Uhrenindustrie, Medizinaltechnik, Metallindustrie: Für die drei wichtigen Branchen der Solothurner Industrie stehen die Zeichen weder auf Sturm noch auf Sonnenschein. Dieses Bild zeichnete Anja Hochberg am Herbstanlass «Finanzmarktperspektiven» der Credit Suisse. Doch bevor die Ökonomin und Chief Investment Officer für die Schweiz und Europa bei der Grossbank loslegen konnte, nahm CS-Mann Rolf Hofstetter die anwesenden Wirtschaftsvertreter zur Brust.

Wirtschaftsfeindliche Initiativen wie Ecopop, Gold-Initiative oder die Erbschaftssteuer-Initiative führten zu einer hohen Rechtsunsicherheit. Bei einer Annahme drohten weniger Firmenansiedlungen und dafür im Gegenzug mehr Auslagerungen. «Die KMU-Chefs müssen sich deshalb an der Front verstärkt einbringen. Die Wirtschaft hat zu lange geschwiegen», rief der Leiter Firmenkunden Solothurn-Oberaargau in den Saal. Die Diskussion dürfe nicht der «Politik, den Verbänden und alternden Professoren» überlassen werden.
Dämpfende Beschäftigungssignale

Die enge Verflechtung der schweizerischen mit der globalen Wirtschaft zeigte dann die Gastreferentin Hochberg auf. Nach drei Boomjahren habe die Schweizer Uhrenindustrie im vergangenen und im laufenden Jahr «klar einen Gang tiefer geschaltet». Zwar werde im laufenden Jahr in absoluten Zahlen ein weiterer Exportrekord resultieren. Aber die Ausfuhren der Zeitmesser habe sich im Vergleich zu Jahresbeginn abgeflacht. Hochberg meldete auch erste dämpfende Signale in Bezug auf die Beschäftigung. «Cartier und Tag Heuer kündigten jüngst die Einführung von Kurzarbeit an.»

Ein düstereres Bild zeichnete die Ökonomin für die am Jurasüdfuss stark vertretene Medizinaltechnik. Dort hätten die Exporte im bisherigen Jahresverlauf gegenüber dem Vorjahr sogar um ein Prozent abgenommen. Die Perspektiven für 2015 seien nicht besser. Drei Viertel der Ausfuhren gingen nach Europa und in die USA. Die Branche kämpfe mit einem enormen Preisdruck und damit einhergehend mit einem Margenproblem. «Die Produzentenpreise sind seit dem Höhepunkt 2009 um fast acht Prozent gefallen.» Auch die Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie habe den Schwung zu Jahresbeginn nicht voll mitnehmen können, erklärte Hochberg. Die Branche habe insbesondere die konjunkturelle Abkühlung im Hauptexportmarkt Deutschland zu spüren bekommen.

Bilaterale: Keine Kündigung erwartet

Insgesamt geht die Ökonomin davon aus, dass die Schweizer Wirtschaft 2014 um 1,4 Prozent und im kommenden Jahr um 1,6 Prozent wachsen wird. Die Zinsen blieben tief, die Immobilienpreisentwicklung flaue ab und die Zuwanderung gehe zurück. Was die Auswirkungen der Masseneinwanderungsinitiative betreffe, gäben sich die befragten Unternehmen noch gelassen.

So würden über 70 Prozent ihre Investitionen unverändert belassen. Allerdings hätten über zehn Prozent Investitionen bereits verringert oder verlagert. Gleichzeitig erwarte die grosse Mehrheit der Firmen nicht, dass als Folge der Masseneinwanderungsinitiative die bilateralen Verträge mit der EU gekündigt würden.