Das Vorgehen hat Pioniercharakter, die Resultate sind aufschlussreich: Zwei Studentinnen der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) befragten über 350 Arbeitgebende im Kanton Solothurn zu förderlichen und hinderlichen Faktoren bei der Anstellung von Flüchtlingen. Die Studie wurde von der Solothurner Handelskammer (SOHK) und dem Kantonal-Solothurnischen Gewerbeverband (kgv) begleitet. Die wichtigsten Erkenntnisse der Studie sind:

  • wer Flüchtlinge in seinem Betrieb integriert, macht dabei überwiegend positive Erfahrungen
  • noch stellen recht wenig Arbeitgebende Flüchtlinge ein
  • knapp die Hälfte der Befragten setzen gute Sprachkenntnisse und eine abgeschlossene Ausbildung für eine Anstellung voraus
  • Arbeitsintegrationsprogramme, mit denen die Flüchtlinge auf ihre Aufgaben in den Betrieben vorbereitet und gezielt geschult werden, sind für die Arbeitgebenden von zentraler Bedeutung

Arbeitgebende erkennen Potenzial der Flüchtlinge

Bei den Branchen, die mit Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben, sehen zwei Drittel der befragten Arbeitgeber ein mittleres bis grosses Potenzial, die Lücken dank Flüchtlingen zu füllen. Dies gilt insbesondere für Branchen mit einfachen Tätigkeiten. Aktuell sind im Kanton Solothurn 31% aller vorläufig Aufgenommenen und anerkannten Flüchtlinge erwerbstätig. Bei der Studie gaben 75 Betriebe an, Flüchtlinge zu beschäftigen oder beschäftigt zu haben. Knapp drei Viertel dieser Betriebe machen durchwegs positive Erfahrungen - wie eine hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität. Bei 17.5% sind die Erfahrungen unterschiedlich, lediglich 9.5% der Betriebe geben an, negative Erfahrungen gemacht zu haben. Herausforderungen waren hier beispielsweise die Sprachkenntnisse oder die verschiedenen kulturellen Hintergründe.

Über drei Viertel der Betriebe, welche bereits Flüchtlinge angestellt haben, gehen davon aus, in den nächsten zwölf Monaten weitere Flüchtlinge einzustellen.

Anstellung dank Arbeitsintegrationsprogrammen

Die Studie zeigt auch: Arbeitsintegrationsprogramme, mit denen die Flüchtlinge auf ihre Aufgaben in den Betrieben vorbereitet und gezielt geschult werden, sind für die Arbeitgebenden von zentraler Bedeutung. Knapp ein Viertel der Unternehmen, die Flüchtlinge angestellt haben, geben an, dass der Kontakt mit einem Arbeitsintegrationsprogramm sie zu diesem Schritt motiviert hat. Die Unternehmer werden mit diesen Programmen gezielt unterstützt und entlastet, die Flüchtlinge professionell begleitet. Die Zusammenarbeit zwischen den Arbeitsmarktintegrationsprogrammen und der Wirtschaft muss deshalb weiter gefördert werden.

Arbeitsintegrationsprogramme sind der eine Weg. Viele Flüchtlinge erhalten jedoch auch über eine «konventionelle» Bewerbung eine Anstellung. Dies ist genauso zu begrüssen, wobei dabei sowohl die Flüchtlinge als auch die Unternehmer auf sich selber gestellt sind und externe Unterstützung fehlt.

Zu viele Papiere = zu grosse Hürden

Wenig überraschend zeigt die Studie auch auf, dass die Administration rund um die Anstellung von Flüchtlingen für Arbeitgebende ein Problem darstellt. Knapp die Hälfte der Unternehmen, welche noch keine Flüchtlinge angestellt haben, geben an, dass ein geringerer administrativer Aufwand eine förderliche Wirkung auf die Anstellung hätte.

Hierzu kündigt der Bund Vereinfachungen an: 2018 sollen voraussichtlich zwei administrative Hürden wegfallen. So soll die Sonderabgabe von vorläufig aufgenommenen Personen abgeschafft und das Bewilligungsverfahren durch ein einfaches Meldeverfahren ersetzt werden.

Und was heisst das jetzt?

Der Kanton will Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber bei der Integration von Flüchtlingen noch besser unterstützen. Deshalb hat er in Zusammenarbeit mit der SOHK und dem kgv einen Flyer mit Informationen zu Anstellungsmöglichkeiten und –bedingungen entwickelt, welcher nun kantonsweit unter den Arbeitgebenden verteilt wird. Der Flyer soll als Leitfaden und einfache Orientierungshilfe dienen.

Weiter verfügt der Kanton bereits jetzt über ausgezeichnete Arbeitsintegrationsprogramme und Deutsch-Integrationskurse. Die Studie zeigt jedoch, dass es eine zentrale Aufgabe bleibt, diese Programme zusammen mit der Wirtschaft weiterzuentwickeln. (mgt)