Bahn-Konkurrenz
Fernbus-Anbieter haben das Mittelland noch nicht entdeckt

Im Kanton Solothurn wird bislang nur Olten von Fernbussen bedient. Deutsche Fernbus-Unternehmen konkurenzieren die SBB und die Schweizer Fernbus-Anbieter. Ein Ausbau des Netzes in Richtung Solothurn ist noch nicht geplant.

Simon Wyss
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In Deutschland boomen Fernbusse schon seit Jahren (hier an einem Busbahnhof in Berlin), nun haben viele Anbieter die Schweiz entdeckt.

In Deutschland boomen Fernbusse schon seit Jahren (hier an einem Busbahnhof in Berlin), nun haben viele Anbieter die Schweiz entdeckt.

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Das Geschäft mit Fernbussen boomt auch in der Schweiz. Es sind vor allem deutsche Anbieter, die vermehrt ihr Liniennetz bis in die Schweiz vergrössern. Grund dafür ist die Liberalisierung des Fernverkehrs in Deutschland, die im Jahr 2013 in Kraft gesetzt wurde.

In den letzten Jahren sind Fernbuslinien wie Pilze aus dem Boden geschossen. So existieren bereits mehrere Linien von Zürich und Basel aus nach Deutschland. Seit diesem Jahr betreibt der deutsche Marktleader «Mein Fernbus» auch eine Direktlinie von Zürich nach Mailand. Die Angebote sind attraktiv: Eine Fahrt von Bellinzona nach München kostet laut Website nur 22 Euro – umgerechnet 26 Franken – und dauert 5 Stunden und 45 Minuten. Damit kann die Schweizer Bahn nicht mithalten. Dieselbe Fahrt mit den SBB würde über sieben Stunden dauern und mehr als 90 Franken kosten. Deswegen setzen die SBB seit 2013 selber Fernbusse auf der Strecke Zürich–München ein. Das Geschäft in der Schweiz lohnt sich für den deutschen Marktleader: «Mit der Auslastung auf unseren insgesamt sechs Linien in der Schweiz sind wir sehr zufrieden», so Marie Gloystein von «Mein Fernbus». Genaue Zahlen möchte sie nicht nennen.

Stadt Solothurn ist kein Thema

In der Schweiz gibt es nur wenige Anbieter, die Fernbuslinien betreiben. Sie bieten zwar ähnlich tiefe Preise. Doch die Spiesse seien nicht gleich lang, erklärte Patrick Angehrn, Geschäftsleiter und Inhaber der Firma Expressbus im «Tages-Anzeiger». Im Gegensatz zu deutschen Anbietern dürfen die inländischen Anbieter innerhalb der Schweiz keine Reisenden transportieren, da sie Bahn und Postauto zu grosse Konkurrenz machen würden. Und auch zwischen den EU-Ländern dürfen die Schweizer Firmen keine Reisenden transportieren.

Zurzeit ist Olten der einzige Ort des Kantons Solothurn, der ans Netz von Expressbus angeschlossen ist. Das Schweizer Busunternehmen fährt von Olten nach Sizilien und hält unterwegs in Florenz und Rom. Eine Fahrt kostet je nach Reiseziel zwischen 90 und 130 Franken. Auch andere italienische Städte wie Mailand, Genua und Venedig sind in das Netz miteinbezogen. Eine weitere Linie führt nach Budapest mit Zwischenhalt im österreichischen Schladming. Eine Einzelfahrt kostet 99 Franken. Für Hin- und Rückweg bezahlen Passagiere derzeit 198 Franken. Und eine Busfahrt nach München kostet 40 Franken.

In Solothurn gibt es keine Haltestellen. Ein Ausbau in die Kantonshauptstadt sei derzeit von keinem Anbieter geplant, wie Patrick Angehrn von Expressbus auf Anfrage erklärt. Ausländische Betriebe bedienen hauptsächlich die Räume Zürich und Basel. Expressbus bedient zudem Haltestellen, welche ausländische Anbieter nicht abdecken, zum Beispiel Aarau. «Je nachdem, wie sich der Markt entwickelt, könnte es schon sein, dass wir unser Liniennetz ausbauen», so Angehrn. «Mein Fernbus» jedenfalls erweitert sein Streckennetz in Deutschland ständig – und wahrscheinlich kommen auch neue Haltestellen und Linien in der Schweiz hinzu: «Inwieweit Solothurn Teil dieser Planungen ist, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt leider noch nicht sagen», so Sprecherin Marie Gloystein.