärt Nathanael Gobat, Co-Geschäftsführer von AgroCleanTech. Üblicherweise wird darin ein Wurf von acht bis neun Ferkeln mit der Mutter untergebracht. Sie brauchen dabei eine Temperatur von über 30 Grad, die dann nach und nach gesenkt wird.

«Ein konventionelles Ferkelnest mit Infrarot-Lampe, ohne Isolation und ohne Temperaturregulation, verbraucht etwa 2000 Kilowattstunden Strom pro Jahr», informiert Gobat. Das bedeutet für den Bauern Elektrizitätskosten von 250-350 Franken im Jahr pro Nest. Mit energieeffizienteren Systemen würde der Stromverbrauch pro Nest auf ungefähr 1500 Kilowattstunden im Jahr sinken. Die Kosten pro Nest lägen dann jährlich bei etwa 90 Franken.

Dies erreicht man durch gute Isolation der Wände, Decken und Böden der Kisten. Dazu gibt es einen isolierenden Vorhang, der für die Ferkel durchlässig ist. So wird der Zugang geschlossen und weniger Wärme geht verloren. Zusätzlich sorgt eine elektrische Heizung, bei der man die Temperatur individuell regulieren kann, für weniger Stromverbrauch.

Ähnliches gilt für die sogenannten Jagerställen. So nennt man die nächste Station für die Jungtiere nach den Ferkelnestern, die ebenfalls beheizt werden muss. Auch dort kann mit denselben Massnahmen einiges an Strom eingespart werden.

Zweites Förderprogramm in Aussicht

Das Ziel von AgroCleanTech ist es, bis Ende dieses Jahres 3,1 Gigawattstunden Strom einzusparen. Um dies zu erreichen, sollen 4000 konventionell beheizte Ferkelnester auf eine energieeffizientere Version umgestellt werden. Bis jetzt wurden schweizweit 221 Gesuche angenommen und ausgeführt, 48 weitere sind zugesichert. Darunter sind auch fünf Betriebe aus dem Kanton Solothurn.

Pro Gesuch werden 15 Ferkelnester installiert. AgroCleanTech plant schon ein Folgeprogramm für nächstes Jahr: «Wir sehen noch grosses Potenzial, vor allem in der Ostschweiz, wo es recht viele Schweinebauern hat», sagt Gobat. Man wolle möglichst vielen Betrieben die Möglichkeit geben, Strom und Geld zu sparen.

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