An der Pädagogischen Hochschule Nordwestschweiz (PH FHNW) absolvieren künftige Kindergartenlehrpersonen den Studiengang Vorschule und Unterstufe der Primarschule – es gibt also keine spezifischen Lehrgang für den Kindergarten. Für EVP-Kantonsrat René Steiner (Olten) ist dies ein Indiz für die «schleichende» Abschaffung des Kindergartens – und der Auslöser einer Reihe von kritischen Fragen an die Regierung.

Dies, zumal für Steiner der Eindruck entsteht, dass im kombinierten Studiengang die «alten» Ausbildungsinhalte der Kindergartenlehrpersonen kaum mehr Platz finden. Eine Einschätzung, welche die Regierung nicht teilt, im Gegenteil: Die Ausbildung an der PH FHNW «schafft ideale Voraussetzungen für Berufseinsteigende im Kindergarten und in der Unterstufe», betont der Regierungsrat in seiner Stellungnahme.

Kindergarten-Lehrplan bleibt gültig

Eine Fokussierung der Ausbildung ausschliesslich auf den Kindergarten greife zu kurz, heisst es in der regierungsrätlichen Antwort. Eine solche nämlich würde sich ausschliesslich an der kantonalen Schulstruktur orientieren –und nicht an den altersspezifischen Entwicklungs-, Bildungs- und Lernprozessen, die bei der Altersgruppe der 4- bis 9-Jährigen jeweils sehr heterogen sind. Neben der PH FHNW kombinieren im Übrigen auch die Pädagogischen Hochschulen St. Gallen, Zentralschweiz und Zürich den Kindergarten und die Unterstufe in einem Studiengang. Andere Hochschulen wie etwa die PH Bern gehen noch weiter und bieten einen Studiengang für den Kindergarten und die ganze Primarschule an. Eine spezifische Kindergarten-Ausbildung gibt es in Graubünden, Schaffhausen, Thurgau, Zürich und Tessin.

In ihrer Stellungnahme betont die Regierung, dass auf den verschiedenen inhaltlichen Ebenen der Ausbildung an der PH FHNW immer auch Fragestellungen des Kindergartens bearbeitet werden. Zudem finden die Berufspraktika zu etwa gleichen Teilen im Kindergarten und der Primarschule statt. Ganz generell sei der Anteil der Berufspraktika im Vergleich zu den Praktika der ehemalige Seminarien fast verdoppelt worden. Weiter hält die Regierung fest, dass der seit 2002 für den Kindergarten gültige Rahmenlehrplan unverändert gültig ist – und dies auch Zukunft bleiben wird.

Aufgrund des noch jungen Studiengangs sei es nicht möglich anzugeben, wie viele Studienabgänger als Kindergartenlehrperson arbeiten. Weiter unterstreicht die Regierung, dass der Stellenmarkt im Kindergartenbereich ähnlich angespannt ist wie für die Primarschule. (esf)