Die Sommerferien sind zu Ende. Und angesichts der abnehmenden Autokolonnen vor dem Gotthard-Südportal haben wohl die meisten Feriengänger den Heimweg hinter sich gebracht. Sie sind zurück zu Hause, bei Kind, Kegel und Haustier. Wobei Letzteres die Ferien vielleicht gar nicht zu Hause verbracht hat, und wenn doch, möglicherweise nicht mehr da ist. Was die langen Sommerferien für Haustiere bedeuten, wir haben bei zwei Tierheimen nachgefragt.

Tierheim Aarebrüggli, Grenchen

Am Grenchner Aareufer Richtung Arch befindet sich das Tierheim Aarebrüggli. In den Ferien können Besitzer, die verreisen, ihren Liebling dort abgeben. «Hunde, Katzen, Meerschweinchen, Kaninchen, das sind die Renner», sagt Ivan Schmid, Inhaber und Geschäftsführer des Aarebrüggli. Das Tierheim hat 45 Boxen für Hunde sowie vier Katzenzimmer, die 30 bis 40 Katzen Platz bieten. Einige Hundeboxen sowie ein ganzes Katzenzimmer werden jeweils freigehalten. Für entlaufene Findel- wie auch für ausgesetzte Verzichtstiere. «Wir wollen die Tiere nicht vermischen», so Schmid. Dies, weil nicht klar sei, ob und wie die entlaufenen Tiere geimpft seien und welche Krankheiten sie mit sich bringen.

Ivan Schmid spielt mit seinen Gästen im Tierhehim Aarebrüggli

Ivan Schmid spielt mit seinen Gästen im Tierheim Aarebrüggli.

Die Nachfrage nach dem Angebot ist gross. «Wir sind bereits seit April ausgebucht», erzählt Schmid weiter. Und dies Jahr für Jahr. Mit ein Grund für die hohe Auslastung: eine treue Stammkundschaft. «Dazu kam, dass in Biel in einem Tierheim gebaut wird. Wir hatten viele Anfragen von Personen, die wohl eine Ausweichmöglichkeit suchten.»

Viele entlaufene Tiere

In den Sommerferien herrscht Hochkonjunktur im Tierheim. Drei Tierpfleger, ein Lernender und mehrere Springer betreuen die Tiere an sieben Tagen in der Woche. Insgesamt zehn Personen sind involviert. 

Ein grosser Aufwand, nicht nur wegen den Ferientieren, sondern weil in der Ferienzeit auch mehr entlaufene Tiere gefunden werden als sonst, hauptsächlich Katzen. «Ein Futterautomat ernährt die Stubentiger für eine Weile, bis diese merken, dass niemand zu Hause ist. Dann ziehen die sehr selbstständigen Katzen gerne mal weiter», erklärt Schmid ein mögliches Szenario. «Jede Katze hat mehrere Fressplätze. Auch wenn dies die Besitzer nicht immer wissen.»

Die Ferienabwesenheit der Besitzer ist also verantwortlich für die erhöhte Anzahl entlaufener Tiere im Sommer? Eigentlich naheliegend, könnte man meinen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht, meint Schmid: «Im Sommer sind die Populationen jeweils am grössten. Vielleicht ist es auch schlicht ein Vermehrungsproblem.»

Egal wo die Ursachen liegen, sobald ein entlaufenes Tier gefunden wird, beginnt die Meldepflicht. Wer ein entlaufenes oder verletztes Tier findet, ist verpflichtet, dieses zu melden. Entweder direkt bei der Schweizerischen Tiermeldezentrale, bei einem lokalen Tierheim oder auch bei der Polizei. Meldet sich der Besitzer nicht innerhalb von acht Wochen, kann das Tierheim das Tier als «eigenes» behandeln und selber einen neuen Besitzer suchen. «Das ist ein Tropfen auf den heissen Stein», meint Schmid. «Die Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und Impfung sind so oder so bei uns.»

Kastrieren und chippen 

Alles in allem zieht Schmid aber eine positive Bilanz. Auch dank der Meldepflicht fänden viele Tiere den Weg zurück zu ihren Besitzern. Verbesserungspotenzial sieht er bei der Registrierung der Katzen. Bei Hunden gilt eine Registrierungspflicht. Seit deren Einführung habe die Problematik mit entlaufenen Hunden stark abgenommen. Bei Katzen besteht diese Registrierungspflicht nicht. Trotzdem rät Schmid allen Katzenhaltern, ihr Tier zu chippen. «Das erleichtert uns die Arbeit extrem.»

Und bei den Freigängern unter den Katzen rät Schmid auch zur Kastration. Auch dies würde dazu beitragen, dass gerade zur Sommerzeit das Tierheim nicht mit herrenlosen Katzen überschwemmt wird.

Tierheim Tierdörfli, Wangen bei Olten

In Wangen bei Olten befindet sich das Tierheim Tierdörfli. Über 400 Tiere finden dort Unterschlupf. Das Tierheim konzentriert sich auf Findel- und Verzichtstiere, hat aber auch einige Plätze für Ferientiere. Die «Ferienplätze» sind jeweils ausgebucht. Auch im Tierdörfli zählt man auf eine treue Stammkundschaft, die ihre Haustiere über den Sommer im Tierheim unterbringen.

Eine weitere Parallele: Auch in Wangen bei Olten ist Ferienzeit Hochsaison. «Diesen Sommer haben wir sehr viele Tiere aufgenommen», sagt Leiterin Susanne Klein. Mehrheitlich Katzen, manche entlaufen, andere von Unfällen verletzt, wieder andere wild, ohne Besitzer, möglicherweise unerwünscht und ausgesetzt. Einige davon dürften von Familien stammen, die in den Ferien waren, vermutet Klein. Diese haben vielleicht mit dem Nachbarn abgemacht, dass dieser die Katze in der Ferienzeit füttert. «Aber das passt nicht allen Katzen. Für manche macht es einen Unterschied, ob sie von Frau Meier oder Müller gefüttert werden. Und wenn es einem Stubentiger nicht passt, läuft er auch einmal davon.»

Und landet dann bestenfalls im Tierheim. Insgesamt 20 Personen kümmern sich sieben Tage die Woche um die Tiere. Das geht schnell ins Geld. Nebst Personalkosten zahlt das Tierheim für die Unterkunft, Verpflegung und medizinische Betreuung der Tiere. Haustierbesitzer, deren Schosstiere im Tierheim enden, wären eigentlich verpflichtet, für die entstandenen Kosten aufzukommen. Eigentlich. Denn: «Sobald es ums Geld geht, tun die Leute kompliziert», ärgert sich Klein. Diese würden dann argumentieren, das Tier hätte gar nicht ins Tierheim gebracht werden müssen.

Finanziert wird das Tierheim mehrheitlich durch Private und Spenden. Und da Spendengelder nicht regelmässig fliessen kann es schnell einmal eng werden. Besonders im Sommer, wenn Hochsaison herrscht.

Es braucht Zeit und Geld

Was haben Haustierbesitzer zu beachten, die längere Zeit verreisen? «Zumindest sollte das Tier gechippt sein», meint auch Klein. So könne zumindest der Besitzer schnell ausfindig gemacht werden. Wenn sich zudem eine andere Person in den Ferien um eine Katze kümmert, rät Klein: «Gewöhnen Sie die Katze an das neue Gesicht. Nehmen sie den Betreuer noch vor den Ferien mit in die Wohnung und machen sie ihn der Katze vertraut.» Ausserdem müsse eine Katze nicht nur gefüttert werden, sie brauche auch Pflege und Zuwendung. Deshalb solle sichergestellt werden, dass die Ferienaushilfe auch tatsächlich genügend Zeit hat.

Dass zur Ferienzeit mehr Tiere als sonst davonlaufen oder ausgesetzt werden, ist keine neue Entwicklung. Doch dass es so viele wie dieses Jahr sind, schon. Woran liegt das?

Klein nennt fehlende Sensibilisierung als mögliche Ursache. «Jeder kauft sich heutzutage eine Katze.» Dabei würden viele Halter nicht wissen, was es alles braucht, um sich tiergerecht um ein Haustier zu kümmern. Sie würden beispielsweise einen freilaufenden Kater nicht einmal kastrieren. «Dies bedeutet viel Nachwuchs im Quartier, drei bis fünf Junge, zweimal jährlich, die bestenfalls im Tierheim enden. Ein Haustier braucht viel Zeit und Geld. Es will gut überlegt sein, ob man einen Hund oder eine Katze aufnimmt.»

Weiter solle man nur Tiere aufnehmen, die auch erlaubt sind. Das heisst: Haustiere nicht im Ausland und nicht online kaufen. Dann lieber aus dem Tierheim. Denn da kann man sicher sein: Diese Tiere haben die nötigen medizinischen Checks und Impfungen hinter sich.