Sie sehen mit den Ohren und fliegen mit den Händen. Sie erinnern an Mäuse, aber gleichzeitig auch an Vögel – die Fledermäuse. Die Chiroptera, was «Handflügler» bedeutet, gibt es allein im Kanton Solothurn in 22 unterschiedlichen Arten. Die Jurakette dient gar als Lebensraum einer vom Aussterben bedrohten Art.

Zum Schutz dieser geheimnisvollen Tiere hat der Kanton Elias Bader aus Laupersdorf in einem Teilpensum als Fledermausschutz-Beauftragten eingestellt.

Der Spezialist in Fledermaus-Fragen ist ein Fan der Handflügler: «Mich fasziniert das Tier, weil erst wenig über seine Lebensweise bekannt ist», erklärt der Biologiestudent. Besonders, dass die Fledermäuse immer wieder einfach verschwinden, um dann im Frühjahr wieder aufzutauchen, inspirierte ihn zu seiner Tätigkeit.

700 Quartiere im Kanton

Der 26-Jährige steht Red und Antwort bei Unsicherheiten mit den rätselhaften Tieren und führt eine Datenbank. Über 700 Quartiere sind derzeit in dieser erfasst. Vor allem auf privaten Dachböden, in Wäldern und Höhlen halten sich die Solothurner Fledermäuse auf. Das Nidlenloch im Hinterweissenstein ist nur eines der bekanntesten Domizile. «Das bisher grösste Quartier befand sich auf dem Estrich der Psychiatrie in Langendorf, wo täglich 600 Fledermäuse ein und ausflogen», so der Experte.

Mittlerweile sei der Dachboden saniert worden und die fliegenden Wesen unauffindbar – ein Grund, weshalb sich immer mehr Tiere spurlos davon stehlen: Sie finden keine passenden Lebensräume.

Graues Langohr nur im Jura

Elias Bader und sein Vorgänger zählten über die Jahre 22 verschiedene Arten im Kanton. Der Schweizer Vergleich zeichnet das Gebiet als ein artenvielfältiges Fledermausparadies aus. So gibt es in der ganzen Schweiz nur 30 unterschiedliche Arten. «Die genaue Anzahl Fledermäuse im Kanton wissen wir nicht, da die Tiere schwierig einzufangen sind.»

Doch eines weiss der Beauftragte: Eine vom Aussterben bedrohte Art, das graue Langohr, gibt es nur entlang der Jurakette. «Sie verschwindet allmählich, da sie auf die Dachböden mit ihrem Schutz vor Witterung angewiesen ist», erklärt der Laupersdörfer. Deshalb gilt: Wer Fledermäuse auf seinem Estrich entdeckt, soll den Beauftragten verständigen und die Tiere nicht stören. Er kläre dann die weiteren Massnahmen ab.

Mythos der Insektenfresser

Die Fledermäuse werden als Blutsauger, Unglücksbringer und Vampire beschimpft. «Das nachtaktive, fliegende Tier bereitet vielen Menschen Unbehagen», so der Fledermausfreund verständnislos. «Manche Frauen glauben gar, dass Fledermäuse ihnen nach dem Haar trachten, und falls sich eine darin verheddere, würden sie für immer ledig bleiben.» Bader zerstreut die Sorgen: Hierfür sei die Fledermaus bestimmt nicht der Auslöser.

Angesichts der Zweckdienlichkeit der Insektenfresser ist dieser Aberglaube aber aus der Luft gegriffen: «Eine kleine Zwergfledermaus verspeist bis zu 2000 Stechmücken pro Nacht», nennt der Biologiestudent die Qualitäten des Tieres. Damit entlastet uns der Handflügler von der alljährlichen Plage. «Ohne Fledermäuse hätten wir mit viel mehr Insekten zu kämpfen.»