Welche Verbände unterstützen welche Kandidatinnen und Kandidaten bei den eidgenössischen Wahlen? Die Frage gewinnt zwei Monate vor dem Tag der Entscheidung an Bedeutung. Auch wenn die Wirkung von Wahlempfehlungen schwer messbar ist: Ob einem die mächtigen Wirtschaftsverbände beispielsweise aufs Ticket nehmen oder nicht, ist angesichts der Potenz der Mitgliederfirmen und ihrer Exponenten von Belang.

Drei Bürgerliche mit Unterstützungschancen

Dass es SP-Ständerat Roberto Zanetti und Grünen-Herausforderer Felix Wettstein nicht zu einer Wahlempfehlung des Gewerbeverbands oder der Handelskammer schaffen, liegt auf der Hand. Ganz abgesehen davon, dass es die beiden Vertreter des linken Spektrums auf Unterstützung von dieser Seite kaum abgesehen haben. Anders sieht die Sache bei CVP-Ständerat Pirmin Bischof, bei SVP-Nationalrat und Transportgewerbeverbands-Präsident Christian Imark sowie bei FDP-Kantonalpräsident Stefan Nünlist aus.

Einen Pflock eingeschlagen hat der Kantonal-Solothurnische Gewerbeverband (kgv). In einem Brief, der dieser Zeitung vorliegt, schreibt Geschäftsführer Andreas Gasche: «Dieses Jahr kandidieren drei gewerbenahe bürgerliche Personen für den Ständerat. Der kgv empfiehlt im ersten Wahlgang, zwei der drei bürgerlichen Kandidaten zu wählen.»Konkret spricht sich der Gewerbeverband für Imark und Bischof aus – «in der Reihenfolge der Interessenvertretung des Gewerbes», wie es im Schreiben vom 17. Juli heisst. Gleichzeitig lässt der kgv die Unterstützten wissen, dass sich der Verband das Vorgehen für einen allfälligen zweiten Wahlgang offen hält.

Das sind gute Nachrichten für den CVP- und den SVP-Mann, enttäuschende für FDP-Mann Nünlist. Kann der Freisinnige wenigstens auf den Sukkurs der Solothurner Handelskammer (SOHK) zählen? Kaum – wenigstens nicht offiziell. Direktor Daniel Probst sagt auf Anfrage: Die SOHK gibt sehr wahrscheinlich keine Wahlempfehlung ab, da wir in der Regel nur Kandidatinnen und Kandidaten empfehlen, die gewählte Mitglieder des Vorstandes oder des Direktoriums sind.» Und das sind weder Bischof noch Imark und Nünlist. Der definitive Entscheid fällt nach Aussage von Probst am kommenden Mittwoch. Eine Wahlempfehlung wäre nur möglich, wenn die Handelskammer ihre bisher zur Anwendung gebrachten Regeln ändern würde. Hinweise darauf, dass dies passieren könnte, gibt es nach Auskunft von Probst zum heutigen Zeitpunkt jedoch nicht.

Immerhin: SOHK und kgv werden Anfang September eine umfangreiche Wahlanalyse publizieren. Dabei handelt es sich um eine breit abgestützte Umfrage unter den Vorstandsmitgliedern der beiden Wirtschaftsverbände, die in einen aussagekräftigen Kandidatenvergleich mündet.

Interessenvertretung des Gewerbes zentral

Übrigens: Gleich wie bei den Ständeratswahlen verfährt die SOHK auch bei den Nationalratswahlen. Derweil unterstützt der kgv Kandidatinnen und Kandidaten, welche die Interessen des Gewerbes vertrete und dem Verband seit mindestens einem Jahr angehören. Dabei obliegt es der Präsidentenkonferenz, «die gewerbepolitische Haltung» zu beurteilen. Wobei die empfohlenen Personen in der Regel Unternehmer, mitarbeitende Partner oder leitende Angestellte sein sollten.