Festivalsommer
Warum St. Peter at Sunset und das Open Air Etziken noch nicht abgesagt wurden

Es sieht trüb aus für Festivalgänger in der Schweiz: Mehrere Festivals, die für Juni geplant waren, sind abgesagt. Einige Veranstalter sind aber noch zurückhaltend mit Absagen. Auch zwei aus dem Kanton Solothurn gehören dazu.

Andri Morrissey
Merken
Drucken
Teilen
Als es noch Open Airs gab: das Open Air Etziken im Jahr 2019.

Als es noch Open Airs gab: das Open Air Etziken im Jahr 2019.

Tom & Tina Ulrich

Die Stimmung um den Festivalsommer in der Schweiz ist getrübt. Nicht nur fallen das Greenfield Festival und der Rock the Ring im Juni weg, auch das Gurtenfestival, das traditionell im Juli stattfindet, hat seine Absage bekanntgegeben. Das bedeutet nichts Gutes für die kleineren Festivals, die im Juli stattfinden sollen. Trotzdem zögern die Veranstalter mit der Absage.

Ein solcher Fall ist das St.Peter at Sunset in Kestenholz. «Wir sind uns bewusst, dass die Lage schlecht aussieht», sagt Roland Suter von Sunset Events, dem Veranstalter des Open Airs. Das grösste Problem ist, laut Suter, dass vonseiten des Bundes keine konkreten Richtlinien für die Durchführung solcher Events vorliegt. Darum müsse das Line-up auch jetzt erweitert und neue Acts angekündigt werden, damit sich keine Lücken im Programm ergeben, falls das Festival tatsächlich durchgeführt werden kann.




Bruno Kissling

Kein Plan B bei der Durchführung

Natürlich standen auch andere Varianten für die Durchführung der Festivals zur Debatte. Eine Alternative, die von den Veranstaltern in Erwägung gezogen wurde, war ein Fest im kleineren Rahmen mit einem angepassten Sicherheitskonzept. Eine solche Alternative würde mit acht Eingängen, acht Sektoren und acht Restaurants etwa 300 Besucher zulassen und somit grössere Menschenmengen verhindern. Roland Suter spricht sich allerdings gegen ein solches Konzept aus.

«Wenn wir es so machen, sind wir nicht mehr St. Peter at Sunset»

Während andere Festivals in diesem Jahr mit einer erneuten Absage einen noch härteren finanziellen Schlag verkraften müssen als im Vorjahr, steht diese Angst bei Suter weniger im Vordergrund. Das Open Air in Kestenholz findet nur jedes zweite Jahr statt. Daher blieb im letzten Jahr auch ein Finanzloch bei St.Peter at Sunset aus. Und die Veranstalter hätten finanziell ein gutes Polster, um die Krise bis zur nächsten Durchführung im Jahr 2023 zu überstehen.

Das Open Air Etziken geht gleich wie St.Peter at Sunset vor. Da es keine Regelungen von den Behörden gibt, wird die nächste Entscheidung des Bundesrats am 14. April abgewartet, sagt Yves Ammann von der Medienstelle des Open Air Etziken. Auf der Website des Open Air Etzikens steht denn auch weiterhin «jetzt erst recht im Sommer 2021».

Absage am wahrscheinlichsten

Trotzdem ist Ammann bezüglich der Durchführung wenig optimistisch. «Wir gehen eigentlich von einer Absage aus», sagt er. Auch beim Open Air Etziken kommt keine alternative Durchführungsform in Frage, denn die Tickets, die für die abgesagte Ausgabe des letzten Jahres verkauft wurden, sind auch in diesem Jahr gültig. «Wir können unsere Gäste nicht einfach ausladen», sagt Ammann.

Auch das Line-up von 2020 bleibt für dieses (und allenfalls für das nächste Jahr) das Gleiche. Trotz eines möglichen weiteren Ausfalls macht sich Ammann keine Sorgen um die Finanzierung zukünftiger Festivals. Das OK sei als Verein organisiert, daher seien die Kosten tief, Auslagen für Angestellte gebe es nicht. Die Sorge liegt eher beim zu erwartenden Umfang an Konzerten, die nach der Pandemie geplant würden. «Es wird viele grosse Stadienkonzerte geben. «Wenn wir Pech haben, überlappen sich diese mit Festivals wie dem unsrigen», sagt Ammann.