Ruth S. war Ende Januar zusammen mit dem 28-jährigen ungelernten Koch Guido S. und dem 36-jährigen ehemaligen Spitzensportler Patric S. vom Solothurner Obergericht als zweite Instanz zu einer lebenslangen Haft verurteilt worden.

Die Frau war zwar nicht direkt am Dreifachmord beteiligt gewesen, gilt aber als Drahtzieherin und Organisatorin der Bluttat.

Daniel Walder, Anwalt von Ruth S., zum Urteil des Solothurner Obergerichts

Daniel Walder, Anwalt von Ruth S., nimmt nach dem Prozess im Januar Stllung zum Urteil des Solothurner Obergerichts

Das Solothurner Obergericht hatte mit seinem Urteil das Verdikt der ersten Instanz, des Amtsgerichts Solothurn-Lebern, vollumfänglich bestätigt. Ruth S., die sich trotz erstinstanzlicher Verurteilung auf freiem Fuss befand, wurde nach der Urteilsverkündung noch im Gerichtssaal in Handschellen gelegt und in Sicherheitshaft genommen.

Wahrscheinlichkeit einer Flucht gross

Nach der Verhaftung und nach dem Urteil der ersten Instanz war es der 53-Jährigen zweimal gelungen, mittels Beschwerden vorerst wieder in Freiheit zu kommen. Mit einer ähnlichen Beschwerde nach dem Urteil der zweiten Instanz blitzte die Frau nun aber ab.

Die Situation habe sich für die Frau insofern geändert, als sie seither mit einer höheren Wahrscheinlichkeit als zuvor mit einer langjährigen Freiheitsstrafe rechnen müsse, begründet das Bundesgericht die Ablehnung der Beschwerde.

Weil sich Ruth S. jetzt nur noch an eine Instanz wenden könne, erhöhe dies die Wahrscheinlichkeit einer Flucht. Eine Flucht oder ein Untertauchen sei nun nicht mehr nur möglich, sondern wahrscheinlich, heisst es in dem am Montag veröffentlichten Urteil weiter.

Erschossen und erstickt

Der Dreifachmord von Grenchen hatte sich im Juni 2009 ereignet. Der 60-jähriger Pierre-André Dubey wurde mit einem Kopfschuss niedergestreckt. Seine 55-jährige Ehefrau Margrit und die 35-jährige Tochter Dania wurden mit Plastiksäcken erstickt.

Die Beschuldigten erhofften sich bei der in Schenkkreise verwickelten Familie fette Beute. Alle drei Tatbeteiligten hatten sich selber an Schenkkreisen beteiligt. Sie fanden bei der Familie jedoch lediglich 5000 Franken, 600 Euro, Modeschmuck und vier Uhren.

Die beiden eigentlichen Mörder stritten die Tat vor dem Amtsgericht und später vor dem Obergericht nicht ab, betrachteten sich selber jedoch nur als Mitläufer. Auch die Frau spielte ihre Rolle herunter.

Das Amtsgericht und das Obergericht verurteilten alle drei Beteiligten wegen mehrfachen Mordes und anderen Delikten zu lebenslanger Haft. Nach dem Urteil der zweiten Instanz kündeten alle drei Anwälte an, dass sie den Fall vor das Bundesgericht ziehen werden. (Urteil 1B_88/2014)