Solothurn und China
FHNW-Direktor: «Mit Verträgen zeigen wir, dass es uns ernst ist»

Die Hochschule für Wirtschaft FHNW gilt als Pionierin der Solothurner Beziehungen zur Volksrepublik China. «In China ist die Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zentral», sagt Direktor Ruedi Nützi.

Elisabeth Seifert
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Rudi Nützi ist Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten.

Rudi Nützi ist Direktor der Hochschule für Wirtschaft FHNW in Olten.

Hansjoerg Sahli

Können Sie die Beziehung der Fachhochschule zu China kurz erklären?

Ruedi Nützi: Mein Vorgänger als Direktor an der Hochschule für Wirtschaft FHNW (der damaligen Fachhochschule Solothurn) lancierte schon vor rund 20 Jahren ein Weiterbildungsprogramm für Kaderleute aus der chinesischen Provinz Gansu. Ich selber pflege seit über zehn Jahren gute Kontakte zum jetzigen Parteisekretär der Provinz Heilongjiang. 2012 konnte unsere Schule dann einen Fünfjahresvertrag abschliessen. 309 Kaderleute der Provinz Heilongjiang waren mittlerweile für mehrere Wochen in Olten. Dies dient gerade auch der Netzwerkpflege.

Wie beurteilen Sie die Freundschaftsverträge des Kantons Solothurn mit den Provinzen Gansu und Heilongjiang?

In China ist die Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zentral. Mit den Freundschaftsverträgen zeigt Solothurn den Chinesen, dass es uns sehr ernst ist mit dem geschäftlichen Austausch. Die Beziehungspflege auf verschiedenen Ebenen ist im Geschäft mit China ein zentraler Faktor für das unternehmerische Gelingen.

Wie positioniert sich Solothurn im Vergleich zu anderen Kantonen?

Mit den beiden Freundschaftsverträgen, dem Engagement der Hochschule für Wirtschaft FHNW sowie der neuen Anlaufstelle China als Teil der Wirtschaftsförderung ist der Kanton Solothurn sehr gut aufgestellt. Eine solche Konstellation ist einzigartig in der Schweiz. Die Volksrepublik China unterhält seit gestern auf der Ebene der Provinzen 15 Partnerschaften mit der Schweiz – allein zwei davon mit Solothurn.

Welche Bedeutung hat China derzeit für Solothurner Unternehmen?

Für Solothurner Firmen ist der chinesische Markt zurzeit der fünftwichtigste Exportmarkt. Die Uhrenfirma Titoni ist bereits seit 50 Jahren in China tätig. Ganz besonders Produkte mit einem hohen Innovationswert haben in der Volksrepublik grosse Chancen. Und gerade Solothurner Unternehmen haben hier einiges zu bieten. Ich denke etwa an die Bereiche Präzisions- und Medizinaltechnik oder an Firmen, die ganz allgemein im Bereich Gesundheit tätig sind.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen für die geschäftliche Tätigkeit in China?

Es braucht das entsprechende Wissen über die kulturellen und geschäftlichen Gepflogenheiten. Kleine und mittlere Unternehmen sind zudem auf gute Kontakte zu Regierungsvertretern angewiesen. Solche Kontakte dienen als Türöffner. Eine Herausforderung bildet sicher auch die oft fehlende Rechtssicherheit. Um erfolgreich zu sein, braucht es deshalb Flexibilität und tragfähige Beziehungen. Gefragt ist auch ein langer Atem. Schliesslich gilt es geschäftliche Nischen zu finden, die auch für chinesische Geschäftspartner interessant sind. Es genügt nicht einfach, vom eigenen Produkt überzeugt zu sein. Der chinesische Partner muss auch für sich eine Chance sein.

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