Knebelverträge
Fluch und Segen zugleich: Hoteliers stehen booking.com und Co. kritisch gegenüber

Booking-Plattformen bieten eine Menge Vorteile für alle Beteiligten. Aber sie binden die Hotels oft auf unangenehme Weise in Verträge ein. Das hat nun auch den Ständerat auf den Plan gerufen. Mit einer Motion sollen sogenannte Knebelverträge verboten werden. Die Hoteliers in der Region sind froh drum, haben mitunter aber auch eigene Lösungen parat.

Corinna Haag
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Die Hotelbranche hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert: Viele Reservationen werden online gebucht
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Hotels und Buchungsplattformen
Auf der Website des Roten Ochsen kann man wählen, ob man eine Flasche Mineralwasser haben möchte und zahlt dann dementsprechend mehr für ein Doppelzimmer.
Verzichten kann und will man nicht auf diese Plattformen, allerdings wären einige zusätzliche Regelungen nicht zu verachten.
Auch im Bad Kyburg ist man angewiesen auf Buchungen über die Plattformen.
Man freut sich aber auch, dass Direktbuchungen tendenziell ansteigen.

Die Hotelbranche hat sich im letzten Jahrzehnt stark verändert: Viele Reservationen werden online gebucht

Screenshot

Die Idee hinter Booking-Plattformen ist denkbar einfach. Sie zeigen die Hotels einer Region an, in die ein potenzieller Gast reisen möchte. Dieser wiederum kann sich bequem von zu Hause aus aussuchen, wo er wann und zu welchem Preis nächtigen will.

Auch die Hotels selber «kommen nicht mehr um die Plattformen herum», wie ein Hotelier aus dem Kanton Solothurn meint. Er möchte seinen und den Namen des Hotels nicht in der Zeitung lesen. «Ein Drittel all unserer Buchungen finden über solche Plattformen statt», sagt Rolf Trechsel vom «Roten Ochsen» in der Stadt Solothurn. Insbesondere in der Stadt-Hotellerie seien sie nicht mehr wegzudenken.

Alle Welt bucht über Buchungs-Plattformen. Sind Hotels in der Gegend nicht vertreten, fallen sie ganz einfach durchs Raster. Auch Markus Krell, Pächter des noch jungen «Bad Kyburg» in Kyburg-Buchegg, weiss um die Wichtigkeit der Plattformen wie booking.com, expedia oder HRS. Gerade auch für junge Hotels seien diese wichtig, um schnell auch einem internationalen Publikum präsent zu sein.

Politik macht Druck

Viele Vorteile für alle Parteien, möchte man meinen. Wären da nicht die Verträge, die die Buchungsplattformen mit den Hotels schliessen und die einen schalen Beigeschmack hinterlassen. Um diese zu verbieten, will der Solothurner CVP-Ständerat Pirmin Bischof mit der Motion «Verbot von Knebelverträgen der Online-Buchungsplattformen gegen die Hotellerie» im Ständerat Druck machen. Rund die Hälfte aller Ständeräte aus allen Parteien stehen ihm dabei zur Seite.

Die Plattformen vermitteln die freien Hotelzimmer nicht komplett gratis an die Gäste, sondern sie nehmen Kommissionen von den Hotels entgegen. Im Kanton Solothurn haben diese eine Höhe zwischen 12 und 15 Prozent des Zimmerpreises. Sie können aber auch bis zu 50 Prozent betragen, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Durch die Verträge verpflichten sich die Hotels, ihre Zimmer auf ihren eigenen Websiten nicht billiger anzubieten, als dies auf der Buchungsplattform der Fall ist.

Für die Gäste bedeutet dies, dass die Zimmer immer gleich viel kosten, egal wo sie buchen. Eigentlich praktisch. Aber: Die Hotels haben im Falle einer Buchung über eine Buchungsplattform das Nachsehen. Denn sobald ein Kunde über eine Plattform gebucht hat, zahlt das Hotel die Kommission an ebenjene. Der Kunde erwartet dieselben Leistungen, wie wenn er direkt beim Hotel gebucht hätte.

Für die Hotels würde es zunehmend schwieriger, bei immer billigeren Preisen trotz allem die Leistungen zu halten und den Gästewünschen zu entsprechen, meint auch der anonyme Hotelier.

Überschaubarer Markt

Mittels der Kommissionen können sich die Hotels auch Listenplätze in den Rankings der Buchungsseiten erkaufen. Zumindest in der Umgebung Solothurn sei dies aber glücklicherweise nicht gross der Fall, betont Rolf Trechsel vom «Roten Ochsen», da der Markt hier überschaubar sei. Alle zahlten in etwa die gleiche Kommission. Man habe als Kunde die Hotels in der Gegend schnell im Blick.

Allerdings könne er sich gut vorstellen, dass in grösseren Städten mit einem unübersichtlicheren Markt, die Konkurrenz nach dem besseren Platz schnell darauf hinaus laufe, mehr zu bezahlen, um höher gelistet zu werden.

Zwar können die Hotels auf den Buchungs-Plattformen auch nach Gästebewertungen geordnet werden. Viele Gäste seien jedoch zu bequem, die Hotels danach zu ordnen, wollten sie doch einfach eine gute Bleibe buchen, ohne lange suchen zu müssen. (coh)

Zusammenarbeit unbedingt erforderlich

«Die Vermittlung soll etwas kosten», findet Rolf Trechsel vom «Roten Ochsen». Keineswegs dürfe diese kostenlos sein, da die Hotels davon ja profitieren würden. Es sei jedoch nicht fair den Hotels gegenüber, hohe Kommissionen zu verlangen und mittels Verträgen Einfluss auf die Vergabe der Zimmer erzwingen zu wollen.

Glücklicherweise bieten die Buchungs-Plattformen nicht die einzige Möglichkeit ein Zimmer zu buchen. Bei allen angefragten Hotels gibt es jede Menge sogenannte Direkt-Bucher, also Menschen, die telefonisch, per Mail oder vor Ort buchten oder gar Stammkunden seien und immer wieder im selben Haus absteigen. Bei Direktbuchungen können den Gästen auch Rabatte gewährt werden.

«Der Anteil an Direkt-Buchern steigt tendenziell sogar wieder an», freut sich Krell. Vielleicht auch, weil diese gegenüber reinen Online-Buchern von Rabatten und kleinen Goodies profitierten.

Trechsel findet den direkten Kontakt zu seinen potentiellen Gästen oftmals auch praktischer. «Man lernt seine Gäste schon vor dem Aufenthalt kennen. So kann ich sie beispielsweise direkt darauf aufmerksam machen, dass der «Rote Ochsen» vier Stöcke habe.»

Ausserdem würden Direktbucher zuerst die attraktiveren Zimmer erhalten. Auch Krell «belohnt» Gäste, welche direkt im Hotel buchen würden, beispielsweise mit einem Gutschein für die hauseigene Brauerei.

Auch die Vertragsklausel, dass ein Hotel auf seiner eigenen Homepage die Zimmer nicht billiger hergeben darf als auf der Buchungs-Plattform, umgehen die Hotelbetreiber – auf legale Art. Auf diese würden sie jedoch trotzdem gerne verzichten.

Bucht man ein Zimmer im Hotel «Roter Ochsen» über eine Buchungsplattform hat man neben dem Frühstück auch eine Flasche Mineralwasser zu Gute. Bucht man direkt über die Hotel eigene Website, kann man die Mineralflasche abwählen – und zahlt 10 Franken weniger für dasselbe Zimmer.

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