Mangelhafte Integrationsmassnahmen, zu teure Bahnbillette, zu wenig Geld für die Schulen — dies sind einige der Themen, welche die Jugendlichen des Kantons Solothurn derzeit bewegen.

Rund 70 Schülerinnen und Schüler aus sämtlichen Kantonsteilen fanden sich gestern im Rahmen des achten Jugendpolittags in Solothurn ein, um ihre Anliegen den gut 25 anwesenden Kantonsrätinnen und -räten näherzubringen.

Ratspräsident Ernst Zingg erklärte den 14- bis 16-Jährigen bereits in seiner Begrüssung, dass es bei politischen Wünschen stets zu beachten gelte, ob diese finanzierbar sind: «Das Budget muss man sich immer vor Augen führen, wenn man Forderungen stellt».

Der Solothurner Kantonsratspräsident Ernst Zingg über den Jugendpolittag

Der Solothurner Kantonsratspräsident Ernst Zingg über den Jugendpolittag

Die Finanzen waren denn auch dominierendes Thema in einigen der anschliessenden Gruppendiskussionen. Die Kantonsparlamentarier bekamen beispielsweise einiges an Kritik an den von ihnen beschlossenen Sparmassnahmen zu hören, geäussert von direktbetroffenen Schülern der Kanti Solothurn.

So könne das Zusammenlegen von Klassen problematisch sein, wenn dadurch zwei unterschiedliche Bildungsniveaus innerhalb der Klasse geschaffen würden, bedauerte eine der Schülerinnen.

Zudem sei es schade, dass gewisse Angebote komplett gestrichen wurden: «In der Hauswirtschaftswoche, die wir letztes Jahr noch hatten, haben wir unter anderem gelernt, wie man sich richtig bewirbt. Das wäre eben schon noch nützlich». Kantonsrat Peter Brügger entgegnete, man habe leider überall sparen müssen, somit auch bei den Schulen. Eigentlich sei die Bildung aber noch ganz gut wegekommen.

«Mühe geben, sich zu integrieren»

Ein anderes viel besprochenes Thema war die Einwanderung und deren Folgen. Vor allem die Integration von Ausländern gab unter den Jugendlichen zu reden. «Die Schweiz sollte offen sein für alle, aber wenn man mal hier ist, soll man sich auch Mühe geben, sich zu integrieren», forderte eine Schülerin aus der Diskussionsgruppe Olten-Gösgen.

Unklar war gewissen Jugendlichen, ob nicht zu viel Geld für die Flüchtlingshilfe aufgewendet werde, wenn es doch auch im Inland noch immer Leute gebe, die von grosser Armut betroffen seien. Die Kantonsräte Felix Wettstein und Luzia Stocker beruhigten die Schüler: Wer wirklich nichts habe, dem werde staatlich geholfen — sofern diese Hilfe beantragt würde.

Jugendliche aus dem Bezirk Lebern lieferten gleich einige konkrete Vorschläge zur Verbesserung der Integration. Eine Reduktion des Mitgliederbeitrags sowie Informationen in Deutsch und fremder Sprache sollen ausländischen Mitbürgern die Aufnahme in Vereine erleichtern.

Denn durch eine Vereinsmitgliedschaft sei eine Integration in die Gesellschaft besser möglich. Vor allem Kinder mit Migrationshintergrund seien selten in Vereinen anzutreffen, ist den Schülerinnen und Schülern aus Lebern aufgefallen.

Tipps von den Kantonsräten

Die Forderung nach tieferen Bahnbillettpreisen für Jugendliche konnte etwas entkräftet werden durch das Argument, dass es beispielsweise bereits Rabatte für Studenten gebe. Zudem habe man als Kantonsparlament auch keinen grossen Einfluss auf die Preisgestaltung der SBB, wie die Kantonsräte zu bedenken gaben.

Eine Herabsetzung des Stimmalters von 18 auf 16 Jahre war eine weitere Forderung der Jungen. Dies sei ein Thema, das man vielleicht durchaus aufgreifen könnte, so Kantonsrätin Luzia Stocker.

In der Diskussionsgruppe Thal-Gäu stand mit dem Jugendtreff Balsthal ein etwas lokaleres Thema im Fokus. Der dezentrale Standort sei ungeeignet und kaum jemand wisse vom Angebot, monierten gewisse Schüler.

Hierzu konnten die Volksvertreter aus der entsprechenden Region mit pragmatischen Tipps aufwarten: Man solle sich mit möglichst vielen Schülern zu einer Projektgruppe formieren, um dem Anliegen mehr Gewicht zu verleihen.

Wenn man auch die eigene Mitarbeit bei den geforderten Änderungen anbiete, so habe man gute Chancen, etwas bewirken zu können, riet Kantonsrätin Karin Büttler den Jugendlichen.

Andere Ratschläge, welche die Parlamentarier den Schülern zur Erreichung ihrer Ziele gaben, beinhalteten unter anderem das Schreiben von Leserbriefen oder das Einreichen eines Volksauftrages.

Doch sollen die besprochenen Probleme auch direkten Eingang in die Arbeit des Kantonsparlaments finden. «Wir haben ein ernsthaftes Interesse an den Themen, die die Jugendlichen bewegen. Sonst wären wir ja nicht hier», antwortete Kantonsratspräsident Zingg auf die Frage einer Schülerin, ob die Kantonsräte denn auch interessiert seien an ihren Vorschlägen.

Lösungen nicht überall möglich

Ebenso ist Regierungsrat Roland Fürst der Hoffnung, dass die vorgebrachten Anliegen in den politischen Prozess einfliessen werden, wie er in seiner kurzen Schlussrede festhielt. Nicht überall könnten jedoch Lösungen gefunden werden, wie der politische Alltag immer wieder zeige.

So erlebte die 13-jährige Sabrina Brunner aus Balsthal den Jugendpolittag.

So erlebte die 13-jährige Sabrina Brunner aus Balsthal den Jugendpolittag

Dennoch zogen die Jugendlichen eine positive Bilanz: «Es war spannend, einmal etwas anderes zu machen, als im Schulzimmer zu sitzen», befand die 13-jährige Sabrina Brunner aus Balsthal. Die Forderung nach einer Aufwertung des Balsthaler Jugendtreffs werde sie zudem zusammen mit ihren Mitschülern weiterverfolgen: Der Gemeinderat wird demnächst einen entsprechenden Brief erhalten.