Sie gilt als der Minnesänger der Lüfte; die Feldlerche. Fünf Minuten und länger kann sie trillernd und zirpend durch die Lüfte fliegen, ohne auch nur beim Ein- oder Ausatmen abzusetzen. Doch die Musik nimmt ab unter dem Firmament. Vor allem durch die Intensivierung der Landwirtschaft hat die Anzahl Feldlerchen seit den 90er-Jahren stark abgenommen.

Eine Studie hat nun eine weitere, mögliche Störquelle für Feldlerchen untersucht: den Modellflug. Ort der Untersuchung: Selzach, in der Witi; einer der sieben Modellflugplätze im Kanton Solothurn. Hier heben unter anderem die Modellflieger der Modellfluggruppe Rüttenen ab.

Die Dichte an Brutrevieren der Feldlerche in der Selzacher Witi zählt zu den höchsten in der Schweiz. Dies war mit ein Grund, warum Nicolas Strebel dieses Gebiet für seine Untersuchung wählte. Der Forschungsansatz des heutigen Mitarbeiters der Vogelwarte Sempach unterscheidet sich von früheren Studien, welche üblicherweise das Artenspektrum einer Fläche in den Jahren vor und nach der Inbetriebnahme eines Modellflugplatzes miteinander verglichen. Strebel hingegen analysierte, ob sich die Anzahl Beobachtungen von Feldlerchen im Bereich, wo die Modellflugzeuge ihre Kreise ziehen, von jener ausserhalb klar unterscheidet.

Nahrungssuche in der Flugzone

Das Ergebnis: Es gibt keine Hinweise darauf, dass die Feldlerchen die Modellflugzone während der Brutzeit besonders meiden. Im Gegenteil: «Basierend auf den Daten, sind wir zu 75 Prozent sicher, dass die Feldlerche innerhalb der Modellflugzone sogar häufiger beobachtet wurde als ausserhalb», schreibt Strebel in seiner Diplomarbeit, die dieses Jahr im «Ornithologischen Beobachter» veröffentlicht wurde.

Mögen Feldlerchen ihre fliegenden Kollegen? «Es liegt eher an den optimalen Bedingungen für die Nahrungssuche», sagt Strebel, «die Vegetation wird das ganze Jahr auf einen Streifen kurz gehalten und es gibt in dessen Umgebung vernässte Stellen.» Hingegen hielten sich die Feldlerchen in der Selzacher Witi lieber von anderen Stellen fern. Wesentlich weniger Lerchen wurden etwa in der Nähe von Gebäuden, Baumgruppen oder nahe der Eisenbahnlinie beobachtet.

Die Studie zeigt: Feldlerchen meiden den Flugplatz während der Brutzeit nicht. Ob sie aber durch die nicht tierischen Flugobjekte gestresst sind oder ob der Modellflugplatz die Erfolgsquote des Brütens beeinflusst, dazu kann sie keine Antworten liefern. Doch auch frühere Studien lassen vermuten, dass gewisse Singvogelarten weniger sensibel auf den Betrieb von Modellflugplätzen reagieren als beispielsweise Wasservögel.

Aktuelle Diskussion aufgreifen

Mit seiner Diplomarbeit wollte Strebel vor allem eines: Die teilweise hitzigen Diskussionen um Modellflugplätze wissenschaftlich aufgreifen. «Die aktuelle Diskussion wird teilweise ohne wissenschaftliche Grundlagen geführt», sagt Strebel. «Es werden Naturschutzgründe von Personen ins Feld geführt, die sich in erster Linie selber am Lärm stören.»

Die gefundenen Ergebnisse sollen zudem bei der Standortwahl für zukünftige Modellflugplätze helfen. «Modellflugplätze gehören nicht grundsätzlich verboten», sagt Vogelexperte Nicolas Strebel. «Ein Verzicht ist dort wünschenswert, wo sensible Arten vorkommen. Dies gilt nicht nur für Modellflug, sondern auch für Drohnen.»