Er war der «Mister X», den die freisinnigen Schwarzbuben aus dem Hut gezaubert hatten – und er machte seine Sache gut. Er, Dieter Künzli, Gemeindepräsident in Breitenbach, Finanz- und Personalchef des ETH-Rats. In der Endausmarchung um die Ständeratsnomination fehlten am Ende aber Längen. Das Rennen machte der Oltner Fürsprecher und Diplomat Stefan Nünlist, Solothurner Kantonalparteipräsident und Leiter der Swisscom-Unternehmenskommunikation.

Auswahl statt Gegeneinander

Doch der Reihe nach: Nun, eine Saalnomination gab es in Bellach nicht, so dass die beiden Konkurrenten die Kür unter sich ausmachen konnten. Dieter Künzli verdeutlichte dabei, er habe mit seiner Kandidatur für eine echte Auswahl sorgen wollen. Und seine Ambition sei nicht gegen die Person Stefan Nünlist gerichtet. Vielmehr gehe es darum, Präsenz zu markieren und die FDP als Freiheitspartei zu positionieren. Zudem wünschte er sich von den Freisinnigen Themenführerschaft in der Klimapolitik. Anreize statt Verbote forderte Künzli und wehrte sich energisch gegen «Abgabenorgien».

Das sei nicht das Rezept und gefährde die freiheitliche Schweiz, meinte der Naturwissenschafter, der gleichzeitig nicht von ungefähr einen starken Bildungsakzent setzte. «Allein schaffen wir es nicht, den Ständeratssitz zu holen», mahnte der Breitenbacher. Und stellte die Frage in den Raum, mit wem das Unterfangen besser vollbracht werden könne. «Nominieren sie den, dem das am ehesten gelingen kann», betonte der 60-jährige zweifache Familienvater.

Auf die Schweizer Erfolgsgeschichte seinerseits ging der 57-jährige Nünlist ein. Sicherheit, Altersvorsorge und Sozialwerke, Wirtschaft, Technologie und Fortschritt, Verantwortung und Freiheit sowie die Stärkung des Standorts Solothurn waren seine Stichworte. «Ich bin nicht besser, aber anders als mein Konkurrent», sagte Nünlist. Er verwies auf seine Verwurzelung im Solothurner Freisinn ebenso wie auf seine zahlreichen Erfahrungen als Netzwerker auf nationaler Ebene. Zudem: «Damit wir den Sitz holen können, müssen wir einen Aristokraten aus dem Stöckli putzen», sagte er schelmisch mit Blick auf eine Disteli-Karikatur. «Wir brauchen Fortschritt und nicht Stillstand im Ständerat», sagte Nünlist beim Sinnieren über das Geschehen Bern und die Solothurner Deputation.

In der Saal-Diskussion wurde deutlich: Die Sehnsucht nach einem Freisinnigen in der Kleinen Kammer ist gross. Und es zeichnete sich ab, dass Nünlist vor Künzli ins Ziel einlaufen würde. In der sachlichen, mitunter humorvollen Auseinandersetzung wurde das Profil der beiden trotzdem gleichermassen geschärft. Dabei war Nünlist nicht unerwartet eloquenter und agiler, Künzli etwas angespannter und angestrengter. Aber es war nichtsdestotrotz ein Duell auf Augenhöhe. «Stefan Nünlist ist der richtige Mann», sagte eine Delegierte. Und sie sprach den Delegierten damit aus dem Herzen. «Ich stehe auf der Matte, wenn es mich braucht», antwortete der Angesprochene darauf.

Am Ende eine klare Sache

Die offene Abstimmung ergab schliesslich dieses Resultat: Für Stefan Nünlist votierten 101 Delegierte, für Dieter Künzli immerhin deren 52. Die Nomination wurde vom Parteitag mit lang anhaltendem Applaus auch akustisch kräftig bestätigt. Selbstredend nahm der Parteipräsident und «Chefstratege» die Nomination an und setzte die Messlatte für den Wahlherbst hoch.