Kanton Solothurn

Feministischer Verein bleibt aktiv: Wie es nach dem Frauenstreik weitergeht

Als der Verein «fem*so» im März 2019 gegründet wurde, diente er lediglich der Organisation zum Frauenstreik. Nach dem 14. Juni 2019 ist aber klar: «Es soll weitergehen.» Die Verantwortlichen halten den feministischen Verein aufrecht, und wollen sich damit weiterhin für Gleichberechtigung einsetzen.

Der Frauenstreik ist Geschichte, das Frauenwahljahr dürfte im Kanton Solothurn nicht die selben Wellen Schlagen, wie in anderen Kantonen. Und jetzt? Es soll weitergehen, heisst es. Die Organisatorinnen des Frauenstreiks gehören dem Verein «fem*so» an, der im März gegründet wurde. Damals, um den Streik zu organisieren. Der Verein wird aber auch nach dem 14. Juni weitergeführt.

«Es war bereits vor dem Frauenstreik klar, dass es nachher weitergeht», sagt Moira Walter, Mitbegründerin des Streiks. Es sei absehbar gewesen, dass nach einem Tag nicht einfach alle Forderungen umgesetzt sein würden.

Frauenstreik 2019 im Kanton Solothurn

Frauenstreik 2019 im Kanton Solothurn

Am Vormittag fanden in Grenchen, Olten und Solothurn separate Aktionen statt – am Nachmittag versammelten sich alle in der Ambassadorenstadt für eine Kundgebung.

Die Forderungen, darunter diejenigen nach Lohngleichheit, fairen Renten und weniger häuslicher und sexueller Gewalt, wurden am 14. Juni den Solothurner Regierungsrätinnen Susanne Schaffner und Brigit Wyss übergeben. Auf Anfrage heisst es beim Regierungsrat, die Forderungen seien als Petition dem Finanzdepartement zugewiesen worden. Derzeit bearbeite man diese, unter anderem mit der Kommission für Chancengleichheit. Wie lange dies dauert, sei noch offen – «laut Verfassung hätte der Regierungsrat ein Jahr lang Zeit, die Petition zu beantworten».

Die Organisatorinnen des Frauenstreiks in Olten übergaben dem Stadtrat am 14. Juni ihre zwölf Forderungen. Vergangene Woche trafen sich Stadtrat und Delegierte des Oltner Frauenstreik-Kollektivs zu einem ersten Gespräch. Dabei war auch Rita Lanz: «Da es uns nicht realistisch erschien, alle zwölf Forderungen gleichzeitig zu verfolgen, fordern wir den Stadtrat auf, zwei Punkte prioritär voranzutreiben.»

Der erste drehe sich um ein Tagesstrukturangebot, «das wirklich den ganzen Tag und die Ferien» umfasse. «Die Zeit dafür ist überreif», sagt Lanz. Das Frauenstreik-Kollektiv plant in den nächsten Monaten eine Zusammenarbeit mit Parteien und Gruppierungen. Das Kollektiv kann sich zudem vorstellen, eine Initiative für Tagesschulen zu lancieren. «Zweitens fordern wir, dass Frauen in Olten sichtbar gemacht werden.» Dazu gehöre etwa die Aufwertung des Maria-Felchlin-Platzes oder die Benennung neuer Strassen nach Oltnerinnen.

Dem Stadtrat wurde eine Frist bis zum 9. Februar 2021 gesetzt: «Passend zum 50. Geburtstag des Frauenstimmrechts in der Schweiz sollen gewisse Veränderungen sichtbar sein.» Auch in Gemeinden der Region sollen diese Forderungen auf den Tisch gebracht werden.

Der Verein «fem*so» will nun kritisch beobachten, wie es mit den Forderungen weitergeht. Im Zusammenhang mit dem Frauenwahljahr hat der Verein eine Wahlempfehlung abgegeben. Darin aufgeführt werden alle Frauen, die innert der vorgegebenen Frist angaben, sie würden die Forderungen des Frauenstreiks zu 100 Prozent unterstützen. «Natürlich ist es generell wichtig, mehr Frauen im Parlament zu haben – egal von welcher Partei», so Walter. Aber: «Es wäre nicht mit unseren Zielen vereinbar, wenn wir Frauen empfehlen würden, die genau diesen Zielen im Weg stehen – und etwa finden, familienergänzende Betreuung sei Privatsache oder Frauen gehörten an den Herd.»

In dieser Funktion – als Verein im Kanton, der Stellung bezieht – «vielleicht tut es gut, wenn das nicht immer nur die Wirtschaftsverbände machen» – will der Verein auch künftig aktiv sein. «Vielen wäre es wohl lieber, wenn wir unsere Anliegen einfach wieder vergessen würden – wir müssen sie aber immer wieder daran erinnern, dass wir das nicht tun.»

Laut der Jungsozialistin hat der Frauenstreik insofern etwas gebracht, als dass vermehrt über Gleichberechtigung diskutiert würde. Und: «Die, die kamen, spürten, dass wir als Gruppe viel Kraft haben», sagt Walter. «Die, die nicht kamen, haben hoffentlich gemerkt, dass – wenn so viele auf die Strasse gehen – in unserer Gesellschaft eben doch Ungleichheiten bestehen, die behoben werden müssen.» 

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