Ständeratswahl

FDP erlebt auch mit Nünlist Schiffbruch – nur Bischof (CVP) im 1.Wahlgang gewählt

Ständeratskandidat Stefan Nünlist (FDP)

Ständeratskandidat Stefan Nünlist (FDP)

Die Solothurner Ständeratswahlen laufen gleich ab wie vor vier Jahren. Pirmin Bischof (CVP) schafft die Wiederwahl im ersten Wahlgang. Roberto Zanetti (SP) als zweiter Bisheriger muss einen Umweg über den zweiten Wahlgang in Kauf nehmen. Felix Wettstein (Grüne) steigt aus.

Im Vorfeld der Wahl riefen die Parteien ihre organisierte Anhängerschaft explizit zum taktischen Wählen auf. Will heissen, nur ihren eigenen Kandidaten auf den Wahlzettel zu schreiben und keine Stimme an Mitbewerber anderer Parteien zu «verschenken». Entsprechend fielen nun die Resultate aus, die zu einem guten Teil die jeweiligen Parteienstärken widerspiegeln. Doch es gibt auch Ausreisser: Nach oben und unten.

Nünlist: Von der Partei nicht wirklich getragen

Den Ausreisser nach unten stellt Stefan Nünlist (FDP) dar: Nicht einmal seine eigene Parteibasis hat ihn voll unterstützt. Anders lässt sich das Abschneiden des Kantonalparteipräsidenten nicht erklären. Mit einem Stimmenanteil von 12,64 Prozent landete der Oltner auf dem ernüchternden letzten Platz. Seine Partei musste selber zwar auch Federn lassen, erreichte aber immerhin noch einen Wähleranteil von 18,5 Prozent.

Eine Ständeratskandidatur hätte sich Nünlist bestimmt nie angetan, wenn er als Kantonalparteipräsident nicht quasi von Amtes wegen den Winkelried hätte spielen müssen: Gegen zwei Bisherige anzutreten, das konnte nur mit einer Niederlage enden. Dass diese nun gar noch grösser als befürchtet ausgefallen ist, stellt für den einst allmächtigen Solothurner Freisinn einen weiteren herben Schlag dar. Dass Nünlist nicht reüssierte, lag an seinem geringen Bekanntheitsgrad auf gesamtkantonaler Ebene, zumal er nicht einmal dem Kantonsrat angehört. Nicht einmal in der gemeinsamen Wohngemeinde Olten vermochte Nünlist (1426 Stimmen) seinen Mitbewerber Wettstein (2319) zu schlagen.

Nünlists allfällige Ambitionen, bei kommenden Wahlen – etwa für den Regierungsrat – teilzunehmen und reüssieren zu können, dürften nunmehr zerplatzt sein. Das zeigt das Beispiel von Marianne Meister, die 2015 zuerst als Ständerats- und 2017 auch als Regierungsratskandidatin gescheitert ist.

Bischof: Die «alte Geschichte» hat nicht geschadet

Er habe eigentlich nur schlaflose Nächte, wenn seine kleinen Töchter nachts nicht schlafen könnten, sagte der wiedergewählte CVP-Ständerat Pirmin Bischof am Wahlabend sichtlich aufgeräumt. Allerdings: Dass die Wahlumfrage dieser Zeitung es als denkbar hatte erscheinen lassen, dass auch er diesmal am absoluten Mehr scheitern könnte, hatte den Stadtsolothurner jedenfalls stärker irritiert, als er nun zugeben mochte. Umso mehr als die «Wochenzeitung» in den Vorwochen auch noch die «alte Geschichte» seiner Rolle beim Kantonalbank-Crash ausgrub.

Pirmin Bischof ist im 1. Wahlgang in den Ständerat wiedergewählt worden – «Es ist eine Freude und auch eine Überraschung»

Pirmin Bischof: «Es ist eine Freude und auch eine Überraschung»

Geschadet hats ihm aber offensichtlich nichts: Mit einem Stimmenanteil von 29,76 Prozent schaffte Bischof auf Anhieb die Wiederwahl. «Die Kantonalbank-Geschichte wird jedes Mal wieder hervorgeholt, wenn ich kandidiere. Damit muss ich leben», sagte er nach geschlagener Schlacht schon fast keck. Und mit wem möchte der Wiedergewählte in Zukunft zu den Sessionen reisen? Bischof: «Ich bin bisher stets mit Roberto Zanetti im gleichen Zügli nach Bern gefahren. Ich würde dies gerne auch in Zukunft tun.»

Imark: Achtungserfolg trotz teils rüden Tönen

SVP-Ständeratskandidaten schnitten im Kanton bisher stets unter ferner liefen ab: «Polteri», so fanden die Solothurner bis anhin, gehören nicht ins «Stöckli». Das relativ gute Abschneiden von Christian Imark (Fehren) als Dritter im Rennen bewegt sich denn auch in etwa in der Grössenordnung bisheriger Kandidaturen (2015: Walter Wobmann). Der rüde Polit-Stil, den er als kantonaler Parteipräsident mitunter vorexerziert – etwa wenn er den Klimawandel leugnet und eine Bundesrätin als «Uriella Sommaruga» diskreditiert –, verhalf Imark immerhin noch zu einem Simmenanteil von 17,23 Prozent. Übrigens: In seiner Wohngemeinde Fehren musste sich Imark geschlagen geben: Dort wurde er von Pirmin Bischof knapp auf den zweiten Platz verwiesen.

Mehr als Imarks Abschneiden bei den Ständeratswahlen lässt jenes bei den Nationalratswahlen aufhorchen: Dort ist er nunmehr bestgewählter Solothurner. Dies lässt vor allem für die nächsten Regierungsratswahlen 2021 so einiges erwarten.

Wettstein: Statt Sessel im «Stöckli» ein Nationalratssitz

Getragen von der Klimadebatte haben nicht nur die Grünen, sondern auch deren Ständeratskandidat Felix Wettstein (Olten) ein bemerkenswertes Resultat erzielt: Dass Wettstein nicht wirklich eine Wahlchance hatte, sondern primär Zugpferd für seine Partei spielen musste, war von Anfang an klar. Dass er aber mit einem Stimmenanteil von 13,95 Prozent gar den Parteipräsidenten der einst allmächtigen FDP (12,64 Prozent) überflügeln würde, das stellt mehr als einen Achtungserfolg dar.

Felix Wettstein wurde in den Nationalrat gewählt

Felix Wettstein wurde in den Nationalrat gewählt

Mehr als ein Zückerchen in dieser Situation: Wettstein geht künftig zwar nicht als Standesvertreter nach Bern, dafür aber als neugewählter Nationalrat – auf Kosten des Listenverbindungspartners SP.

Zanetti: Einigermassen abgeklärt in den zweiten Wahlgang

Für Roberto Zanetti (SP) Gerlafingen wiederholt sich die Geschichte: Bereits vor vier Jahren konnte er seinen Ständeratssitz erst im zweiten Wahlgang ins Trockene bringen: Jetzt erreichte er einen Stimmenanteil von 26,4 Prozent, blieb aber 2186 Stimmen unter dem absoluten Mehr. Immerhin: Sein Vorsprung auf den direkten Verfolger Christian Imark beträgt 13'005 Stimmen.

«Eine Wahl bereits im ersten Wahlgang hätte mich überrascht», bilanziert Zanetti selber einigermassen abgeklärt. Und: «Wir setzen alles daran, dass es am 17. November klappt.» Einen kleinen Trost gibts auch noch: In der Hauptstadt schlug Zanetti seinen Stadtsolothurner Ständeratskollegen Bischof um über 1000 Stimmen.

Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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